Migrantensportvereine – Pro & Kontra

Manche Einwanderer gründen eigene Vereine, anstatt deutschen beizutreten. Dient das der Integration? Ein Pro und Kontra.

 

Der Trainer des SV Türkgücü-Ataspor, Alper Kayabunar, begrüßt einen der treusten Fans. "Ibo" verteilt beim Training Trinkflaschen und hat den Medizinkoffer parat. Foto: DJS/Länge
Der Trainer des SV Türkgücü-Ataspor, Alper Kayabunar, begrüßt einen der treusten Fans. "Ibo" verteilt beim Training Trinkflaschen und hat den Medizinkoffer parat. Foto: DJS/Länge

Helfen Migrantensportvereine bei der Integration? Ja.

Jeder freut sich, wenn er im Ausland Landsleute trifft. Wenn er in einem Land fremd ist und wenig Heimatgefühl erleben darf. So geht es auch vielen Neuankömmlingen in Deutschland. In Migrantensportvereinen finden sie dann Halt und die Basis für ein neues Leben in einer neuen Kultur.

Dass sich Mitglieder in Migrantensportvereinen abschotten, um unter sich zu sein, dass sie oft an Konflikten beteiligt und schlecht organisiert sind, ist ein veraltetes Pauschalurteil. Durch die Teilnahme am allgemeinen Spielbetrieb und die Mitgliedschaft in den Verbänden sind sie stärker und direkter in die deutsche Gesellschaft integriert als Migrantenvereine aus anderen Gesellschaftsbereichen.

Heute tragen die Sportvereine mehr denn je zur Integration bei, indem sie den Einstieg in einem fremden Land erleichtern. Für Zuwanderer mit geringen Deutschkenntnissen oder muslimische Frauen und Mädchen bieten Migrantensportvereine oft die einzige Möglichkeit, am Sportbetrieb teilzunehmen. Bei einheimischen Vereinen fehlt oft die Bereitschaft, Angebote speziell für die Anforderungen von Migranten zu schaffen, ebenso das Verständnis für fremde Kulturen.

Diese Schwierigkeiten gibt es in Migrantensportvereinen nicht. Spieler knüpfen erste Kontakte unter Landsleuten, bekommen Unterstützung bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Der Kontakt zu Einheimischen folgt zwangsläufig – in der Schule, am Arbeitsplatz oder am Spieltag auf dem Fußballplatz.

Text: Maximilian Länge (DJS)

 

Helfen Migrantensportvereine bei der Integration? Nein.

Nirgendwo ist es leichter, sich mit Deutschen anzufreunden als in Sportvereinen. Sie bieten die perfekten Voraussetzungen, um Einwanderer zu integrieren. Beim Training, bei Wettbewerben und bei Festen ist jeder willkommen, der sich für die Sportart begeistern kann. Gemeinsam nach guten Leistungen zu streben, macht aus Fremden Freunde – egal, woher sie kommen und was sie glauben. Sport funktioniert auch über sprachliche und kulturelle Hürden hinweg. Wenn Migranten eigene Clubs gründen, obwohl sie genauso gut einem deutschen beitreten könnten, entscheiden sie sich dagegen, diese Chancen zu nutzen.

Es gibt über 90.000 Sportvereine in Deutschland. Da wird auch für jeden Einwanderer etwas dabei sein. Warum wollen manche dennoch ihren eigenen gründen? Für Sportarten, die in Deutschland noch nicht vertreten sind, ist das nachvollziehbar. Aber für Massensportarten wie Fußball? Die Einwanderer erwecken damit den Eindruck, dass sie ihren Hobbys lieber mit Landsleuten nachgehen wollen als mit Deutschen. Das ist bequemer für sie: In ihren eigenen Vereinen müssen sie sich weder bemühen, Deutsch zu sprechen, noch müssen sie sich dort an die hiesige Kultur anpassen, zum Beispiel beim Thema Pünktlichkeit. Aber ohne einen gewissen Einsatz von beiden Seiten kann Integration nicht gelingen.

Text: Sören Götz (DJS)

Der DOSB hat die 55. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule in München (DJS) gebeten, sich Gedanken über den Zusammenhang von Sport und Integration zu machen – frei und unabhängig von Vorgaben, gemäß dem journalistischen Kodex. Herausgekommen ist ein multimediales Projekt, das mit einer Webreportage über einen charismatischen Münchener Crickettrainer startet und in den darauffolgenden Tagen mit Interviews, persönlichen Erlebnissen und Statements von prominenten und weniger prominenten Menschen online und in den Sozialen Medien (Twitter: @DOSB_Integra) fortgeführt wird. Zum Abschluss der Kooperation am 8. Juni wechseln die DJS-Schüler in den Printbereich und erzählen ihre Geschichten zu Integration durch Sport in der Beilage einer großen deutschen Tageszeitung weiter. Lassen Sie sich überraschen.


  • Der Trainer des SV Türkgücü-Ataspor, Alper Kayabunar, begrüßt einen der treusten Fans. "Ibo" verteilt beim Training Trinkflaschen und hat den Medizinkoffer parat. Foto: DJS/Länge
    Der Trainer des SV Türkgücü-Ataspor, Alper Kayabunar, begrüßt einen der treusten Fans. "Ibo" verteilt beim Training Trinkflaschen und hat den Medizinkoffer parat. Foto: DJS/Länge
  • Der SV Türkgücü wurde 1972 von türkischen Gastarbeitern gegründet. Damals ging es nicht um Integration, sondern um die Freizeitgestaltung der Migranten, die in Deutschland zunächst kaum Anschluss fanden. Foto: DJS/Länge
    Der SV Türkgücü wurde 1972 von türkischen Gastarbeitern gegründet. Damals ging es nicht um Integration, sondern um die Freizeitgestaltung der Migranten, die in Deutschland zunächst kaum Anschluss fanden. Foto: DJS/Länge
  • Sportlich lief es gut: 1988 gelang dem Verein mit dem deutschen Trainer Peter Grosser der Aufstieg in die Bayernliga, die damals die dritthöchste Spielklasse war. Zu Derbys gegen 1860 München kamen Tausende Zuschauer. Foto: DJS/Länge
    Sportlich lief es gut: 1988 gelang dem Verein mit dem deutschen Trainer Peter Grosser der Aufstieg in die Bayernliga, die damals die dritthöchste Spielklasse war. Zu Derbys gegen 1860 München kamen Tausende Zuschauer. Foto: DJS/Länge
  • Um die Jahrtausendwende ging der Verein insolvent. Der Nachfolgeverein fusionierte 2009/10 mit dem SV Ataspor. Foto: DJS/Länge
    Um die Jahrtausendwende ging der Verein insolvent. Der Nachfolgeverein fusionierte 2009/10 mit dem SV Ataspor. Foto: DJS/Länge
  • Heute spielt die erste Mannschaft in der fünften Liga mit acht Türken, sieben Deutschen und fünf Fußballern aus anderen Nationen. Man achte bei der Spielerauswahl nicht auf Nationalität, sondern nur auf Qualität, sagt der Trainer. Foto: DJS/Länge
    Heute spielt die erste Mannschaft in der fünften Liga mit acht Türken, sieben Deutschen und fünf Fußballern aus anderen Nationen. Man achte bei der Spielerauswahl nicht auf Nationalität, sondern nur auf Qualität, sagt der Trainer. Foto: DJS/Länge
  • Die Fans Ali Aktuğ und Hakan Sarıkaya unterstützen den Verein seit 35 Jahren bei jedem Spiel und schauen manchmal auch beim Training zu. Foto: DJS/Länge
    Die Fans Ali Aktuğ und Hakan Sarıkaya unterstützen den Verein seit 35 Jahren bei jedem Spiel und schauen manchmal auch beim Training zu. Foto: DJS/Länge
  • Der FC Maroc wurde erst 2009 gegründet. Das Training gleicht eher einem lockeren Kicken mit Freunden. Foto: DJS/Länge
    Der FC Maroc wurde erst 2009 gegründet. Das Training gleicht eher einem lockeren Kicken mit Freunden. Foto: DJS/Länge
  • Wer aus dem arabischen Sprachraum neu nach Deutschland kommt, findet hier eine erste Anlaufstation. Die Spieler helfen einander bei der Wohnungs- und Jobsuche. Foto: DJS/Länge
    Wer aus dem arabischen Sprachraum neu nach Deutschland kommt, findet hier eine erste Anlaufstation. Die Spieler helfen einander bei der Wohnungs- und Jobsuche. Foto: DJS/Länge
  • Die Marokkaner gründeten den Verein, weil sie so Fußball spielen wollten, wie sie es aus ihrer Heimat kennen: „Wenn du in einer deutschen Mannschaft dreimal dribbelst, wechselt der Trainer dich aus“, sagt der Vorstand. Foto: DJS/Länge
    Die Marokkaner gründeten den Verein, weil sie so Fußball spielen wollten, wie sie es aus ihrer Heimat kennen: „Wenn du in einer deutschen Mannschaft dreimal dribbelst, wechselt der Trainer dich aus“, sagt der Vorstand. Foto: DJS/Länge
  • Die Sprache auf und neben dem Platz ist beim FC Maroc nach wie vor Arabisch. Wenn jemand zum Training komme, der kein Arabisch spricht, würden sie natürlich ins Deutsche wechseln, sagen die Spieler. Foto: DJS/Länge
    Die Sprache auf und neben dem Platz ist beim FC Maroc nach wie vor Arabisch. Wenn jemand zum Training komme, der kein Arabisch spricht, würden sie natürlich ins Deutsche wechseln, sagen die Spieler. Foto: DJS/Länge
  • Der Vorstand hat sogar schon per Anzeige einen deutschen Torwart gesucht, weil er gerne auch deutsche Spieler hätte. Doch es hat sich niemand gemeldet. Foto: DJS/Länge
    Der Vorstand hat sogar schon per Anzeige einen deutschen Torwart gesucht, weil er gerne auch deutsche Spieler hätte. Doch es hat sich niemand gemeldet. Foto: DJS/Länge
  • Vorstand Hicham Najih gründete den Verein mit marokkanischen Freunden, die er im Studium kennengelernt hatte. Inzwischen arbeiteten viele als Ingenieure und Ärzte, sagt er. Foto: DJS/Länge
    Vorstand Hicham Najih gründete den Verein mit marokkanischen Freunden, die er im Studium kennengelernt hatte. Inzwischen arbeiteten viele als Ingenieure und Ärzte, sagt er. Foto: DJS/Länge
  • DOSB-DJS-Aktionsstempel
    DOSB-DJS-Aktionsstempel

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