Perspektiven der Integrationsarbeit im Sport

150 Vertreter aus den Bereichen Sport, Wissenschaft, Politik und interessierter Öffentlichkeit tauschten sich in Frankfurt zu den Herausforderungen der Integrationsarbeit für die Vereinsentwicklung aus.

Prof. Sebastian Braun beleuchtet das ehrenamtliche und freiwillige Engagement im Kontext von sportbezogener Integrationsarbeit von Vereinen. Foto: Uwe Winter
Prof. Sebastian Braun beleuchtet das ehrenamtliche und freiwillige Engagement im Kontext von sportbezogener Integrationsarbeit von Vereinen. Foto: Uwe Winter

Einen Blick über die Landesgrenzen hinaus war der Sportjugend Hessen und dem Sportkreis Frankfurt, als Organisatoren, besonders wichtig. Integrationsarbeit im Verein der letzten Jahre durchaus kritisch unter die Lupe zu nehmen und neue Inputs aus der Wissenschaft sowie verschiedenen europäischen Nachbarländern sorgten dafür, dass die Akteure der Integrationsarbeit im Sport viele neue Handlungsempfehlungen mit nach Hause nehmen konnten. Unterstützung erhielt der Kongress durch das Hessische Ministerium des Innern und für Sport.

Zwei Programme, das Bundesprogramms „Integration durch Sport“, gefördert vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, sowie das Landesprogramm „Sport und Flüchtlinge“, das eine Förderung vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport erhält, werden derzeit von der Sportjugend Hessen betreut und weiterentwickelt. „Sich Personen unterschiedlicher Herkunft zu öffnen und diesen Menschen besondere Angebote zu machen, darin unterstützt die Sportjugend Hessen Verbände und Vereine bereits seit Jahrzehnten“, erklärte Juliane Kuhlmann, Vorsitzende der Sportjugend Hessen. „Wir setzen uns für eine lebendige und reichhaltige Vereinskultur ein.“  
Aktuell berät und unterstützt die Sportjugend Hessen 350 Sport-Coaches, 250 hessische Gemeinden, über 160 Integrations-Stützpunktvereine und weitere Akteure aus den Bereichen Sport und Integration.

Der Sportkreis Frankfurt als Dachorganisation von rund 420 Turn- und Sportvereinen ist seit vielen Jahren mit Integrationsprojekten vertraut. Zahlreiche jugendliche Flüchtlinge nutzen Angebote der Sportkreisjugend z. B. im Nachtsport, in den Sportjugendzentren oder im Boxcamp Gallus. „Der Kongress war für uns eine ideale Plattform um unsere bisherige Arbeit aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und neue Anregungen für die Zukunft mitzunehmen. Der Mix aus wissenschaftlichem Input, persönlichen Erfahrungen von Sportlern und Aktiven in den Vereinen sowie Projekten aus den europäischen Nachbarländern hat zu einer Erweiterung des Horizonts beigetragen“, führte Roland Frischkorn, Vorsitzender des Sportkreise Frankfurt aus.

Prof. Dr. Torsten Jürgen Schlesinger (Ruhr-Universität Bochum) befasst sich mit Einstellungen der Vereine, deren Handlungen und Wirkungen im Rahmen der Integrationsarbeit im Sport liegen. Dabei stellte er auch Vergleichsdaten aus europäischen Nachbarländern vor. Schlesinger hält es für sinnvoll, innerhalb des Vereins eine Leitbilddiskussion in Gang zu setzen und sich auf die Suche nach möglichen Barrieren zu machen. „Unbedingt sollten am Prozess der Organisationsentwicklung auch die Migranten selbst beteiligt werden. Hilfreich ist es zudem, Fortbildungen in interkultureller Kompetenz im Verein anzubieten.“

Seine Kollegin Prof. Dr. Ulrike Burrmann (Technische Universität Dortmund) nahm Bezug auf die Soziologischen Einflüsse, die auf ein Sportengagement von Individuen wirken. Sie gab den Teilnehmenden verschiedene Handlungsempfehlung mit auf den Weg. „Um Heranwachsende mit Migrationshintergrund bzw. Fluchterfahrung in die Vereine zu integrieren“, sagte Prof. Burrmann, „ist es wichtig, innerhalb der Vereine auf ein niedrigschwelliges, offenes und kostengünstiges Angebot zu achten. Insbesondere spezielle Sportangebote für Mädchen und Frauen sollten nicht vergessen werden. Kooperationen und kommunale Vernetzung tragen ebenso zum Gelingen bei wie die Einbindung von Multiplikatoren und ein langer Atem.“

Prof. Dr. Sebastian Braun (Humboldt-Universität Berlin) beleuchtete das ehrenamtliche und freiwillige Engagement im Kontext von sportbezogener Integrationsarbeit von Vereinen. „Die Vereinsentwicklung kann positiv gesteuert werden, wenn neue und zeitgemäße Formen des Ehrenamtes genutzt werden“, empfiehlt Prof. Braun.

Durch die Vorstellung des Projekts „Paris Sport Réfugiés“ wurde ein konkretes Projekt aus dem Nachbarland Frankreich genauer betrachtet. Etliche Parallelen zu dem hessischen Weg, dem Landesprogramm Sport und Flüchtlinge, wurden dabei erkennbar. Eine interessante Feststellung, denn die Sportsysteme an sich sind in Frankreich und Deutschland recht unterschiedlich. Ein weiterer Austausch auf europäischer Ebene fand mit der Sports Unit der EU-Kommission statt.

Berichte von Leistungs- und Breitensportlern mit Migrations- oder Fluchthintergrund verdeutlichten ganz persönliche Schicksale und Lebenswege. Den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen und hier zu hinterfragen, wie der Sport bei der Integration in Deutschland tatsächlich geholfen  und welche Bedeutung er bis heute hat, war das Ziel. Zu Wort kamen Cacau (Integrationsbeauftragter des DFB), Sarah Bizzit (Box-Club Hochheim), Wael Shueb (Karatekämpfer, für das Olympia 2020-Flüchtlingsteam nominiert), drei Vertreter vom Frankfurt Cricket Club e.V. (Salim Khan, Asif Khan, Abhijit Khan) und zwei Fußball-Schiedrichter/in aus Frankfurt (Redwan Halaweh, Helen Yohannes Abraham.

(Quelle: Sportjugend Hessen)


  • Prof. Sebastian Braun beleuchtet das ehrenamtliche und freiwillige Engagement im Kontext von sportbezogener Integrationsarbeit von Vereinen. Foto: Uwe Winter
    Integration Kongress 2018 Sebastian Braun Sportjugend Hessen Foto Uwe Winter

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