Stichwort Gesundheit: Interview mit Bundesernährungsminister Horst Seehofer

Die Bundesregierung plant 2008 eine große gesellschaftliche Kampagne für gesunde Ernährung und Bewegung. Im Interview mit der DOSB PRESSE sprach Minister Seehofer über die Eckpunkte des Plans.

Hin und wieder ist auch Naschen erlaubt, demonstriert Horst Seehofer am Beispiel eines kleinen Schoko-Riegels, Copyright: picture-alliance/dpa
Hin und wieder ist auch Naschen erlaubt, demonstriert Horst Seehofer am Beispiel eines kleinen Schoko-Riegels, Copyright: picture-alliance/dpa

DOSB PRESSE: Herr Minister Seehofer, Sie haben kürzlich zusammen mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt einen nationalen Aktionsplan gegen Bewegungsmangel und Übergewicht angekündigt. Wann ist mit der Präsentation des Plans zu rechnen?

SEEHOFER: Nach gemeinsamer Vorstellung des Eckpunktepapiers „Gesunde Ernährung und Bewegung“ mit meiner Kollegin Ulla Schmidt Anfang Mai arbeiten unsere Häuser jetzt intensiv an der Ausarbeitung des „Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten“. Mein Maßstab hierfür ist, dass etwas Wirksames und Nachhaltiges dabei herauskommt. Ich erwarte, dass wir im Frühjahr 2008 den Akti-onsplan mit konkreten Handlungsfeldern präsentieren können.

DOSB PRESSE: Haben für Sie die Ausmaße von Übergewicht und Bewegungsmangel in der deutschen Bevölkerung eine erschreckende Dimension angenommen?

SEEHOFER: In Deutschland sind bereits 53% der Frauen und 67% der Männer übergewichtig, ein erheblicher Teil von ihnen sogar fettleibig. Auch bei vielen jungen Menschen ist das bereits ein ernstzunehmendes Problem. Es geht uns aber nicht darum, Menschen, die an Übergewicht leiden, zu diskreditieren. Sondern wir wollen die Menschen in Deutschland in ihrem Bemühen um einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichender Bewegung unterstützen.

DOSB PRESSE: Ihr Ministerium steht für Ernährung. Wird dort der Schwerpunkt liegen oder gehören die beiden Faktoren Ernährung und Bewegung/Sport untrennbar zusammen?

SEEHOFER: Die Ernährung spielt sicher eine ganz entscheidende Rolle. Denn essen müssen wir alle jeden Tag. Die EU-Kommission hat das im Titel ihres Weißbuchs „Ernährung, Übergewicht, Adipositas - eine Strategie für Europa“ deutlich gemacht. Aber klar ist auch: Bei der Prävention von Übergewicht gehören ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung zusammen und sind wichtige Bestandteile eines gesunden Lebensstils. Hier geht es vor allem um das richtige Verhältnis von Energieaufnahme und Energieverbrauch. Deswegen wird in unserem Aktionsplan beiden Faktoren gleichermaßen Bedeutung beigemessen.

DOSB PRESSE: Inwieweit werden externe Partner von außerhalb der Politik noch stärker als bisher in die Bemühungen der Bundesregierung eingebunden werden?

SEEHOFER: Wir haben immer gesagt, dass es eine große gesellschaftliche Kampagne für gesunde Ernährung und viel Bewegung geben muss. Die Politik alleine kann hier wenig verändern. Wir brauchen so viele Partner wie es geht, um alle zum Mitmachen zu motivieren.

DOSB PRESSE: Die Erziehung legt die Basis für ein gesundes Denken. Der DOSB fordert schon seit Jahren einen Ausbau des Schulsports. Stattdessen wird dieser immer mehr zurück gefahren. Muss hier nicht eine Umkehr des Denkens stattfinden?

SEEHOFER: Auch wir sehen mit Sorge, dass Sportstunden in großem Umfang ausfallen. Wir setzen uns dafür ein, dass der Schulsport und die Ernährungsbildung einen angemessenen Stellenwert im Wochenstundenplan erhalten. Denn gerade für Schulkinder sind ausreichende Bewegung und ausgewogene Ernährung so wichtig. Hier sind aber in erster Linie die Schulbehörden der Länder gefragt.

Wir sollten aber daran gehen, die Rolle des Schulsports insgesamt zu überdenken. Schulsport darf gerade vor dem Hintergrund, dass sich viele Kinder und Jugendliche zu wenig bewegen, nicht nur Talent- und Leistungssportförderung sein, sondern sollte möglichst viele Schüler und Schülerinnen zur Bewegung motivieren. Anschluss statt Ausschluss sollte hier die Devise sein. Wir müssen den Schulsport stärker als bisher auch als Gesundheitsförderung verstehen, der gemeinsam mit Sportvereinen Schülerinnen und Schüler auch zu sportlichen Aktivitäten in der Freizeit motiviert.


  • Hin und wieder ist auch Naschen erlaubt, demonstriert Horst Seehofer am Beispiel eines kleinen Schoko-Riegels, Copyright: picture-alliance/dpa
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