Laufen nach Boston – jetzt erst recht!

Laufen ist friedlich und völkerverbindend, meint Prof. Detlef Kuhlmann und lobt die Solidarität der Läufer nach dem Anschlag in Boston. Der Autor ist Professor am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover.

Nicht nur beim London Marathon wurde den Opfern des Anschlags von Boston gedacht. Foto: picture-alliance
Nicht nur beim London Marathon wurde den Opfern des Anschlags von Boston gedacht. Foto: picture-alliance

Das vergangene Wochenende ist eigentlich ganz gut gelaufen. In Boston wurden die beiden mutmaßlichen Bombenattentäter gefasst. Die Bevölkerung reagierte erleichtert bis jubelnd. In mehreren großen europäischen Städten und anderswo starteten Zehntausende Läuferinnen und Läufer zum Marathon und absolvierten die 42,195 Kilometer lange Strecke, ohne dass es zu irgendwelchen gewalttätigen Zwischenfällen kam. Und doch lief das Wochenende irgendwie ganz anders – nach dem schrecklichen terroristischen Anschlag beim Boston-Marathon Montag vor einer Woche.

In London haben die 36.000 Marathonläufer und Läuferinnen vor dem Start eine halbe Minute geschwiegen und trugen schwarze Schleifen an ihren Trikots. In Hamburg konnten die 18.000 Aktiven zudem ihre Verbundenheit mit den Anschlagsopfern von Boston mit gelb-grünen Armbändern und der Aufschrift „Run for Boston“ zum Ausdruck bringen. In Berlin, dem Epizentrum der modernen Laufbewegung in Deutschland, wurden die Opfer von Boston mit einem wettkampffreien Lauf durch den Tiergarten geehrt. Die solidarische Botschaft war überall gleich und sollte über die jeweiligen Laufstrecken weit hinaus strahlen: Laufen ist friedlich und völkerverbindend!

„Jetzt erst recht laufen!“ – damit wird dieser Tage der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff zitiert, der selbst mit seinen über 70 Jahren eifriger Dauerläufer mit mehrfachen Marathonteilnahmen beispielsweise in New York und Berlin ist. Was Schlöndorff speziell mit Blick auf den tragischen Vorfall in Boston formuliert hat, lässt sich über Boston hinaus aber ganz generell und unabhängig von den Debatten um vorhandene und zu verschärfende Sicherheitsvorkehrungen bei öffentlichen Lauf- und Sportveranstaltungen perspektivisch deuten.

Denn: Die Laufbewegung in unserem Lande feiert noch im Herbst diesen Jahres ihren 50. Geburtstag. Den Laufpionieren um Otto Hosse im Deutschen Leichtathletik-Verband und den Trimm-Dich-Vätern im damaligen Deutschen Sportbund ist es zu verdanken, dass aus dem einstigen „versteckten“ Waldläufen für wenige rasch „offene“ Volksläufe für viele geworden sind. Das ausdauernde Laufen im öffentlichen Raum hat sich im zurückliegenden halben Jahrhundert zu einem alltäglichen Massenphänomen unserer Zeit entwickelt – Tendenz steigend!

So gesehen sind die ersten 50 Jahre eigentlich ganz gut gelaufen – und es lässt sich für die nächsten 50 Jahre folgern und fordern: „Laufen nach Boston – jetzt erst recht!“


  • Nicht nur beim London Marathon wurde den Opfern des Anschlags von Boston gedacht. Foto: picture-alliance
    Nicht nur beim London Marathon wurde den Opfern des Anschlags von Boston gedacht. Foto: picture-alliance

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