Stichwort: Extraversicherung für Sportunfälle

 

Drei Fragen an Prof. Dr. med. Dr. phil. Winfried Banzer,

Gesundheitsbeauftragter des Deutschen Sportbundes

 

„Diese unselige Diskussion muss endlich beendet werden“

 

DSB PRESSE:

Was halten Sie als Sportmediziner von den Plänen der Gesundheitsministerin, eine Extraversicherung für Sportunfälle ins Leben zu rufen?

BANZER: Ich warne ausdrücklich davor. Mit schöner Regelmäßigkeit fordern Politiker die Ausgrenzung von Sportlern durch die einseitige Bewertung von Sportunfällen. Mal sind es nur die Extremsportler, mal alle Freizeitsportler in angeblich „verletzungsanfälligen Disziplinen“ wie Tennis, Fußball oder Ski alpin. Ich wünsche mir, dass diese unselige Diskussion endlich beendet wird, denn Tatsache ist: Bewegung und Sport entlasten die Solidarkasse in Milliardenhöhe und der gesundheitsökonomische Nutzen des Sporttreibens steht in überhaupt keinem Verhältnis zu den Ausgaben für Sportunfälle.

DSB PRESSE: Gibt es Untersuchungen zu den Kosten bzw. dem Nutzen sportlicher Aktivität?

BANZER: Zahlreiche nationale und internationale Studien u. a. des österreichischen Bundesministeriums für soziale Sicherheit belegen eindeutig, dass nicht die Sportausübung, sondern die Nicht-Sportausübung mehr volkswirtschaftliche Kosten verursacht. Nehmen Sie beispielsweise den Kinder- und Jugendbereich. Es gibt keine bessere Verletzungs- und Unfallprophylaxe als regelmäßiges Training, etwa Reaktionstraining, wie es in den Spielsportarten optimal erfolgt. Oder betrachten wir die ältere Generation, für die ein moderates Krafttraining unabdingbar ist für den Erhalt der Alltagskompetenz, der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

DSB PRESSE: Wie steht der DSB zu „echten“ Risikosportarten?

BANZER: Natürlich muss man Extrementwicklungen auf dem freien Markt mit Skepsis begegnen. Sich freiwillig mit dem Kajak einen hundert Meter hohen Wasserfall hinunter zu stürzen, hat für mich mit Sport nichts zu tun. Aber man darf die sehr kleine Gruppe von „Übertreibern“ nicht überbewerten. Tatsächlich machen auch die durch Extremsport entstehenden Kosten nur einen extrem kleinen Prozentsatz in der Unfallstatistik aus. Daraus ist kein Leck in den Solidarkassen zu konstruieren.



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