Internationaler Mädchentag

Der Judoverein Speyer ist ein Aushängeschild von Integration durch Sport. Dieser Bericht bietet einen kleinen Einblick.

Sie haben Familien mit mehreren Kindern, üben körperlich anstrengende Berufe aus, stehen in der Blüte ihres Lebens und engagieren sich in ihrer Freizeit im Judosportverein (JSV) Speyer – für die Kinder anderer: Gülbeyaz Rastin aus einem türkischen Dorf, Jenifer Odilon aus Rio de Janeiro und Erika Wintergoller aus der ehemaligen kasachischen Hauptstadt Almaty.

Aus der Küche in einem der hinteren Kellerwinkel der Schule im Erlich strömt der Duft von frischem Chili con Carne. 15 Mädchen zwischen elf und 18 aus Deutschland, Kroatien, Polen, Indien, sowie der Türkei, alle in Speyer-West beheimatet, sitzen still um einen Tisch. „Ich hab’ Hunger“, ruft eine, den Löffel schon in der Hand.

Rastin kommt strahlend um die Ecke, im grünen „Integration durch Sport“ T-Shirt. Sie ist heute nur zu Besuch. Die anderen beiden jungen Frauen sind für den Mädchentreff verantwortlich. Wintergoller schon seit drei Jahren, seit es damit losging.

Odilon macht seit 2011 mit. Einmal die Woche trifft sich die Gruppe für eineinhalb Stunden. Die Mädels spielen Theater, es geht ins Schwimmbad, oder es gibt eine Musik-Casting-Show. Auch eine Freizeit mit Übernachtung in Bad Dürkheim war schon dabei. Ihnen werden dazu Berufe vorgestellt, und Praktika oder ein Freiwilliges Soziales Jahr vermittelt.

Rastin ist dienstags und freitags in der Woogbachschule und dem Purrmann-Gymnasium bei der Bewegungsschulung für Vorschulkinder im Einsatz. Jeweils 15 Kleine spielen und turnen dann. „Es macht einfach Spaß“ sagt die 37-jährige im Gespräch mit RHEINPFALZ: „Für Kinder bin in gerne da. Da hält mich nichts. Es macht mir Freude, ihnen etwas beizubringen.“

Per Zufall stieß sie zum JSV, als der ein Spielfest im Schützengarten ausrichtete, wo Familie Rastin sich spontan zum Mitspielen entschloss: „Wir haben uns sozusagen unter dem Sprungtuch kennen gelernt“, sagt Vereins-Geschäftsführerin Gerlinde Görgen.

Görgen koordiniert im Klub die Angebote zur Integration. Mittlerweile ist Rastin fest im JSV integriert. Sie hilft immer mit, ob es gilt, Bundesliga-Kämpfer zu bekochen, oder wenn Bundespräsident Christian Wulff zu Besuch ist. Auch die Tochter ist beim Mädchentreff schon im Boot. Auf der Gegenseite erhält sie Hausaufgabenhilfe.

Wintergoller (37) und Görgen lernten sich in der Johanneskirchengemeinde kennen. Die Russland-Deutsche brachte die Brasilianerin Odilon, die sie über die Schule der Kinder kannte, zu den Judoka. „Die Kinder lernen jedes Mal etwas fürs Leben“ erklärt die 30-Jährige auf die Frage nach ihrem Antrieb. „Und die Kinder geben immer etwas zurück.“ Sie und ihre Kolleginnen wollen dabei bleiben. „So lange, wie es weitergeht“, meint sie, auch wenn der Mädchentreff bald in die neue Judo-Halle umzieht – das alles für ein geringes Übungsleiter-Entgelt.      



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