Sexualisierte Gewalt wird nicht geduldet

Im „Forum Safe Sport“ in der Berliner Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns tauschten sich Verantwortliche verschiedenster Organisationen und Verbänden aus.

Das „Forum Safe Sport" beschäftigte sich intensiv mit dem Thema „Prävention Sexualisierter Gewalt“. Foto: Eberhard Thonfeld
Das „Forum Safe Sport" beschäftigte sich intensiv mit dem Thema „Prävention Sexualisierter Gewalt“. Foto: Eberhard Thonfeld

Zwei Tage vor dem Tag des „Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ am 18. November und vier Tage vor dem „Tag der Kinderrechte“ am 20. November beschäftigte der Sport erneut bei einer Tagung intensiv mit dem Thema „Prävention Sexualisierter Gewalt“. Ziel war es bestehende Programme weiterzuentwickeln und sie auch noch weiter an die Basis des Sports und in die Öffentlichkeit hinein zu tragen.

Ein ganz wichtiger Punkt heißt nämlich, über das Thema nachhaltig aufzuklären und darüber zu reden, um auch potenziellen Täterinnen und Tätern ein klares Zeichen zu geben, dass Sexualisierte Gewalt nicht geduldet wird. Nicht umsonst heißt die Kampagne des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen „Schweigen schützt die Falschen.“  Um das Schweigen zu durchbrechen braucht es eine Ansprechperson, die Vertrauen ausstrahlt und auch gelernt hat, was zu tun ist.

Mit seinen Programmen, Handlungsempfehlungen, Qualifizierungsmodulen und den neuen Möglichkeiten der Intervention hat der Sport den richtigen Weg eingeschlagen, seit mehr als 20 Jahren wird an dem Thema gearbeitet. Aber allen Forums-Teilnehmenden war klar, dass er konsequent weitergegangen werden und neben all den strukturellen Notwendigkeiten eine Kultur der Aufmerksamkeit und des Hinsehens geschaffen werden muss, um erfolgreich vorbeugen zu können.

Vernetzen mit Experten und den passenden Stellen vor Ort

Auch aus diesem Grund öffnet der Sport ja auch seine Türen für neue Themen und für Verantwortliche aus anderen Bereichen. Sehr viel mehr als ein Denkanstoß war deshalb der Input von Dr. Daniel Illmer (Leiter der Stabsstelle Verbandsentwicklung im Deutschen Olympischen Sportbund) zum Thema „Veränderung initiieren und gestalten – Kulturwandel in den Sportverbänden  begleiten“.

Mit dem Hintergrund der Stärkung des Themas durch die Aufnahme in das Potenzial-Analyse-System (PotAS) der Leistungssportreform und dem Stufenmodell der Deutschen Sportjugend (dsj) gab es hilfreiche Tipps, wie Prävention mehr werden kann als das Abhaken von Listen. Genauso brachte Dr. Christine Kurmeyer, die zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Charité Universitätsmedizin Berlin Erfahrungen aus dem Alltag in Operationssälen und Krankenzimmern mit ein. Kurmeyer arbeitet auch in der AG „Kampf gegen sexualisierte Gewalt“ der DOSB-Frauenvollversammlung mit.

Zur Nachhaltigkeit passte auch die Diskussion zu E-Learning-Formaten, um noch mehr Menschen im Sport zu erreichen. Karin Steinrücke vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zeigte, wie mit Hilfe eines Online-Tools die Unterzeichnung des Verhaltenskodex mit einer Sensibilisierung für eine breite Masse möglich werden kann. Bildung ist und bleibt der Schlüssel für mehr Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport.

Eine wichtige Präventionsmaßnahme, die von den Verbänden stringenter umgesetzt werden muss, ist die externe Anlaufstelle. Das bundesweite Hilfetelefon sexueller Missbrauch kann hier gut genutzt werden. Tanja von Bodelschwingh vom Verein N.I.N.A. (Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen) zeigte auf, wie ein Beschwerdemanagement, das Betroffenen hilft und sie gleichzeitig vor unerwünschten Reaktionen schützt, gestaltet sein muss. N.I.N.A. ist Träger des „Hilfetelefon sexueller Missbrauch“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs“ der Bundesregierung. Bodelschwingh bot Betroffenen wie Organisationen an, bei schwierigen Fragen durchaus erst einmal ihr Hilfetelefon zu kontaktieren, denn das arbeitet auch anonym. Das ist ohnehin ein wichtiger Punkt, wie im Sport mit dem Thema Prävention umgegangen wird: vernetzen mit Experten und den passenden Stellen vor Ort.

Einig waren sich alle, dass Sexualisierte Gewalt auch den Graubereich wie Grenzverletzungen oder verbale Gewalt umfasst, und dass das ein besonders schwieriges Thema ist. Ohne ein Klima von Respekt und Toleranz und gegenseitiger Aufmerksamkeit wird es schwer sein Verhaltensregeln einzuführen und zu intervenieren.

Gesamtverband steht in der Verantwortung

Darüber hinaus war sich der Sport auch einig, dass die Prävention Sexualisierter Gewalt ein gesamtverbandliches Thema sein muss. Die Jugendorganisationen sind als Teil der Jugendhilfe mit ihrem originären Auftrag, für die Rechte von Kindern und Jugendlichen einzutreten, Experten/innen und starke Antreiber im Kinderschutz. Für die wirkungsvolle Umsetzung von Präventionsmaßnahmen muss natürlich der Gesamtverband in der Verantwortung stehen. In Berlin waren deshalb die Jugendvertretungen ebenso vertreten wie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Bildungsverantwortliche oder Mitarbeitende in den  Geschäftsstellen. Vom DOSB waren gleich drei Präsidiumsmitglieder mit dabei: Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper (Vizepräsidentin Bildung und Olympische Erziehung), Jan Holze als Vorsitzender der Deutschen Sportjugend und Dr. Petra Tzschoppe (Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung). Auch der Präsident des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern war mit dabei.

Der Sport nimmt das Thema ernst. Zu dieser Erkenntnis kam auch Tanja von Bodelschwingh vom „Hilfetelefon“: Sie habe, sagte sie in ihrem Vortrag, das Gefühl, „dass der Sport extrem weit ist“. Das war unter anderem die Bestätigung, dass der Sport großes Potenzial hat, an diesem gesamtgesellschaftlichen Problem intensiv  mitzuarbeiten. Zum einen, um seine eigenen Protagonisten zu schützen, indem er weiter hart daran arbeitet, noch mehr Vereine und Menschen zu erreichen. Und zum anderen, um einen transparenten und offenen Umgang mit dem Thema vorzuleben.

(Quelle: DOSB)


  • Das „Forum Safe Sport" beschäftigte sich intensiv mit dem Thema „Prävention Sexualisierter Gewalt“. Foto: Eberhard Thonfeld
    Das „Forum Safe Sport" beschäftigte sich intensiv mit dem Thema „Prävention Sexualisierter Gewalt“. Foto: Eberhard Thonfeld
  • Dr. Petra Tzschoppe (Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung), der Präsident des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern Andreas Bluhm, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper (Vizepräsidentin Bildung und Olympische Erziehung) und Jan Holze(Vorsitzender der Deutschen Sportjugend) (v.l.) in Berlin. Foto: Eberhard Thonfeld
    Dr. Petra Tzschoppe (Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung), der Präsident des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern Andreas Bluhm, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper (Vizepräsidentin Bildung und Olympische Erziehung) und Jan Holze(Vorsitzender der Deutschen Sportjugend) (v.l.) in Berlin. Foto: Eberhard Thonfeld

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