Sportunterricht kann lebensgefährlich sein

Immer häufiger werden im Sportunterricht fachfremde Kräfte eingesetzt. Autor Detlef Kuhlmann wünscht sich akademisch gut ausgebildete Fachkräfte.

Gerade an Grundschulen fehlen gut ausgebildete Sportfachkräfte. Foto: LSB NRW
Gerade an Grundschulen fehlen gut ausgebildete Sportfachkräfte. Foto: LSB NRW

Vorsicht: Die Überschrift zu diesem Kommentar klingt alarmierend, ist aber im Wortlaut nicht ganz vollständig. Außerdem ist die Überschrift nur Teil eines Zitats – neulich erst gesprochen von Marlis Tepe (Bad Segeberg), der Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Alles ist niedergeschrieben bzw. publiziert auf Seite eins in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 19. August 2018. Der ganze Satz lautet dort wortgetreu: „Sportunterricht durch nicht ausgebildete Kräfte kann lebensgefährlich sein“.

Damit wird jetzt zu Schuljahresbeginn 2018/19 einmal mehr auf den immer mehr fachfremd erteilten (Sport-)Unterricht in der Schule aufmerksam gemacht, der sich wegen fortschreitenden Mangels an fachlich ausgebildeten Lehrkräften landauf landab immer deutlicher bemerkbar macht und demnach im Sportunterricht demnach zur akuten Lebensgefahr führen kann. Das darf nicht sein! Da muss dringend gegengesteuert werden! Der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV), in dessen Regie und unter Beteiligung u.a. des DOSB derzeit über eine Neufassung des Memorandums zum Schulsport nachgedacht wird, hat diese bedrohliche Situation vor allem, aber nicht nur für den Grundschulbereich mehrfach gegenüber Schulbehörden, Kultusministerien etc. angemahnt. Spürbare Maßnahmen offensichtlich bisher Fehlanzeige!

Der Fakultätentag Sportwissenschaft als Vereinigung der Institute und Fakultäten für Sportwissenschaft an den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen in Deutschland kommt nach einer ersten kleinen Befragung unter seinen Mitgliedshochschulen zu dem vorläufigen Ergebnis, dass an den Standorten in den meisten Bundesländern die Anzahl der Studierenden für das Fach Sport in der Primarstufe seit einigen Jahren „dramatisch gering“ ist. Ein Faktum wird dabei als besonders brisant bezeichnet: die vorausgehende Qualifikation für das Fachstudium Sport durch Bestehen eines sogenannten – in aller Regel rein sportpraktischen – Eignungsfeststellungsverfahrens, das inzwischen von den meisten Hochschulen in Deutschland verlangt wird. 

Wie muss es Studieninteressierten jetzt gehen, die im Rahmen eines solchen Eignungstests z.B. eine bestimmte vorgegebene Weite beim Kugelstoßen nicht erbringen und deswegen für ihren Berufswunsch als angehende Sportpädagoginnen und Sportpädagogen von der betreffenden Hochschule nicht zum Fachstudium zugelassen werden, wenn diese jungen Menschen auf der anderen Seite jetzt mitbekommen, dass zunehmend (ältere) fachfremde Quereinsteiger sogar dauerhaft Eingang in die Schule finden und das Fach Sport unterrichten, die weder eine solche Eignungsprüfung noch ein komplettes Fachstudium mit Erfolg absolviert haben bzw. eine solches begleitende nachholen – und dann womöglich nun lebensgefährlichen Sportunterricht (sensu Marlis Tepe) erteilen.

Noch einmal: Sportunterricht darf niemals lebensgefährlich sein. Es reicht aber völlig aus, wenn er kurz-, mittel- und langfristig für möglichst viele (am besten für alle) Schülerinnen und Schüler eine unverwechselbare Form der Lebensbereicherung darstellt bzw. anbahnt. Akademisch gut ausgebildete Fachkräfte können Kinder und Jugendliche dabei kompetent begleiten – und eine Lebensgefahr vollends ausschließen!

(Autor: Prof. Detlef Kuhlmann)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder. 


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    Gerade an Grundschulen fehlen gut ausgebildete Sportfachkräfte. Foto: LSB NRW

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