SPD-Sportforum will mehr Bewegung in die Bildungsdebatte bringen

Der Beirat des Forums Sport beim SPD-Parteivorstand hat ein Thesenpapier unter dem Motto "Mehr Bewegung in die Bildungsdebatte" verabschiedet.

 

SPD-Vorsitzender Kurt Beck: "Gemeinschaftsstiftende Wirkung des Sports muss wachgehalten werden"
SPD-Vorsitzender Kurt Beck: "Gemeinschaftsstiftende Wirkung des Sports muss wachgehalten werden"

Bei einem Kongress im Willy-Brandt-Haus in Berlin unterstrichen Sportpolitiker aus allen Bundesländern, dass es mehr Bewegungs- und Sportangebote in Schulen und Kindergärten geben müsste.

 

Prof. Ungerer-Röhrich: "Bewegung muss sich für Kinder lohnen"

In ihrem Einführungsvortrag wies Prof. Ulrike Ungerer-Röhrich, Sportwissenschaftlerin von der Universität Bayreuth, darauf hin, Bewegungserfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit dem eigenen Körper seien Basiskompetenzen. Insgesamt betrieben nur zehn Prozent der Bevölkerung Sport, der als gesundheitsfördernd zu qualifizieren ist. Bundesweit nötig seien themenbezogene Netzwerke (zwischen Sportvereinen und Krankenkassen, Kinderärzten und etwa Volkshochschulen), statt Marktplätze mit Angeboten aufzubauen. Schon im Kleinkindalter gelte: Bewegung müsse sich für Kinder lohnen; sie müssten aktiv und selbstbestimmt agieren, anstelle bewegt zu werden.

 

Sportangebote der Schulen in den Ferien

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Steffen Reiche, langjähriger Bildungsminister in Brandenburg, forderte, während der Schulferien müssten von den Schulen kostenlose flächendeckende Sportangebote für alle Kinder und Jugendlichen organisiert werden. Sportlehrer sollten darauf achten, dass im Sportunterricht übergewichtige, nicht sportive Schüler häufiger Erfolgserlebnisse erfahren können. „Drei Sportstunden“ seien, so berichteten Teilnehmer aus verschiedenen Bundesländern, ein „Statistikschwindel“. Immer häufiger fiele gerade der Sport aus, und überhaupt gebe es in jeder Stunde Schulsport für den Einzelnen im Durchschnitt nur fünf Minuten Bewegung.

 

Bewegungspädagogik bereits im Kindergarten

Allgemein gefordert wurde eine Bewusstseins-Schärfung für Bewegung in der Schule. Jede Bildungseinrichtung sollte ein „Bewegungskonzept“ verabschieden. Bewegungsförderung müsste ein „Element für Schulqualität“ werden. Von Arbeitsgruppen-Teilnehmern wurden gerade für Grundschulen Bewegungspausen gefordert, um das starre 45-Minuten-Unterrichtssystem aufzubrechen. Überhaupt sei es wichtig, hieß es, Bewegungsaktivitäten nicht nur auf den Schulsport zu begrenzen, sondern Waldläufe und -spaziergänge und weitere Aktivitäten dieser Art in anderen Fächern einzubauen. Bewegungspädagogik müsste allerdings schon im frühkindlichen Stadium, in Kindergärten, beginnen.

 

Beck: "Sport hebt das Auseinanderdriften in der Gesellschaft auf"

„Der Sport steht in einer tiefen Verankerung zu einem humanen Menschenbild und in einer humanen Gesellschaft.“ Das unterstrich der SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck zu Beginn des SPD-Sportforums. „Wachgehalten werden muss die gemeinschaftsstiftende Wirkung des Sports.“ Dabei dürfe es kein Auseinanderdriften zwischen Spitzensport und Breitensport geben. Der Sport gibt nach seinen Worten die Chance, das schichtenspezifische Auseinanderdriften in der Gesellschaft aufzubrechen. Gerade im Jugendsport schaffe der Verein neue Bezüge, wenn Hauptschüler und Gymnasiasten, die sonst kaum Berührungspunkte und Kontaktfelder haben, gemeinsam trainieren. Diese Begegnungsebene dürfe nicht kaputt gehen, sagte er.

 

Danckert: "Wenn der Sportler Nein sagt, gibt es kein Dopingproblem"

Der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dr. Peter Danckert, sprach sich in seiner Funktion als SPD-Bundestagsabgeordneter erneut für ein Anti-Doping-Gesetz aus und begründete: „Wenn der Sportler, der im Zentrum des kriminellen Systems steht, Nein sagen würde, dann gäbe es das Dopingproblem nicht.“ Seiner Auffassung nach gebe es kein Alternative dazu, einen so genannten Besitz-Straftatbestand in das Strafgesetzbuch aufzunehmen.

 

„Wir wollen die Autonomie des Sports nicht in Frage stellen“, erläuterte die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag. „Wenn staatliche Gerichte Kompetenzen erhalten, wird der Sport weiterhin Dopingtäter sanktionieren. Das kann er viel schneller.“ Eine Zuständigkeit für die Justizbehörden müsse geschaffen werden, weil es sich um Betrug, aber auch um eine massive Gesundheitsschädigung handele. Dagmar Freitag: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass der Sport seine Faszination verliert, und müssen dafür sorgen, dass sich Millionen von Menschen in ihm wiederfinden.“


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