„Macht Sport.“

Macht Sport – diese beiden so gewichtigen Worte stammen von der Bahnradsportlerin Kristina Vogel. Dafür sollten wir ihr dankbar sein, sagt Autor Detlef Kuhlmann.

Kristina Vogel (m.) beim Berliner Sechstagerennen. Foto: picture-alliance
Kristina Vogel (m.) beim Berliner Sechstagerennen. Foto: picture-alliance

Macht Sport – diese Aufforderung klingt klar und konkret. Ihr schwingt aber zugleich ein banaler Unterton mit , so frei nach dem Motto: „Esst mehr Obst!“ Das besondere rhetorische Gewicht des Ausrufes „Macht Sport.“, um nicht zu schreiben: sein spezifisches „Superschwergewicht“, tritt aber erst dann voll in Erscheinung, wenn man weiß, wer „Macht Sport.“ jüngst proklamiert hat und in welchem Kontext dies geschehen ist.

Macht Sport – das könnten Eltern zu ihren Kindern sagen, das mögen Ärzte ihren Patienten als Rezept verordnen. Alles richtig und wichtig – aber: „Macht Sport.“ hat jemand anderes neulich bundesweit vernehmbar in gedruckter Form verbreiten lassen. Das war allerdings gar keine Schlagzeile und ist deswegen vielleicht rasch wieder in Vergessenheit geraten. Allein das ist Grund genug, an „Macht Sport.“ zu erinnern.

Macht Sport – diese beiden so gewichtigen Worte stammen von einer 28 Jahre jungen Frau. Sie hat ihren Sport in einem Verein betrieben. Der hieß erst SV Sömmerda, später RSC Turbine Erfurt. Diese Sportlerin ist zweimalige Olympiasiegerin. Sie gewann zudem insgesamt elf Weltmeister- und 21 nationale Titel. Sie ist die erfolgreichste Bahnradsportlerin Deutschlands und zusammen mit der Australierin Anna Meares die erfolgreichste Bahnradsportlerin der Welt.

Macht Sport – das hat tatsächlich Kristina Vogel so gesagt. Sie ist seit ihrem schrecklichen Trainingsunfall am 26. Juni 2018 auf der Radrennbahn in Cottbus von der Brust abwärts querschnittsgelähmt. Sie kann seitdem ihren so geliebten und zugleich so erfolgreich betriebenen Bahnradsport nicht mehr ausüben. Und trotzdem (oder genau deswegen?) ruft sie uns unaufgefordert jetzt zu: „Macht Sport.“ Warum nur?

Macht Sport – das steht tatsächlich so geschrieben in einem längeren Interview, das Kristina Vogel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gegeben hat (vgl. Ausgabe Nr. 6 vom 10. Februar). Um diesen auf zwei Worte konzentrierten Satz ganz genau zu verstehen, sollte man allerdings den Kontext (linguistisch korrekt muss es heißen: den Kotext) hinzufügen, in den „Macht Sport.“ von Kristina Vogel in der Interviewpassage eingebettet ist.

Macht Sport – das ist nämlich nur der Zitatanfang, der im Originalton dann mit einem neuen Satz so weitergeht: „Macht Sport. Er entwickelt die Persönlichkeit, Disziplin, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Gemeinsinn. Ob ein Kind jetzt Leistungssportler werden muss wie ich, sei dahingestellt. Hat nicht jeder Bock drauf, auch nicht das Talent. Aber normaler Sport tut es auch.“

Macht Sport – basta! Wenn Kristina Vogel das so sagt, muss es stimmen. Sie hat das schließlich jahrelang „am eigenen Leibe“ erfahren. Daraus speist sich nun ihre Erinnerung – alles fein pädagogisch reflektiert. Für diese Erfahrungen durch Sport ist sie offensichtlich sehr dankbar. Sie haben ihre Persönlichkeit geprägt und stark gemacht. Jetzt sollten wir Kristina Vogel für ihre Worte dankbar sein: „Macht Sport!“ – das können wir jetzt weitersagen, vielleicht sogar mit Ausrufezeichen! Aber stets mit Verweis (nix mit Plagiat!) auf die Autorin Kristina Vogel.                       

(Autor: Prof. Detlef Kuhlmann)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder. 


  • Kristina Vogel (m.) beim Berliner Sechstagerennen. Foto: picture-alliance
    Kristina Vogel (m.) beim Berliner Sechstagerennen. Foto: picture-alliance

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