Sport und soziale Wärme für alle Kinder und Jugendlichen

Bach appelliert an Sportvereine, mit Bildungscard Zugang zu erleichtern - Vereinbarung unterschrieben. Die Bundesagentur für Arbeit und der DOSB bündeln ihre Kräfte, um Kindern aus bedürftigen Familien zu helfen.

BA-Vorstand Heinrich Alt, DOSB-Präsident Thomas Bach, Berliner Sportjugend-Vorstand Heiner Brandi, Ministerin Ursula von der Leyen und dsj-Vorsitzender Ingo Weiss (v.l.) mit Kindern des Ersten Berliner Judo-Clubs. Foto: Thonfeld
BA-Vorstand Heinrich Alt, DOSB-Präsident Thomas Bach, Berliner Sportjugend-Vorstand Heiner Brandi, Ministerin Ursula von der Leyen und dsj-Vorsitzender Ingo Weiss (v.l.) mit Kindern des Ersten Berliner Judo-Clubs. Foto: Thonfeld

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundesagentur für Arbeit bündeln ihre Kräfte, um Kindern aus bedürftigen Familien zu helfen. Für das ab 2011 kommende Bildungspaket unterzeichneten DOSB-Präsident Thomas Bach und Heinrich Alt, Vorstand Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit, im Beisein der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Ziel ist es, den knapp zwei Millionen Kindern und Jugendlichen aus den sogenannten Hartz-IV-Familien einen unbürokratischen Zugang zu Sportvereinen zu ermöglichen.

„Diese Kinder brauchen die soziale Wärme, die die Gruppe im Verein bietet, genau wie ihre Altersgenossen“, sagte Bach am Montag anlässlich der Unterzeichnung der Erklärung beim Ersten Berliner Judo-Club 1922 in Berlin-Neukölln. “Sporttreiben mit Gleichaltrigen muss ein Grundrecht für Kinder und Jugendliche sein. Der DOSB unterstützt die Bildungscard, weil er mit seinen mehr als 27,5 Millionen Mitgliedern gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Der Sport vermittelt Werte wie Fair Play, die Achtung des anderen, das Respektieren von Regeln. Davon darf niemand ausgeschlossen sein. Ich appelliere deshalb an die 91.000 deutschen Sportvereine, möglichst viele Kooperationsvereinbarungen mit Jobcentern abzuschließen.”

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen begrüßte die Kooperation von Sport und Arbeitsverwaltung: “Das Bildungspaket ist eine Riesenchance für Kinder, von Anfang an mitmachen zu können und nicht abgehängt zu werden. Sportvereine gibt es überall in unserem Land, das Angebot ist so breit und vielfältig, dass für jeden etwas dabei ist. DOSB und Jobcenter sind eine bärenstarke Allianz für Kinder. Die heutige Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt zur Umsetzung des Bildungspakets.”

Bundesagenturvorstand Alt erläuterte den grundlegenden Wandel, den die Grundsicherung für Arbeitsuchende ab 2011 erfährt. Sie wird künftig ergänzt um eine verstärkte Förderung von Kindern und Jugendlichen. Die neuen Leistungen werden voraussichtlich als individuelle Gutscheine ausgegeben, die Kinder und Jugendliche nunmehr auch bei Sportvereinen einreichen können, die mit den Jobcentern Vereinbarungen geschlossen haben. Das Abkommen zwischen BA und DOSB sei das erste im Rahmen des neuen Bildungspaketes und habe daher richtungsweisende Bedeutung, so Alt. Bundesweit arbeiten die Jobcenter derzeit daran, am Jahresanfang ein Angebot für Bildung und Teilhabe für Kinder aus “Hartz-IV-Familien” bereitzuhalten. Der DOSB will seine Mitglieder motivieren, durch den Abschluss von Vereinbarungen die Voraussetzung dafür zu schaffen, dass Kinder und Jugendliche in den Sportvereinen Gutscheine zur Erstattung von Mitgliedsbeiträgen einlösen können.

“Kinder brauchen Chancen, Kinder brauchen Perspektiven. Sport vermittelt Teamgeist und den Umgang mit Siegen und Niederlagen. Hier kann der Sport für junge Menschen einen wichtigen Beitrag zur Integration und zur stärkeren Teilhabe in der Gesellschaft leisten“, betonte Alt. Es sei wichtig, bundesweit transparente Strukturen und einen unbürokratischen Zugang zu den Vereinen anzubieten: „Ich freue mich, dass wir in dem DOSB einen starken Partner gewinnen konnten und erhoffe mir damit eine Signalwirkung auch bei anderen lokalen Anbietern.“

Zuvor hatten von der Leyen, Bach und Alt das Training der Judoka im Grundschulalter verfolgt und sich von Übungsleiterin Sabine Urner und der Vereinsvorsitzenden Barabara Westphal über die Arbeit des im Brennpunkt Neukölln beheimateten Clubs informieren lassen. Der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Ingo Weiss, der gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Berliner Sportjugend, Heiner Brandi, ebenfalls nach Neukölln gekommen war, betonte die von der Bildungscard ausgehenden Chancen für beide Partner: „Wenn das handwerklich gut gemacht ist und eine Stigmatisierung vermieden werden kann, gibt uns das die Möglichkeit, zwei Millionen Kinder zurückzuholen in die Gemeinschaft der Sportvereine.”

Hinweise zum genauen Verfahren gibt es ab 6. Dezember unter dem Stichwort Bildungspaket auf den Homepages der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesarbeitsministeriums. Die 91.000 deutschen Sportvereine sind aufgerufen, Kontakt mit ihren regionalen Jobcentern aufzunehmen und mit diesen die Vereinbarung zu treffen.

Sport als Eisbrecher gegen soziale Kälte

Ein Kommentar von Michael Schirp

Draussen war es frostig, drinnen kamen die jungen Judoka des Ersten Judo Club Berlin schnell auf Betriebstemperatur. Die Gehversuche der angehenden Kampfsportler vom Neuköllner Kiez rückten die Gästeschar in der Turnhalle der Karl-Weise Grundschule ganz nah an das Thema, das sie an diesem Montagnachmittag zusammengebracht hatte. Die Bildungscard kommt, die Jobcenter vor Ort suchen Verbündete. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, DOSB-Präsident Thomas Bach, dsj-Vorsitzender Ingo Weiss oder sein Berliner Kollege Heiner Brandi – sie alle wollen, dass es gelingt, die knapp zwei Millionen Kinder und Jugendliche aus den so genannten Hartz-IV- Familien in soziale Netzwerke einzubinden.

Die Arbeitsverwaltung ist dabei auf aktive Hilfe der angepeilten Partner angewiesen: Die vorgesehenen Gutscheine für Sport, Musik oder Nachhilfe können ab Januar 2011 nur dann eingelöst werden, wenn zuvor an der Basis zwischen Sportverein und Jobcenter Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen werden. Ab 6. Dezember geben das Bundesarbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit auf ihren Homepages Auskunft über das konkrete Verfahren. Und alle regionale Jobcenter erläutern Sportvereinen die Details unter dem Stichwort „Bildungspaket“.

Der mit Hilfe von Landessportbund und Sportjugend Berlin für den einen wirksamen Appell ausgewählte Verein erfüllt dabei bereits heute viele der Hoffnungen auf soziale Integration, die Politik und Sport in Bildungspakete und Gutscheine setzen. Der Erste Berliner Judo-Club wurde 2009 mit dem Integrationspreis für interkulturelle Sport- und Jugendarbeit durch den Berliner Senat ausgezeichnet, er ist Modellprojekt im DOSB-Netzwerk „Mehr Migrantinnen in den Sport“ und trägt das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT für besonders hochwertige Angebote auf dem Feld der gesundheitlichen Prävention. Sein Selbstverständnis hinterlegt der Club auf seiner Homepage – er erfülle „einen sozialen Auftrag im Kiez von Neukölln für die gesamte Familie“.

Für den organisierten Sport ist die Zusammenarbeit mit den Jobcentern, deren Details zur Zeit in Nürnberg konkretisiert werden, eine zweifache Chance. Kommt auch nur ein Teil der angesprochenen Zielgruppe in die Vereine, erfahren Sport- und Vereinsentwicklung einen gewaltigen Schub. Gelingt die bundesweite Umsetzung, tauschen überall Kinder Gutscheine aus dem Bildungspaket gegen soziale Wärme, Gesundheit und Lebensfreude. Dann wird der Sport auch auf diesem Feld seinem gesellschaftlichem Anspruch gerecht – so wie es die Neuköllner und Millionen weitere ehrenamtlich Engagierte auf anderen Feldern bereits heute tun.


  • BA-Vorstand Heinrich Alt, DOSB-Präsident Thomas Bach, Berliner Sportjugend-Vorstand Heiner Brandi, Ministerin Ursula von der Leyen und dsj-Vorsitzender Ingo Weiss (v.l.) mit Kindern des Ersten Berliner Judo-Clubs. Foto: Thonfeld
    BA-Vorstand Heinrich Alt, DOSB-Präsident Thomas Bach, Berliner Sportjugend-Vorstand Heiner Brandi, Ministerin Ursula von der Leyen und dsj-Vorsitzender Ingo Weiss (v.l.) mit Kindern des Ersten Berliner Judo-Clubs. Foto: Thonfeld

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