Sport und Inklusion 2013 – ziemlich beste Freunde?

Sport und Inklusion ist in den Medien präsent wie nie, auch beim DOSB-Neujahrsempfang stand das Thema im Mittelpunkt. Autor Prof. Hans-Jürgen Schulke ist Vizepräsident Special Olympics.

Behinderte und Nicht-Behinderte in einem gemeinsamen Wettkampf. Foto: picture-alliance
Behinderte und Nicht-Behinderte in einem gemeinsamen Wettkampf. Foto: picture-alliance

Passender hätten Ablauf und mediale Einbettung des DOSB-Neujahrsempfangs im Frankfurter Römer zum Schwerpunkt Behindertensport nicht gewählt werden können: Hier war „Alles inklusiv“. Präsident Thomas Bach erwähnte die gerade glanzvoll verlaufenen Winterspiele von Special Olympics in Garmisch Partenkirchen und betonte erneut, dass dort der wahre Wert des Sports zu erkennen sei. Anschließend fand der Film über die Sommerspiele 2012 im Münchner Olympiapark ebenso Beifall wie die kluge Festrede des Paralympicssiegers Rainer Schmidt zu den Potenzialen des Sports als Motor einer inklusiven Gesellschaft.

Wie präsent das Thema mittlerweile in den Medien ist, zeigte sich nicht nur in der regionalen Berichterstattung über den Neujahrsempfang. Zeitgleich berichtete das Mittagsmagazin der ARD von den Garmischer Winterspielen, abends widmete sich der Bayerische Rundfunk sehr sensibel fast eine Stunde lang dem Thema, zwischendurch berichteten mehrere Sender von der Verabschiedung der Special-Olympics-Athleten zu den Weltwinterspielen in Korea durch die Bundeskanzlerin. Im Februar wird in Hamburg der erste Spielfilm über paralympische Spitzenathleten Premiere feiern und dann landesweit in den Kinos zu sehen sein.

Welche politische Kraft das Thema mittlerweile entfaltet, zeigt sich auch hier: Mit den Garmischer Winterspielen übernahm Daniela Schadt, Lebenspartnerin des Bundespräsidenten, erstmals für einen Sportverband dauerhaft die Rolle einer Schirmherrin. Und Bundespräsident Joachim Gauck konnte an diesem Dienstag bei der Verleihung der „Sterne des Sports“ in Berlin mehrere Vereine mit ihren inklusiven Aktivitäten auszeichnen. In Hamburg fördert der Senat bevorzugt Großveranstaltungen, bei denen Inklusion praktiziert wird. Geradezu selbstverständ-lich wählt die Weltsportministerkonferenz im Mai in Berlin das Thema zu einem Schwerpunkt – schließlich fordert die UN-Behindertenrechtskonvention dazu auf.

Die Wissenschaft – über zehn Jahre wenig aktiv im Behindertensport – hat die Spur aufgenommen und wird vielleicht entdecken, in wie vielen Vereinen und Verbänden das Thema schon umgesetzt wird. Nach dem internationalen SOD-Kongress „Sport und Inklusion“ letztes Jahr in München startet die Universität Jena mit einem Symposium Anfang Februar, es folgen die Sportsoziologen der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft in Paderborn, dann die Kinderturnstiftung mit der Uni Karlsruhe, und erstmals befasst sich das Hamburger Symposium „Sport-Ökonomie-Medien“ mit Herausforderungen und Perspektiven inklusiver Großveranstaltungen.

Das Hamburger Symposium hat den Titel „Sport und Inklusion – ziemlich beste Freunde ?!“ gewählt. Am Ende des Jahres wird das Thema „Sport und Inklusion“ hoffentlich nicht mehr mit einem Fragezeichen versehen sein. Dazu kann auch die DOSB-Mitgliederversammlung beitragen, bei der eine von DOSB, Deutschem Behindertensportverband, Deutschem Gehörlosen-Sportverband und SOD formulierte Grundsatzerklärung auf vielerorts gemachte Erfahrungen, ihre Diskussion und folgenreiche Verabschiedung wartet.


  • Behinderte und Nicht-Behinderte in einem gemeinsamen Wettkampf. Foto: picture-alliance
    Behinderte und Nicht-Behinderte in einem gemeinsamen Wettkampf. Foto: picture-alliance

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