Kein Sportstudium ohne Sportabzeichen

Sportabzeichen-Pionier Wilhelm Bolz machte 1949 den ersten Fitnesstest

Wilhelm Bolz im Kreise seiner Kommilitonen, mittlere Reihe links (Foto privat)
Wilhelm Bolz im Kreise seiner Kommilitonen, mittlere Reihe links (Foto privat)

Als Wilhelm Bolz 1949 sein Sportstudium in Köln begann, hatte die dortige Sporthochschule mit Carl Diem, dem Begründer des Deutschen Sportabzeichens, einen prominenten Leiter. Naheliegend, dass Bolz und seine Kommilitonen während ihrer Ausbildung auch den damals noch wenig verbreiteten Fitnessorden ablegten.

„Ich denke gerne an das Studium zurück“, sagt der heute 83-jährige Bolz. „Das war eine spannende Zeit. Die Ausbildung, die wir damals genossen haben, war sehr vielfältig: Anatomie, Übungsstättenbau, Fußball, Leichtathletik, Turnen – der Stundenplan war voll und Zwölfstundentage keine Seltenheit.“

Bolz‘ Dozentenliste liest sich wie ein „Who ist who“ des damaligen Sports. Das Fach Fußball lehrten der spätere Weltmeister-Trainer Sepp Herberger und sein Assistent Hennes Weisweiler. Turnen unterrichtete Adalbert Dickhut, der spätere Europameister im Geräteturnen. Unter seinen Mitstudenten waren Hubert Huppertz, der Deutsche Meister im 400-Meter-Lauf von 1949 und 1950 und Helmut Bantz (Olympiasieger 1956 in Melbourne im Turnen/Pferdsprung).

Bolz und seine Kommilitonen trainierten auf einem so hohen Niveau, dass das Deutsche Sportabzeichen für niemanden eine unlösbare Aufgabe war. „Die Anforderungen waren für uns kein Problem“, so Bolz. Trotzdem wäre niemand auf die Idee gekommen, den Fitnesstest zu „schwänzen“: „Ein Sportstudium ohne Sportabzeichen war für Carl Diem und uns einfach nicht denkbar“, so Bolz.

Begeisterung fürs Sportabzeichen weitergetragen

Nach dem Studium ist Bolz dem Deutschen Sportabzeichen verbunden geblieben. „Seit 1950 war ich der Schulsportfachberater für die ganzen Schulen in Kaiserslautern“, berichtet Bolz. „Da habe ich mit meinen Kollegen dafür Sorge getragen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler das Deutsche Sportabzeichen machten.“

1971 wurde Wilhelm Bolz Schulleiter der Goetheschule in Kaiserslautern. „Dort habe ich bis zu meiner Pensionierung, um meiner Vorbildfunktion gerecht zu werden, auch immer wieder selbst die Anforderungen für das Deutsche Sportabzeichen erfüllt.“

Bolz hat sich die Leistungen nicht immer bestätigen lassen. „Deshalb habe ich heute lediglich 15 Abzeichen“, sagt er. „Erbracht habe ich die Leistungen aber viel öfter.“ Seit 1968 ist Wilhelm Bolz Prüfer für das Deutsche Sportabzeichen. Aus gesundheitlichen Gründen kann er seit zwei Jahren den Fitnesstest nicht mehr selbst machen, als Prüfer steht er jedoch nach wie vor auf dem Sportplatz.

Außerdem ist Bolz Lehrgangsleiter beim Sportbund Pfalz. Er vermittelt Inhalte und Trainingsmethoden, die Übungsleiter in ihren Vereinen anwenden. „Am Samstag lehre ich wieder Qigong“, sagt er. So wie 1949, als er das nur wenig verbreitete Sportabzeichen machte, ist er auch heute neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen. „Auch in meinem Alter lerne ich immer wieder dazu. Das ist ein Grund, warum ich dem Sport verbunden geblieben bin.“


  • Wilhelm Bolz im Kreise seiner Kommilitonen, mittlere Reihe links (Foto privat)
    Wilhelm Bolz im Kreise seiner Kommilitonen, mittlere Reihe links (Foto privat)
  • Wilhelm Bolz heute (Foto: privat)
    Wilhelm Bolz heute (Foto: privat)

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