Tag der Frau, des Eichhörnchens und der Schnecke

Drei Fragen an DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, Petra Tzschoppe, zum Internationalen Tag der Frau

Petra Tzschoppe ist eine von vier Frauen im DOSB-Präsidium. Foto: DOSB/Frank May
Petra Tzschoppe ist eine von vier Frauen im DOSB-Präsidium. Foto: DOSB/Frank May

Frau Tzschoppe, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat zum Internationalen Tag der Frau gleich mehrere Studien vorgelegt. Lassen Sie uns die Erkenntnisse auf den Sport übertragen: Der Frauenanteil in den Vorständen der 100 größten deutschen Konzerne springt erstmals über die Zehn-Prozent-Marke. Das DIW attestiert der Wirtschaft Schneckentempo – ist der Sport schneller, wenn es gilt, Frauen in Führungspositionen zu bringen?

PETRA TZSCHOPPE: Für den DOSB lässt sich die Frage ganz offensichtlich mit Ja beantworten. Im hauptberuflichen Vorstand ist der Frauenanteil binnen zwei Jahren von 20 auf 60 Prozent gestiegen. Und für das aktuelle DOSB-Präsidium wurden im vergangenen September auf die Hälfte der durch Wahl zu besetzenden Positionen Frauen gewählt; insgesamt gehören nun dem Präsidium vier Frauen und fünf Männer an. Ich finde, hier ist der DOSB ein starkes Vorbild, das allerdings noch nicht in dem Maße, wie es zu wünschen wäre, auf die Präsidien und Geschäftsstellen der Sportverbände und Landessportbünde ausgestrahlt hat. Auch dort gibt es insgesamt durchaus Zuwächse beim Frauenanteil; das Tempo entspricht jedoch keineswegs dem, was wir aus sportlichen Wettbewerben kennen. Oder, wie es im Volksmund heißt: mühsam nährt sich das Eichhörnchen.

Auf welche Weise das sprichwörtliche Eichhörnchen besser gesättigt werden könnte, zeigt übrigens ein weiteres Ergebnis dieser DIW-Studie: Die seit 2016 geltende Ge-schlechterquote für Aufsichtsräte hat in den Top-100-Unternehmen deutlich Wirkung erzielt. In dieser kurzen Zeitspanne ist der Frauenanteil in den Kontrollgremien auf gut 28 Prozent gestiegen. Auch der DOSB hat ja bereits 2014 die Geschlechterquote in seiner Satzung verankert – mit Erfolg.

Die zweite Studie spricht von einem Gendergap bei der Bezahlung: Es wird kein gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt. Das ist im Sport ja praktisch, das Problem stellt sich bei den zumeist ehrenamtlichen Funktionen in den Sportgremien ja nicht.

So schlicht kann sich der Sport bei diesem Thema nicht aus der Debatte schleichen. Was ist mit der Bezahlung auf all den beruflichen Positionen im Sport? Erhalten Generalsekretärinnen oder Sportdirektorinnen ein ebenso hohes Gehalt wie ihre männlichen Kollegen? Gibt es die gleiche Bezahlung für Trainerinnen und Trainer? Bezahlen die Spitzenverbände ihr Trainerpersonal für den weiblichen Bereich ebenso wie im Männerbereich? Wie wird im Schiedsrichterbereich vergütet? Und was die Prämien für erfolgreiche Athletinnen und Athleten angeht, gibt es zwar in Deutschland keine Differenz bei Olympischen Spielen, aber fragen Sie doch mal den DFB… Gut, das waren mehr Fragen als Antworten, es verdeutlicht aber, dass dies ein Thema ist, bei dem auch im Sport noch einiges zu tun bleibt.

Studie Nummer drei sagt, es gibt auch eine Gerechtigkeitslücke in Beziehungen und Familien. Auch wenn beide Partner arbeiten, macht überwiegend nur einer oder vielmehr eine Abwasch, Wäsche, Haushalt.

Ja, noch immer dominiert in Deutschland die Praxis, dass Frauen wesentlich mehr Zeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung aufwenden als ihre Partner. Das geht letzten Endes zu Lasten der Frauen, die weniger frei verfügbare Zeit habe, etwa für eigene Sportaktivität oder ein reizvolles Ehrenamt. Da ist es ganz sicher an der Zeit, dass die in anderen gesellschaftlichen Bereichen inzwischen angekommene Erkenntnis, dass gemischte Teams erfolgreicher agieren, auch für die familiären Aufgaben gilt. Und Männer sich nicht den Haushaltspflichten nach der Parole „Dumm stellen schafft Freizeit“ entziehen. Also, Frauen, gebt ihnen die Chance zu zeigen, dass sie es ebenso drauf haben. Wäre übrigens auch ein Gebot der Fairness. Und die damit gewonnene freie Zeit am allerbesten beim gemeinsamen Sporttreiben verbringen. Im Sport finden wir ja mittlerweile auch eine ganze Reihe spannender Mixed-Wettbewerbe – übrigens auch ein Schritt zu mehr Geschlechtergerechtigkeit im Sport.

P.S. Was den Weltfrauentag vom Internationalen Tag der Schnecke (24. Mai) und des Eichhörnchens (21. Januar) unterscheidet: Frauen haben ihn selbst erkämpft, um gleiche Rechte einzufordern. Sie tun das seit 1911 und haben weltweit bis heute Gründe weiterzukämpfen.

(Quelle: DOSB)


  • Petra Tzschoppe ist eine von vier Frauen im DOSB-Präsidium. Foto: DOSB/Frank May
    Petra Tzschoppe ist eine von vier Frauen im DOSB-Präsidium. Foto: DOSB/Frank May

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