Man muss nicht außer Tritt geraten

Die Initiative Sturzprävention diskutiert auf ihrer Berliner Tagung „Gesund und aktiv Älterwerden in Deutschland“ neue Studienergebnisse und stellt Programme vor.

Bewegung spielt eine wichtige Rolle um Mobilität und Lebensqualität zu erhalten. Foto: picture-alliance
Bewegung spielt eine wichtige Rolle um Mobilität und Lebensqualität zu erhalten. Foto: picture-alliance

Alt werden. Viele möchten sich damit nicht beschäftigen, haben Bilder im Kopf, die alte Menschen gleichsetzen mit kranken Menschen. Doch es ist möglich, das Leben auch im hohen Alter mit viel Lebensqualität zu gestalten und gesundheitlichen Risiken entgegen zu wirken. Bewegung spielt dabei eine große Rolle. Prävention ist das Mittel, mit dem viele Länder mittlerweile für ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben von älteren Mitbürgern viele Programme auflegen.

Auf der Tagung „Gesund und aktiv Älterwerden in Deutschland“ beschäftigten sich Experten und Expertinnen in der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung mit diesen Themen, speziell der Sturzprävention. Die Bundesinitiative Sturzprävention, ein Zusammenschluss von Wissenschaftler/innen und Experten/innen aus den Bereichen Krankenkassen, Sport- und Wohlfahrtsverbänden, lud ein, über ihr gemeinsames Ziel diskutierten.

Fünf Millionen Stürze 2011

Und das ist auf den ersten Blick nicht so einfach: Umstritten sind nämlich die Eckdaten des HTA-Berichtes (Health Technology Assessments) zur Sturzprävention, der federführend von der Universität Lübeck erarbeitet wurde. In einer empirischen Studie wurden die Effekte und Erfolge untersucht, die Sturzprävention erreichen kann. Doch welche Parameter wählt man, um nicht nur dem Thema, sondern vor allem den betroffenen Menschen gerecht zu werden? Für den Leiter der Initiativgruppe Sturzprävention, Professor Clemens Becker, sind entscheidende Parameter Lebensqualität und Mobilität, die aber in dieser Studie keine Rolle spielten.

Mobilität und damit Lebensqualität können jäh schwer beeinträchtigt werden, nämlich durch einen Sturz. Etwa fünf Millionen Stürze älterer Menschen wurden im vergangenen Jahr registriert, davon endeten etwa 250 000 mit Frakturen – und im Krankenhaus. Noch zu oft enden solche Fälle als Pflegefälle. Das muss nicht sein: In Deutschland  zeigen viele erfolgreiche Projekte und Programme, dass Risikofaktoren reduziert werden können: Die nachlassende Gleichgewichtsfähigkeit und sinkende Muskelkraft, die of Gründe für schwere Stürze sind, können mit speziellen Programmen trainiert werden. Erfolgreich sind dabei auch Sportangebote, die Mitgliedsvereine des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) anbieten.

Seit 2003 werden in Pflegeheimen erfolgreich sturzpräventive Maßnahmen etabliert. Für Menschen, die daheim bleiben und leben wollen, sind ambulante Angebote dagegen kaum vorhanden, obwohl viele Studien die Wirksamkeit belegen. Professor Chris Todd von der University of Manchester gab einen ausführlichen Überblick über europäische Erfahrungen und Empfehlungen zu diesem Bereich, dem sich auch die EU angenommen hat. Und er betonte: Man könne nicht früh genug mit Sturzprävention anfangen.

Deutsche Gesundheitspolitiker kümmern sich seit 2003 um dieses Thema. „Wir haben Sturzprävention im Fokus“, sagte die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, Annette Widmann-Mauz, in Berlin und sah in der „Nationalen Präventionsstrategie“ der Bundesregierung auch einen Platz für die Sturzprävention.

Mit den Kosten von Stürzen und den sturzbedingten Verletzungen beschäftigte sich Professor Hans-Helmut König aus Hamburg. Was wie viel kostet, hängt vom Sturz ab. Hauptsächlich untersucht sind in Deutschland Hüftfrakturen, die auf etwa 8.200 Euro mit Folgekosten kommen. Ob man mit Prävention viele Kosten einsparen könnte? König sprach von „kosteneffektiv“.

80 Prozent der Fixierungen überflüssig

Dass alte Menschen, die nicht mehr so gut auf den Beinen sind und manchmal außer Tritt geraten, oft etwa in Heimen fixiert werden „mit der Begründung, sie vor Stürzen zu bewahren“, darauf verwies Professor Thomas Klie (Evangelische Hochschule Freiburg). 330.000 Fixierungen gebe es täglich in dieser Republik. Davon seien 80 Prozent überflüssig, was eine „Rechtsverletzung“ darstelle, sagte Klie und schilderte anschaulich das „Recht auf Teilhabe und sichere Bewegung“ von alten Menschen und die Rechtsfragen, die daraus entstehen.

Die Geschäftsführerin der Initiative, Ute Blessing-Kapelke (DOSB), hatte zur Begrüßung von vielen „Baustellen“ gesprochen, die es anzugehen gelte. Sensibilisierung für Altersthemen gehört auch dazu: Nicht verdrängen, sondern darüber sprechen, sich damit auseinandersetzen, Risiken erkennen und gegensteuern.

(Quelle: DOSB/Bianka Schreiber-Rietig)


  • Bewegung spielt eine wichtige Rolle um Mobilität und Lebensqualität zu erhalten. Foto: picture-alliance
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