Ralf Holtmeyer und Hans Melzer Trainer des Jahres

Die Trainer des Jahres 2012 Ralf Holtmeyer, Coach des Deutschlandachters und Hans Melzer, der Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter wurden bei der Auszeichnung von Deutschlands Sportlern des Jahres geehrt.

Achter-Steuermann Martin Sauer, Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke, Vielseitigkeitstrainer Hans Melzer, Ruder-Trainer Ralf Holtmeyer und DOSB-Präsident Thomas Bach (v.l.) bei der Ehrung in Baden-Baden. Foto: DOSB
Achter-Steuermann Martin Sauer, Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke, Vielseitigkeitstrainer Hans Melzer, Ruder-Trainer Ralf Holtmeyer und DOSB-Präsident Thomas Bach (v.l.) bei der Ehrung in Baden-Baden. Foto: DOSB

Die Ehrung nahm DOSB-Präsident Thomas Bach am Sonntagabend in Baden-Baden vor. Die Laudationes hielten zwei Olympiasieger: Achter-Steuermann Martin Sauer und Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke.

Der 56 Jahre alte Ruder-Trainer Holtmeyer wurde für seine Erfolge mit dem Deutschland-Achter geehrt, den er zum Olympiasieg in London führte. Holtmeyer hatte das Boot nach dem enttäuschenden Abschneiden bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking übernommen. Seitdem ist die Crew in 36 Rennen ungeschlagen geblieben und gewann unter anderem drei Weltmeister-Titel. Schon 1988 in Seoul war Holtmeyer mit dem Deutschland-Achter Olympiasieger geworden.

Melzer (61) betreut seit 2001 die deutschen Vielseitigkeits-Reiter und gewann mit ihnen in London Olympiagold in der Mannschaft sowie durch Michael Jung im Einzel. Bereits 2008 hatten seine Athletinnen und Athleten in Peking Doppel-Gold geholt. Einzel-Olympiasieger wurde damals Hinrich Romeike.

Messerscharfe Analyse und neue Ideen

„Du formst immer wieder aus uns ‚Individualisten im Sattel‘ ein perfekt harmonierendes und exakt funktionierendes Team. Das macht Dich zu einem der erfolgreichsten Ausbilder und Trainer“, sagte Ingrid Klimke zu Hans Melzer gewandt: „Du weckst in jedem Einzelnen von uns den Ehrgeiz, das Beste zu geben – zuerst für die Mannschaft, dann für sich selbst. Wenn wir im Cross unterwegs sind, reitest Du in Gedanken jeden Sprung, jede Wendung mit und Insider wissen; wenn das Zigarillo qualmt, wird's ernst.“ Melzer sei bei Rückschlägen und Niederlagen stets für seine Athleten da. „Enttäuschungen, die wandelst Du gleich um in positive Energie fürs nächste Ziel.“

Klimke hob die „messerscharfe Analyse“ und die „stets neuen Ideen“ ihres Bundestrainers hervor: „Bevor Missverständnisse überhaupt aufkommen, sprichst Du Probleme an und räumst sie sofort aus dem Weg. Mit beiden Beinen stehst Du im Leben – wenn Tatkraft und Initiative gefordert sind, dann bist du zur Stelle.“ Melzers‘ hohe fachliche Kompetenz, seine Beharrlichkeit und sein grenzenloser Optimismus hätten den deutschen Vielseitigkeitssport dahin geführt, wo er jetzt steht – an die Weltspitze. „Hans, danke, dass wir auch in den nächsten Jahren mit Dir und deinen Co-Trainern Christopher Bartle und Rüdiger Schwarz trainieren dürfen“, sagte die zweimalige Olympiasiegerin stellvertretend für ihre Teamkollegen.

Der geheimnisvollste Trainer des deutschen Sports

Ralf Holtmeyer scheine für Journalisten der „geheimnisvollste Trainer im deutschen Sport überhaupt“ zu sein, sagte Achter-Steuermann Martin Sauer. Mal werde er als „beinharter Peitschenschwinger“ dargestellt, mal als „Wundertäter“ beschrieben, „der mit flammender Rede der Mannschaft eine Stunde vor dem Wettkampf Kräfte und Motivation vermittelt, die sie nach fachkundiger Meinung eigentlich nicht besitzen dürfte“. Doch diese durch die Presse beschriebenen Extreme des Ralf Holtmeyer könnten wohl kaum zur selben Zeit wahr sein, meinte Sauer.

„Wahr ist jedoch, dass wir unter Ralf Holtmeyer mehr, härter und besser als unsere Gegner trainieren. Wahr ist sicher, dass wir ihn jeden zweiten Tag dafür verfluchen. Wahr ist aber auch, dass wir jeden Tag freiwillig zum Training kommen. Und vor allem, dass uns dieses Training zu einmaligen Leistungen verholfen hat“, sagte der Steuermann stellvertretend für die gesamte Achter-Crew. Erreicht habe Holtmeyer dies weder durch besondere Härte, noch durch Wundertaten, „sondern schlicht durch kontinuierliche Arbeit, durch außerordentliche Kompetenz, durch festes Vertrauen in die Stärken seiner Athleten und durch eine vielleicht schwer wahrnehmbare, aber umso heißer brennende Leidenschaft für den Erfolg des Achters.“ Diese scheinbar einfachen Dinge machten Ralf Holtmeyer zu dem Ausnahmetrainer, der allein mit dem Deutschland-Achter in seiner Trainerkarriere schon zwei Olympiasiege und acht WM-Titel gewonnen hat.

Ohne großartige Trainer keine großartigen Erfolge

DOSB-Präsident Thomas Bach, 1976 in Montreal Olympiasieger im Fechten, sagte bei der Auszeichnung in Baden-Baden: „Hans Melzer und Ralf Holtmeyer sind vorbildliche Trainer. Sie haben nicht nur überragende Erfolge über viele Jahre hinweg erzielt, sondern mehrere Generationen von Athleten auch menschlich geprägt. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass es ohne großartige Trainer auch keine großartigen Erfolge gibt.“

Leider würde der Trainerberuf viel zu wenig öffentliche Anerkennung finden, erklärte Bach. Deshalb wolle der DOSB mit seiner Auszeichnung zum „Trainer des Jahres“ ein besonderes Zeichen setzen. Es sei erfreulich, dass die Auszeichnung zum zweiten Mal im Rahmen der Ehrung der Sportler des Jahres übergeben werden konnte, da damit eine größere Öffentlichkeit erreicht werde:„Die Trainerfrage bleibt eine der großen Herausforderungen des Leistungssports in Deutschland. Die Situation für unsere Trainer ist auf allen Stufen unbefriedigend. Das gilt für die Gewinnung von Trainern über Aus- und Fortbildung bis hin zur Bezahlung. Die Finanzierung der Trainertätigkeit aus oft vielen Töpfen und dazu immer nur relativ kurzfristige Verträge sind wenig förderlich und behindern die effektive und langfristige Arbeit im Leistungssport. Deshalb werden wir uns als DOSB weiter dafür stark machen, dass die Situation der Trainer verbessert wird.“

Die Entscheidung über die Trainer des Jahres traf eine neunköpfige Jury unter Bachs Vorsitz. Mitglieder sind neben dem DOSB-Präsidenten Christa Thiel, DOSB-Vizepräsidentin Leistungssport, Ilse Ridder-Melchers, DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, Heiner Brand, Ex-Handball-Bundestrainer und heute Manager beim Deutschen Handballbund, der ehemalige Bob- und Skeleton-Bundestrainer Raimund Bethge, Werner Klatten, der Aufsichtsratsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe, Tina Theune, die ehemalige Bundestrainerin der Fußball-Frauen, Ex-Ruder-Weltmeister Christian Schreiber, der heute der Athletenkommission des DOSB angehört, und DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank.

Hintergrund:

Der Preis „Trainer/Trainerin des Jahres“ wurde im Rahmen der Traineroffensive des DOSB kreiert und wird seit dem Jahr 2006 vergeben. Damit verfolgt der DOSB das Ziel, den Stellenwert des Trainerberufs zu erhöhen und die Arbeit des engsten Partners der Athletinnen und Athleten im Bereich des Sports ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken.

Die bisherigen Preisträger:

2012: Ralf Holtmeyer (Rudern) und Hans Melzer (Reiten, Vielseitigkeit)

2011: Markus Weise (Hockey)

2010: Uwe Müßiggang (Biathlon)

2009: Kim Raisner (Moderner Fünfkampf)

2008: Rolf-Dieter Amend (Kanu)

2007: Heiner Brand (Handball)

2006: Raimund Bethge (Bob)

(Quelle: DOSB)


  • Achter-Steuermann Martin Sauer, Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke, Vielseitigkeitstrainer Hans Melzer, Ruder-Trainer Ralf Holtmeyer und DOSB-Präsident Thomas Bach (v.l.) bei der Ehrung in Baden-Baden. Foto: DOSB
    Achter-Steuermann Martin Sauer, Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke, Vielseitigkeitstrainer Hans Melzer, Ruder-Trainer Ralf Holtmeyer und DOSB-Präsident Thomas Bach (v.l.) bei der Ehrung in Baden-Baden. Foto: DOSB

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