Teilhabe will gelernt sein

„Vielfalt bewegt Berlin“, so lautete das Motto, das der Landessportbund (LSB) Berlin und die Senatsverwaltung für Inneres und Sport mit ihrer Fachtagung zum Thema Sport und Inklusion wählten.

Inklusion im Sportverein funktioniert, wie dieses Beispiel zeigt. Foto: LSB NRW
Inklusion im Sportverein funktioniert, wie dieses Beispiel zeigt. Foto: LSB NRW

Wie kann der organisierte Sport seine Kompetenzen in die Zukunftsaufgabe einer inklusiven Gesellschaft einbringen? In der Hauptstadt gibt es schon eine Reihe guter Beispiele, „an die wir anknüpfen können, um Inklusion voranzubringen. Das können wir aber nicht alleine, sondern die Sportverwaltung ist auf Partnerschaften auch aus der Politik angewiesen“, sagte LSB-Präsident Klaus Böger, der sich freute, neben dem ehemaligen Innensenator Ehrhart Körting, der nun Präsident des Behinderten-Sportverbandes Berlin ist, auch Peter Trapp, Sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, zu begrüßen, „der bei seinen Kollegen im Parlament sicher für Unterstützung wirbt“. Auch mit Staatssekretär Andreas Statzkowski hat der LSB einen Verbündeten, der „Inklusion nicht nur in Sonntagsreden erleben möchte.“ Der zugibt, dass „es bei der Umsetzung noch einige Probleme gibt“.

Olympische Spiele und Paralympics können Inklusion voranbringen

Die 200.000 Euro im Etat, die der Senat auch im kommenden Jahr für inklusive Vereinsmaßnahmen zur Verfügung stellen wird, sind aus seiner Sicht ein gutes Signal. Und mit der Bewerbung für die Olympischen Spiele und die Paralympics sieht der Staatssekretär die Möglichkeit, Inklusion voranzubringen: Etwa bei der Sanierung maroder Sportstätten, die man barrierefrei umbauen will. Oder die Idee, den Friedrich-Ludwig-Jahn-Park adäquat zu gestalten.

Ein Schritt in die richtige Richtung. So bewertet das Kirsten Ulrich, die nicht nur mit ihrem Verein Karower Dachse und ihrem Lauftandem eine Vorreiterin ist, sondern auch das Berliner Netzwerk „Sport und Inklusion“ vorantreibt. „Jeder, der uns unterstützt, ist willkommen“, sagt die engagierte Berlinerin, die sich einen „Ruck durch Deutschland“ wünscht. Den soll ein Fackellauf auslösen, der am 11. Juli 2015 am Brandenburger Tor ankommen soll. Ein konkretes Beispiel für den Begriff Inklusion, mit dem allerdings mancher wenig anfangen kann.

Professor Hans-Jürgen Schulke aus Hamburg hatte vorher in seinem anschließend viel diskutierten Vortrag „Inklusion im Sportverein: Belastung oder Bereicherung?“ versucht, den Begriff zu klären, eine Ist-Stand-Analyse und Antworten zu geben. Einigkeit bestand am Ende, dass Inklusion für alle Beteiligten ein Gewinn ist.

Wegweiser für Vereine

Aber wie kommt man dahin, seinen Verein für Inklusion zu öffnen? Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) erarbeitete mit Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales einen Index, eine Art Wegweiser. Die Nachfrage ist immens.

In Berlin gab es dabei auch eine Premiere: Der Fragenkatalog, das Kernstück des Index, wurde zum ersten Mal mit Workshop-Teilnehmern getestet. Die Methode, so Oliver Klar vom Sportverein Pfefferwerk und DBS-Projektleiterin Kristine Gramkow, die das Konzept vorstellten, führe dazu, über Fragen zu Diskussionen und dann zu Angebotsideen zu kommen. Funktioniert, wie der Probelauf bewies.

Viele im Verein seien verunsichert, so war immer wieder zu hören. Warum? Begriffsverwirrung. Für manche ist Integration dasselbe wie Inklusion, „und das machen wir doch schon seit Jahrzehnten“. Oder: Wer soll den Sport wo anbieten? „Wir haben keine Übungsleiter und keine geeigneten Sportstätten.“ Und wer bezahlt das alles?

Teilhabe will gelernt sein

Auf viele Fragen gab es in sechs Workshops Antworten, die nicht alle befriedigten, aber weiterhalfen. „Wir müssen bei uns anfangen, uns sensibilisieren auch für Inklusion im Alltag“, resümierte eine Teilnehmerin. Und: Inklusion geht nicht von jetzt auf gleich. Teilhabe will gelernt sein.

Oder, wie der Theologe, Kabarettist und Tischtennis-Paralympicsieger Rainer Schmidt sagt: „Inklusion ist die Kunst des Zusammenlebens sehr verschiedener Menschen“.

Auch der Berliner Sport ist bereits auf dem besten Weg, diese Kunst zu erlernen.

(Quelle: LSB Berlin/Bianka Schreiber-Rietig)


  • Inklusion im Sportverein funktioniert, wie dieses Beispiel zeigt. Foto: LSB NRW
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