Tag des Ehrenamtes

Eigentlich müsste (fast) jeder Tag im Jahr ein „Tag des Ehrenamtes“ sein, meint Detlef Kuhlmann, Professor für Sportwissenschaft an der Leibniz Universität Hannover.

Ein „Tag des Ehrenamtes“ trägt dazu bei, Menschen, die sich engagieren gebührend zu würdigen. Foto: LSB NRW
Ein „Tag des Ehrenamtes“ trägt dazu bei, Menschen, die sich engagieren gebührend zu würdigen. Foto: LSB NRW

Neulich war wieder Tag des Ehrenamtes. Der Bundespräsident hatte aus diesem Anlass in Berlin 26 ehrenamtlich tätige Menschen mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Manchen Tageszeitungen war das eine kleine Meldung wert. Ob wohl auch Ehrenamtliche aus dem Sport dabei waren und wenn ja, wer und wie viele? Darüber erfährt man in der bundesweiten Presse nichts. Schön, dass wenigstens der Bundespräsident selbst auf seiner Homepage die von ihm Geehrten mit ihrer „Ehrenamts-Biografie“ vorstellt:

So erfahren wir, dass zum Beispiel ein Bernd Krannich aus Sömmerda in Thüringen mit dem Verdienstorden am Bande ausgezeichnet wurde, weil er sich seit 50 Jahren vor Ort vorbildlich für die Leichtathletik einsetzt, dass ein Ewald Fries aus Harsum in Niedersachsen geehrt wurde, weil er sich seit 1959 im Sport für gehörlose Menschen engagiert, und wir können nachlesen, dass ein Michael Moewius aus Hamburg die Ehrung zuteil wurde, weil er neben seiner Tätigkeit für den Malteser-Schulsanitätsdienst schon seit 1991 Hockeykurse an einer Ganztagsschule leitet und zudem bis vor einigen Jahren bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft als Wachleiter und Ausbilder fungiert hat.

Das sind in Wirklichkeit nur drei ganz aktuell herausgegriffene und im konkreten Sinne des Wortes „ausgezeichnete“ Beispiele für vielfältiges ehrenamtliches Engagement im Sport. Zu dieser Wirklichkeit gehört auch das Ergebnis einer jüngeren repräsentativen Befragung, wonach ein Viertel der Menschen der Bevölkerung in unserem Lande (ab 14 Jahre) ein Ehrenamt ausübt, und zwar mit traditioneller Rollenverteilung: Männer engagieren sich eher in Vereinen (mit den Sportvereinen an erster Stelle), während Frauen demnach eher im kirchlichen oder im karitativen Bereichen ehrenamtlich tätig sind.

Wie es genau mit dem Ehrenamt in Sportvereinen bestellt ist, darüber informiert uns in einer Längsschnittstudie inzwischen speziell auch der Sportentwicklungsbericht, den der Deutsche Olympische Sportbund in Auftrag gegeben hat. In der Opens internal link in current windowneuesten Ausgabe von 2011/2012 wird sogar über Probleme mit der Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen berichtet und wie die befragten Sportvereine möglichst erfolgversprechend damit umgehen. Dabei ist auch von Maßnahmen zur Stärkung der Gemeinschaft die Rede, bei denen das „Wir-Gefühl“ spürbar wird.

Ein „Tag des Ehrenamtes“ trägt sicher dazu bei, Menschen wie Krannich, Fries und Moewius gebührend zu würdigen. Wollen wir jedoch den ehrenamtlichen Leistungen aller freiwilligen Helferinnen und Helfer mit Dankbarkeit begegnen, dann müsste eigentlich (fast) jeder Tag im Jahr ein „Tag des Ehrenamtes“ sein. Dem „Wir-Gefühl“ im Sportverein dürfte das nicht schaden!


  • Ein „Tag des Ehrenamtes“ trägt dazu bei, Menschen, die sich engagieren gebührend zu würdigen. Foto: LSB NRW
    Ein „Tag des Ehrenamtes“ trägt dazu bei, Menschen, die sich engagieren gebührend zu würdigen. Foto: LSB NRW

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