Man müsste mal wieder

Man müsste sich mal wieder bewegen, findet Autor Jörg Stratmann in seinem Kommentar. Doch gerne schiebt der Mensch alles auf die lange Bank.

Bewegung tut gut, doch viel zu oft, bleibt es beim guten Vorsatz. Foto: LSB NRW
Bewegung tut gut, doch viel zu oft, bleibt es beim guten Vorsatz. Foto: LSB NRW

Es ist einige Tage her, dass Fußball-Nationalspieler Andreas Möller diesen Begriff prägte:„Indianersprache“ – so nannte er eine damals unter Profikickern populäre Angwohnheit, über sich selbst zu sprechen. „Ein Andreas Möller kennt keinen Schmerz“, könnte er gesagt haben. Oder auch: „Ein Andreas Möller macht das nicht.“

Allerdings hat sich diese indirekte Art, das eigene Handeln – oder auch Nichtstun – zu umschreiben, nicht durchgesetzt. Auch ein noch berühmterer Kollege Möllers lehnte das zuletzt ab. „Ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person. Er kommt sehr gut allein zurecht“, sagte der beispielsweise. Dagegen wächst die Anzahl der Mitmenschen, die auf eine andere umgangssprachliche Form der Verallgemeinerung setzen – und damit zugleich Verantwortung von sich fernhalten.

„Man müsste mal wieder...“, dieser unfertige Satz, fast ein Stoßseufzer, ist immer häufiger zu hören. Er hat sich als viel alltagspraktischer erwiesen. Und als Dauerausrede, mit der wir uns den Anschein des Aktiven erhalten. Wir sind „Die Generation Man müsste mal“. So lautet der Titel eines Buches, das vor fast zwei Jahren Claudia Langer, die Gründerin der Verbraucherplattform www.utopia.de, veröffentlichte.

Sie geißelte darin unsere Leitkultur der Verschwendung, unsere Faulheit und Mutlosigkeit und die ökologische Behaglichkeit, in der wir uns eingerichtet haben. Nicht, dass sie nicht selbst gelegentlich diesem Phänomen unterliege: dem inneren Schweinehund, den Sachzwängen, der Hektik des Alltags, dem Job, den Geldsorgen, all diesen vermeintlichen Hindernissen, die uns vorgaukelten, was wichtig ist – und was man problemlos auf die lange Bank schieben kann. Aber, so sagt Claudia Lange: „Eigentlich wissen wir doch genau, dass wir handeln müssen.“ Es sei nur nicht so, dass diese Dinge sich wie von Geisterhand veränderten und sich Nachhaltigkeit von selbst einstelle. „Die Geisterhand, das sind wir. Sie und ich.“

Leider genügt es auch nicht, das ständig zu wiederholen. So wie gerade erst wieder eine Studie veröffentlicht worden ist, die belegt, wie sehr bei unseren Kindern Bewegung das Zusammenspiel der Nerven und Gehirnzellen verbessert. Auch das hören wir seit Jahrzehnten immer wieder. Nur hat dieser stete Tropfen keinen Stein gehöhlt.

Es führt kein Weg daran vorbei: Man – nein: Wir müssen es tun. Auch ich müsste mich mal wieder bewegen. Sobald dieser Text veröffentlicht ist, fange ich an.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Bewegung tut gut, doch viel zu oft, bleibt es beim guten Vorsatz. Foto: LSB NRW
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