Stichwort: Aktionsplan gegen Bewegungsmangel und Übergewicht

„Ich hoffe auf die Unterstützung und Mitarbeit des DOSB“, sagt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in einem Interview mit der DOSB-Presse zum Thema "Bewegung und Gesundheit".

Gehen in die Offensive - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Bundesernährungsminister Horst Seehofer, Copyright: picture-alliance/dpa
Gehen in die Offensive - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Bundesernährungsminister Horst Seehofer, Copyright: picture-alliance/dpa

Fünf Fragen an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt:

DOSB PRESSE: Sie haben gemeinsam mit dem Bundesernährungsminister Horst Seehofer die Eckpunkte für einen nationalen Aktionsplan gegen Bewegungsmangel und Übergewicht vorgestellt. Was gab den Ausschlag für eine solche Initiative?

SCHMIDT: In Deutschland - wie in allen europäischen Ländern - leiden immer mehr Menschen an Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Rücken- und Gelenkbeschwerden. Diese Krankheiten werden maßgeblich durch den Lebensstil verursacht, der wiederum stark von Bewegungsmangel und einseitiger Ernährung gekennzeichnet ist. Mittlerweile sind ca. 37 Millionen Erwachsene und rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig oder adipös. Allein für Herz-Kreislauf-Erkrankungen fallen jährliche Behandlungskosten von 35 Mrd. Euro an, Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems verursachen Kosten von 25 Mrd. Euro. Der Aktionsplan soll Startschuss für ein Bündel von Maßnahmen sein, die einen gesünderen Lebensstil fördern. Ziel ist, die persönliche Lebensqualität zu verbessern, die Grundlagen für eine hohe Leistungsfähigkeit zu stärken und die Kosten im Sozialsystem sowie für die Volkswirtschaft zu senken.

DOSB PRESSE: Die Bundesregierung wird im nächsten Jahr den Aktionsplan vorstellen. Die Details sind sicherlich noch nicht bekannt, aber wie wird die Stoßrichtung aussehen?

SCHMIDT: Mit den Eckpunkten zur Erarbeitung eines Nationalen Akti-onsplans, die am 9. Mai vom Bundeskabinett verabschiedet wurden, sind die Ziele vorgegeben. Wir wollen eine nachhaltige Verbesserung des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens erreichen und verhindern, dass die Zahl übergewichtiger Kinder und Erwachsener weiter zunimmt. In dem Aktionsplan sollen konkrete Handlungsfelder und Maßnahmen fest-gelegt werden, um die Menschen in ihrem Bemühen um einen gesunden Lebensstil mit ausreichender Bewegung und ausgewogener Ernährung zu unterstützen. Uns ist wichtig: die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand und die Bedeutung von Bildung und Aufklärung über Bewegung, Ernährung und Gesundheit. Außerdem  wollen wir herausstellen, wie wichtig mehr Bewegung im Alltag für die Gesundheitsförderung ist.

DOSB PRESSE: Welchen Stellenwert werden dabei die Bewegung und der Sport einnehmen?

SCHMIDT: Ausreichende Bewegung im Alltag und sportliche Betätigungen bieten zweifelsohne große Potentiale. Leider sieht die Realität aber anders aus. 30% der Erwachsenen bewegen sich im Alltag kaum und treiben keinen Sport. Die aktuellen Daten des Kinder- und Jugendsurveys zeigen, dass die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder uns zu denken geben muss. Hier will ich ansetzen und alle Menschen - jung wie alt -  zu mehr Bewegung animieren. Mit dem Motto „Jeden Tag 3.000 Schritte extra“ hat die von mir initiierte Kampagne „Bewegung und Gesundheit“ dies bereits aufgegriffen. Nun soll das verstärkt in den Alltag der Menschen gebracht werden. Im Wohn- und Arbeitsumfeld, im Kindergarten und in der Schule sowie in der Freizeit müssen genügend Bewegungsanreize vorhanden sein. Dazu zählen abwechslungsreiche Spielplätze, sichere Fuß- und Fahrradwege und attraktive Parks. Sport- und Bewegungsangebote müssen leicht erreichbar sein. Sehr gut ist ein vielfältiges Angebot beim Schul-, Betriebs- und Breitensport durch Sportvereine. So können Menschen regelmäßig körperlich aktiv sein. Mir ist es wichtig, dass der Wert von körperlicher Bewegung und sportlichen Aktivitäten in der Öffentlichkeit größere Anerkennung findet. Hierzu müssen altersangemessene Angebote erweitert werden und sich an den Bedürfnissen der Zielgruppen orientieren.

DOSB PRESSE: Zwölf Prozent aller Angebote der Sportvereine beziehen sich schon auf gesundheitliche Einschränkungen, wie der neue Sportentwicklungsbericht gerade aufzeigt. Müssen nicht gerade die Sportvereine bei ihrem Bemühen um mehr gesundheitliche Vorsorge stärker unterstützt werden?

SCHMIDT: Die Sportvereine haben seit vielen Jahren eine flächendeckende Struktur aufgebaut. Damit werden täglich viele Menschen aller Altersgruppen erreicht. Deshalb sind Sportvereine wichtige Verbündete, deren Kompetenz, langjährige Erfahrung und zahlreiche Aktivitäten in den Nationalen Aktionsplan einfließen sollen. Die Erarbeitung des Nationalen Aktionsplans wird mit den Ländern und Kommunen abgestimmt. Darüber hinaus werden selbstverständlich die wichtigen gesellschaftlichen Akteure einbezogen. Hier hoffe ich auf die Unterstützung und Mitarbeit des DOSB.

DOSB PRESSE: Der DOSB ist ein wichtiger Partner bei Ihrer Bewegungskampagne, der DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach ist Mitglied in Ihrem Kampagnen-Beirat. Wie sehen die weiteren Planungen für die Kampagne aus?

SCHMIDT: Die Kampagne „Bewegung und Gesundheit“ existiert mittlerweile seit zwei Jahren. In diesem Zeitrahmen haben wir unter dem Motto „Jeden Tag 3.000 Schritte extra“ viel erreicht. So sind 380.000 Schrittzähler seit Mai 2005 deutschlandweit verteilt worden, in zwölf Bundesländern gingen bei 18 Spaziergängen rund 15.000 Menschen mit und haben sich für mehr Bewegung im Alltag stark gemacht. Mittlerweile wird die Kampagne von 67 Prominenten aus den Bereichen Kultur, Sport und Gesellschaft unterstützt. Der DOSB war bei allen Aktionen immer ein verlässlicher Partner. Ich bin sicher, dass sich die Kampagne weiter verselbständigen wird und wir mit der Botschaft für mehr Bewegung alle Bereiche der Gesellschaft erreichen werden. So wird nach und nach aus der pfiffigen Ursprungsidee der 3.000-Schritte-Spaziergänge eine deutschlandweite Bewegung für mehr Gesundheit.


  • Gehen in die Offensive - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Bundesernährungsminister Horst Seehofer, Copyright: picture-alliance/dpa
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