Im Wald bewegt: Vom Wandern zum Plogging

Sportliche Aktivitäten im Wald haben eine lange Tradition. Autor Detlef Kuhlmann spannt den Bogen vom Wandern zum Plogging.

Wandern gehört noch immer zu den beliebten Aktivitäten im Wald. Foto: picture-alliance
Wandern gehört noch immer zu den beliebten Aktivitäten im Wald. Foto: picture-alliance

In der Alten Nationalgalerie in Berlin war bis Sonntag eine Ausstellung mit dem Titel „Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir“ zu sehen. Über 120 Exponate veranschaulichten, dass bedeutende Künstler unter den ersten waren, die hinausgingen, um passende Motive zu suchen bzw. draußen in der Natur zu arbeiten. Mit einer Wanderung durch diese Ausstellung konnte man sich so gesehen sogar noch ein wenig künstlerisch-kulturell einstimmen auf die Deutschen Waldtage am vorigen verlängerten Wochenende, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) initiiert hatten und die eingebettet waren in die schon bestehende Kooperation des DOSB und des DFWR unter dem Motto „Wald.Sport. Bewegt.“

Forstleute und Waldbesitzende luden nun erstmals gemeinsam mit Sportanbietern zum „bewegten“ Besuch in die Wälder ein. Deutschlandweit waren mehr als 200 Veranstaltungen unter dem Motto „Wald bewegt“ für die vier Tage geplant – Werbung für eine verständnisvolle Nutzung mit gegenseitiger Rücksichtnahme war dabei geradezu selbstverständlich eingeschlossen. Mehr noch: Der Wald als „Deutschlands größte Erlebnis- und Sportarena“ (wie sie in einem Aufruf bezeichnet wurde) ist ohnehin durchgängig geöffnet. Alle sind weiterhin eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Der Wald ist längst zu einer unverwechselbaren Multifunktionsarena avanciert: Wandern gehört dabei zu den etablierten und beliebtesten Bewegungsaktivitäten. Auch mit fremd-motorischer Antriebshilfe kann man sich im Wald bewegen – sei es beim Reiten und Radfahren oder im Winter auf Skiern. Sogar für neueste Trendsportarten bietet sich der Wald an: Jogging war gestern, Plogging ist heute angesagt – jene Bewegungsaktivität aus Laufen und beiläufigem Sammeln von Müll und Abfällen. Plogging ist 2016 in Schweden entstanden, und „plocka“ heißt im Schwedischen soviel wie „aufheben“.

Plogging muss aber nicht nur auf Wälder begrenzt sein. Eine Versportlichung von Plogging könnte in neuartige Wettkampfformate einmünden: Wer sammelt am schnellsten die meisten Kilogramm? Wer die meisten Abfälle eines bestimmten Produktes bzw. einer Marke? Es eröffnen sich ungeahnte und sogar retrospektive Vermarktungsmöglichkeiten vermutlich vornehmlich für die Lebensmittel- und Nahrungsindustrie. Wie geht dann Sponsoring?

Plogging könnte sich auch rasch auf herkömmlichen Sportstätten ausbreiten. Es soll nämlich in Deutschland immer noch Sportplätze geben, auf deren Spielfeldern (!) zuweilen diese kleinen dunkelgelben nikotinverschmutzten Mundstücke von Zigaretten rumliegen. Plogging wäre hier zu stilisieren als „Niko-Reste-Jogging“ oder „Kippen-Trab“. Die Sache hat nur einen Haken: Ganz zu Ende gedacht, könnte dieser Trendsport rasch wieder verschwinden. Würde dadurch die Wald- oder Sportwelt erschüttert? Nein: Aber Wälder und Sportstätten wären ein für alle Mal sauber!

(Autor: Prof. Detlef Kuhlmann)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder. 


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