Neue Erkenntnisse zur Beteiligung von Frauen am Olympischen Spitzensport

Trotz aufsehenerregender Erfolge von Einzelathletinnen aus allen Teilen der Erde ist kurz-fristig nicht mit einem signifikanten Anstieg siegreicher Nationen im Olympischen Spit-zensport der Frauen zu rechnen. Diese Einschätzung vertreten Nicolas Chamerois und Pas-cal Gillon (Universität Franche-Comté, Frankreich) in der jüngsten Ausgabe der Olympic Re-view. Sie stellen dort Erkenntnisse einer Untersuchung vor, die von der zweiten Weltkonfe-renz zu Frauen im Sport im März 2000 in Paris initiiert wurde.

 

 

 

Unter dem Titel "Frauen-Sport. Zwischen Globalisierung und Konfiszierung?" widmen sie sich exemplarisch der Leichtathletik. Als Verbreitungskriterium des olympischen Spit-zensports betrachteten die Autoren das Führen nationaler Rekorde. Von 199 Nationalen O-lympischen Komitees (NOKs) konnten immerhin 164 derartige nationale Bestenlisten von Frauen vorweisen. Ausnahmen bildeten die Golf-Staaten Saudi Arabien, Qatar, Oman, Ver-einigte Arabische Emirate und Bahrain, in denen die Kombination aus politischer und religiö-ser Macht die Entwicklung des Frauen-Hochleistungssports verhindert. Auch im Iran wurde seit dem Sturz des Shahs lediglich im Marathon ein nationaler Rekord verbessert.

 

 

 

Nur ein Drittel der NOKs, vorwiegend aus Europa, Amerika und weniger Ozeanischer und afrikanischer NOKs weisen Rekorde in allen Frauendisziplinen auf. Sprint und Laufdiszipli-nen sind dabei unter den NOKs am weitesten verbreitet. 90% der NOKs führen Rekordlisten auf den Distanzen von 100 bis 1500 m, wobei insbesondere der 100m Lauf als wahrhaft glo-bales Ereignis bezeichnet werden kann. Auf den längeren Strecken und den Hürdendistan-zen fällt die Verbreitung deutlich geringer aus. Bei den Sprüngen sind Weit- und Hochsprung weltweit anzutreffen. Der 1995 bei der WM in Göteborg eingeführte Dreisprung und beson-ders der 1999 in Sevilla eingeführte Stabhochsprung sind noch weit davon entfernt als global player bezeichnet werden zu können. Für offenkundige Unterschiede zwischen diesen bei-den Disziplinen wird der hohe technische und materielle Aufwand für das Stabhochspringen angesehen. So ist die Entwicklung des Frauen-Stabhochsprungs bislang gänzlich an Afrika, dem mittleren und nahen Osten sowie am indischen Subkontinent vorbeigegangen. Auch der Hammerwurf der Frauen ist nach seinem Debüt auf internationaler Ebene im Jahre 1999 noch nicht so weit wie Kugelstoß, Speer- und Diskuswurf die sich weltweit lediglich im Ni-veau der erzielten Weiten unterscheiden.

 

 

 

Mit Hilfe der sogenannten ungarischen Tabelle haben Chamerois und Gillon auch die Erfolge der NOKs im Olympischen Spitzensport der Frauen verglichen und dabei ein deutliches Nord-Süd-Gefälle erkannt. Die Top-NOKs sind mit Ausnahme von Südafrika und Australien in der nördlichen Hemisphäre anzutreffen. Neben dem Wohlstand führen die Autoren den politischen Willen und die Größe einer Sportnation als limitierenden Faktor für Verbreitung und Erfolg Frauensports an. Die reichen NOKs im Norden und in Australien sowie das vom politischen Willen getragene der Volksrepublik China haben gemein, das alle erzielten Re-korde auf internationalem Niveau liegen, während alle anderen lediglich punktuell erfolgreich sind. Die Olympic Review erscheint auch im Internet unter www.olympic.org .

 

 

 

Das NOK für Deutschland führt derzeit unter Leitung von NOK-Mitglied Sylvia Schenk eine Befragung seiner Mitgliedsverbände durch, bei der es um die Beteiligung von Frauen an der Arbeit der olympischen Spitzenverbände geht.

 

 

 

 

 



Weitere Links:
Die Olympic-Review im Internet


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