Sprechbaukasten – wichtige Unterstützung für den sportlichen Alltag

Die vorgestellte Novität hat einen etwas hölzernen Namen, aber der Inhalt überzeugt. Ein "Sprechbaukasten" wurde am 5. April von der

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Deutschen Sportjugend (dsj) im Deutschen Sportbund (DSB) in Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz präsentiert - ein zweifellos nicht alltäglicher und durchaus besonderer kleiner Karton mit zwei Kopfhörern (einer davon mit integriertem Mikrofon), CD-ROM und Handbuch. "Kontra geben" steht außen darauf, und "Betrifft: Dumme und radikale Sprüche. Training mit dem Sprechbaukasten". Das Thema ist damit klar, die neue Art des Umgangs damit wohl noch nicht. Die multimediale Software ermöglicht ein interaktives, in Wort und Ton darstellbares und variierbares Argumentationstraining in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt. Der Bonner "Idee & Pro-dukt Verlag" hat das Projekt entwickelt, das als Weltneuheit laut Autor Herrit Hoberg Trainern, Übungsleitern und den jugendlichen Sportlern selbst erleichtert, "unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten im Umgang mit dem alltäglichen Rassismus ausprobieren und erlernen zu können". In sieben Videosequenzen werden verschiedene Situationen mit diskriminierendem Verhalten gezeigt. Zum Beispiel, wie ein junger Fußballer mit seiner farbigen Freundin mit zum Training kommt und darauf hin aufgefordert wird, das "Brikett" nach Hause zu bringen. Oder, wie ein Schüler den Holocaust mit der Bemerkung kommentiert, 1938, da habe "der Führer noch ganze Arbeit geleistet". Auch die Pöbeleien einer Gruppe gegenüber einem dunkelhäutigen Passanten an einer Bushaltestelle ("Alle Neger sind Schwarzfahrer") bilden eines jener kleinen Exempel, an denen man eigene Haltungen überprüfen kann.

Die Idee des "Sprechbaukastens": man kann testen, wie man auf die jeweilige Situation reagieren würde. Und sich selbst in der dargestellten Szene erleben, indem man einen eigenen Text spricht und dann abhört. Die Lernsoftware bietet fünf unterschiedliche Reaktionsmuster an - vom bewussten Ignorieren über humorvolles Antworten bis zu Provokation oder Sanktionen. Mit einem Partner (dafür der zweite Kopfhörer) kann man jeweils stoppen und in gemeinsamer "Sitzung" über die Wirksamkeit der erteilten "Kontras" debattieren. Autor Gerrit Hoberg überhöht die Erwartungen an sein Produkt keineswegs ("Damit bekommen wir keinen jungen Neonazi von der Straße. Es geht darum, die alltäglichen kleinen Widerstände zu proben"), hält es aber für wichtig für die Artikulation eigener Meinung. "Die Mutter des Sprechbaukastens war die Sprachlosigkeit. Sprachlos zu sein, heißt hilflos zu sein. Und Schweigen gilt als Zustimmung." Es gehe darum, "schnell, punktgenau, schlagfertig und souverän reagieren zu können, um den rechtsradikalen oder auch nur dummen Schwätzer bloßzustellen, ihn lächerlich, verlegen, im besten Falle auch nachdenklich zu machen".

Diesen Ansatz des Projektes teilt auch Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, der "die Infrastruktur des Sports als von gesellschaftspolitisch allerhöchster Relevanz" bezeichnet und deshalb für die Zukunft eine intensivierte Zusammenarbeit ankündigt. "’Kontra geben’ ist das ehrgeizigste, aber bei weitem nicht einzige Projekt einer breiten Strategie." Bei Jugendlichen sei die Akzeptanz von Ehrenamtlichen im Sport oftmals größer als die gegenüber Eltern, Lehrern, Polizisten oder sonstigen sogenannten Respektspersonen. "Es wäre töricht, dieses Potenzial nicht zu nutzen", sagt Krüger. Finanziert wird das Vorhaben aus Mitteln des Bundesjugendministeriums. Zunächst werden 10.000 Sprechbaukästen aufgelegt, die gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro über die Fax-Hotline 07150/9170 600 oder die E-Mail-Adresse Sprechbaukasten@web.de bezogen werden können. Auch eine Internet-Seite wird unter www.kontra-geben.de das Anliegen demnächst unterstützen.

Hockey-Weltmeister Tibor Weißenborn (Berliner HC), Präsentationsgast bei der Vorstellung von "Kontra geben", nannte den Sprechbaukasten eine wichtige Unterstützung für den sportlichen Alltag. "Sportler haben eine Vorbildrolle, wenn beim Training oder bei Wettkämpfen mit Worten gefoult wird. Das merke ich selbst als Trainer einer multinationalen Nachwuchsgruppe immer wieder. Was den Kindern im Verein vorgelebt wird, das übernehmen sie." Über Multiplikatoren-Seminare soll "Kontra geben", das weitgehend als Selbstlern-Medium konzipiert ist, möglichst flächendeckend verbreitet werden. Für Kathleen Ludwig von der Deutschen Sportjugend ist die gemeinsame Erarbeitung eines Programms gegen Rassismus erst der Anfang einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen dem Sport und den Institutionen der politischen Bildung. Auch DSB-Generalsekretär Dr. Andreas Eichler sagte seine Unterstützung zu. "Der Sport muss sich dieser Thematik stellen und in dem Zusammenhang sehen wir in der Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung eine strategische Partnerschaft."


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