Tipp des Monats: Budomotion - Karate als Gesundheitssport

In der Ausgabe November/Dezember 2010 von "Gesund + fit" geht es um Karate als Gesundheitssport

"Karate als Gesundheitssport" Foto: Deutscher Karate Verband
"Karate als Gesundheitssport" Foto: Deutscher Karate Verband

Grundsätzlich gibt es in der Prävention und Gesundheitsförderung das Paradox, dass vor allem diejenigen an Programmen und Maßnahmen teilnehmen, die es eigentlich nicht so sehr nötig hätten, weil sie nämlich um die Bedeutung von ausreichender Bewegung und gesunder Ernährung wissen. Dieses Problem kennen wir auch aus dem Gesundheitssport, wo sich überwiegend recht fitte und an Gesundheit interessierte Teilnehmer tummeln.

Gerade diejenigen aber, die man unbedingt für ein Gesundheitssportangebot gewinnen müsste, bleiben in aller Regel fern. Dies hat viele Gründe, einer liegt aber auch darin, dass sich "Bewegungsmuffel!" - und dies sind leider ganz besonders häufig Männer - von klassischen Gesundheitssportangeboten wie Gymnastik in der Halle oder Nordic Walking oft wenig angesprochen fühlen. Wenn sie sich überhaupt vorstellen können, sich zu bewegen, so sind (?) ihnen im Gesundheitssport zu wenig "Action" und zu wenig Wettkampf.
Dass dies so ist, hat ja gute Gründe. Dennoch ist es wichtig, das Spektrum des Gesundheitssports zu erweitern und neue Wege aufzuzeigen, wie Sport gesundheitsfördernd sein kann. Eine Möglichkeit dafür besteht darin, das gesundheitsfördernde Potential von Sportarten zu erschließen, die bis dato noch nicht mit Gesundheitssport assoziiert waren und deshalb die Chance haben, eine ganz neue Zielgruppe anzusprechen.

Budomotion
Dies ist im vergangenen Jahr mit der Sportart Karate passiert, einer Sportart, die man zugegebener Maßen nicht im ersten Augenblick mit Gesundheitssport in Verbindung bringen würde.
Doch mit dem Programm SPORT PRO GESUNDHEIT - Budomotion werden Aspekte aus dem Karate-Do aufgegriffen und vermittelt, da sich dort vielfältige Bewegungsformen bieten, die im Sinne einer gesundheitsorientierten sportlichen Aktivität nutzbar sind. Der technikspezifische Wechel von Anspannung und Entspannung und die erforderliche Ausführungspräzision, schulen die Bewegungskoordination und tragen so zur aktiven Stabilisation des Stütz- und Bewegungssystems bei. Eine sehr bewusste Beobachtung des eigenen Körpers, insbesondere des Haltungs- und Bewegungssystems, und der Umgang mit dem Körper per se führen zu einem gesteigerten Körperbewusstein.
Durch meditative Elemente und dem Auseinandersetzen mit Energien ist es möglich, mehr Selbstsicherheit, Gelassenheit und innere Ruhe zu erwerben.

Wer kann mitmachen?
Das Angebot Budomotion richtet sich an Erwachsene, die überhaupt keine Vorerfahrungen in der Sportart Karate mitbringen müssen. Wie andere Programme im Rahmen des DOSB-Qualitätssiegels SPORT PRO GESUNDHEIT (siehe www.sportprogesundheit.de) wird mit dem Kursangebot Budomotion ein qualitativ hochwertiges, jedoch niedrigschwelliges Angebot geschaffen, welches Neu- und Wiedereinsteigern in den Sport den Einstieg und Zugang erleichtert und dann die Teilnehmer motiviert, langfristig an gesundheitsorientierten Bewegungsangeboten teilzunehmen. Deshalb setzt das Programm auch auf die Förderung von Eigeninitiative und Selbstverantwortung der Teilnehmer. Dies bedeutet zum Beispiel, dass den Teilnehmern so viel Handlungswissen vermittelt wird, dass diese das Kursprogramm eigenständig weiterführen können. Außerdem werden Teilnehmer dazu motiviert, ihren Alltag und ihren Lebensstil zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern sowie weitere Bewegungsaktivitäten in ihren Alltag einzubauen. Diese Prozesse werden durch Teilnehmermaterialien unterstützt.

Inhalte
Budomotion baut auf einem ganzheitlich orientieren Ansatz zur Gesundheitsförderung auf, wenngleich das Muskel-Skelettsystem im Mittelpunkt des Programms steht. Die aus dem Karate entlehnten Techniken stellen eine hervorragende Haltungsschulung dar und kräftigen die Muskulatur allein schon durch die der Sportart innewohnende Anspannung während der Ausführung. Das Krafttraining findet aber nicht nur durch Karatetechniken statt, sondern es werden auch Kleingeräte, wie beispielsweise das Thera-Band eingesetzt.
Neben einer positiven Beeinflussung des Haltungs- und Bewegungsapparates ist eine Schulung der Koordinationsfähigkeit der Sportart Karate immanent.
Außerdem wird per se die Entspannungsfähigkeit im Karate trainiert. Die physische Entspannung erfolgt beim Training der Karatetechniken durch das bewusste Anspannen und Entspannen, verbunden mit der richtigen Atmung. Die geistige Entspannung wird mit meditativen Elementen, aber auch durch progressive Muskelrelaxation nach Jacobson u.ä. Techniken trainiert.

Weitere Informationen für Übungsleiter und Interessierte
Der Deutsche Karate Verband bildet Übungsleiter aus, die dann das Konzept Budmotion vermitteln können. Desweiteren kann er natürlich informieren, wo zurzeit Kurse zu Budomotion angeboten werden:

Deutscher Karate Verband e.V. (DKV)
Bundesgeschäftsstelle
Am Wiesenbusch 15
45966 Gladbeck
Tel.: 02043 / 29 88-0
Fax: 02043 / 29 88 91
Email: info@remove-this.karate.de
www.karate.de  

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Karate als Gesundheitssport Foto: Deutscher Karate VerbandZum Mitmachen

Um sich besser vorstellen zu können, wie sich Budomotion "anfühlt" oder auch , um vielleicht die ein oder andere Übung in eine ganz normale Kursstunde einzubauen, hier nun ein paar Möglichkeiten, im Krafttraining mit dem Thera-Band Karatetechniken einzusetzen.

Das Thera-Band eignet sich für ein schonendes Krafttraining. Jeder Übende kann individuell aus dem Sortiment der verschiedenen Widerstandsstärken sein geeignetes Band auswählen. Je dunkler die Farbe des Bandes, desto höher ist der Widerstand. So kann man auch durch Steigerung des Widerstandes oder häufigere Wiederholungen sein Training intensivieren. Für Anfänger sind die Farben rot bzw. grün für Frauen und grün bzw. blau für Männer geeignet. Das Band sollte ungefähr Körperlänge haben.
Wichtig ist es, dass das Band während des Übens zum Zwecke des Festhaltens um die Hand geschlungen ist. Zu Beginn der Übungen müssen natürlich die Muskeln etwas aufgewärmt sein. Achten Sie bei allen Übungen auf einen geraden Rücken sowie leicht gebeugte Knie und Ellenbogen.
Die Übungen sollten etwa 10 x wiederholt werden können, ohne dass es zu so genannten "Ausweichbewegungen" oder Wacklern kommt. Ausweichbewegungen sind z.B. das Abkippen der Hände, das Ausweichen mit dem Oberkörper als Gegenzug, das aus der Form laufen usw. Das Band soll auch in der Entspannungshaltung immer leicht gespannt sein. Das Auseinanderziehen und Entspannen des Bandes soll bei allen Übungen in der gleichen Geschwindigkeit ausgeführt werden, d.h. führen Sie auf keinen Fall ruckartige schnelle Bewegungen aus.

1. Arm-, Schulter-, Rumpf- und Bauchmuskulatur; Bein- und Gesäßmuskulatur
Fauststoß mit der entgegengesetzten Seite "Gyaku-Tsuki"
Nehmen Sie eine weite Schrittstellung ein. Das vordere linke Bein ist gebeugt, das hintere gestreckt, wobei der Fuß möglichst weit nach vorn zeigt. Das vordere Bein trägt etwa 80 % des Körpergewichts. Halten Sie das vorher fixierte Band, <media 35603 _blank download "TEXT, Gyaku-Tsuki, Gyaku-Tsuki.pdf, 240 KB">wie abgebildet</media>, unter leichter Vorspannung in der rechten Hand. Ziehen Sie nun das Band langsam unter Rotation der Faust an die Hüfte und führen es dann ebenso langsam in die Ausgangsposition zurück. Achten Sie darauf, dass der Ellenbogen möglichst lange Körperkontakt behält.
Trainieren Sie pro Seite zwei bis drei Serien á 12-15 Wiederholungen, mit 1-2 Minuten Pause.

2. Arm-, Schulter-, Rumpf- und Bauchmuskulatur; Bein- und Gesäßmuskulatur
Gerader Fauststoß "Oi-Tsuki"
Nehmen Sie die Fußstellung wie vorher beschrieben ein, nun ist das rechte Bein vorn. Halten Sie das vorher fixierte Band <media 35605 _blank download "TEXT, Oi-Tsuki, Oi-Tsuki.pdf, 216 KB">wie abgebildet </media>und leichter Vorspannung in der ebenfalls rechten Hand. Stoßen Sie das Band nun langsam unter Rotation der Faust von der Hüfte nach vorn und führen es dann ebenso langsam in die Ausgangsposition zurück. Achten Sie darauf, dass der Ellenbogen möglichst lange Körperkontakt behält.
Trainieren Sie pro Seite zwei bis drei Serien á 12-15 Wiederholungen, mit 1-2 Minuten Pause.

3. Hüftgelenkbeuger/Bein- und Gesäßmuskulatur; Bauchmuskulatur
Fußtritt nach vor "Mae-Geri"
Nehmen Sie die Fußstellung wie oben beschrieben ein, das rechte Bein ist vorn (<media 35604 _blank download "TEXT, Mae-Geri, Mae-Geri.pdf, 135 KB">s. auch Abbildung</media>). Fixieren Sie das Band an Ihrem linken Sprunggelenk und halten das Band unter leichter Vorspannung. Führen Sie die Knie gegen den Widerstand bis auf Bauchnabelhöhe nach oben.
Achtung: Auf eine gerade Bewegungsrichtung des arbeitenden Beines achten, also nicht nach rechts oder links mit dem Knie des übenden Beines ausweichen; den Rücken aufrecht halten; bei Gleichgewichtsproblemen eventuell an der Wand abstützen.
Trainieren Sie pro Seite zwei bis drei Serien á 12-15 Wiederholungen, mit 1-2 Minuten Pause.

Dieser Artikel erscheint auch in der Zeitschrift SportPraxis 11+12/2010
www.sportpraxis.com


  • "Karate als Gesundheitssport" Foto: Deutscher Karate Verband
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