Verbandsärzte treffen sich zum fachlichen Austausch

Am vergangenen Wochenende haben sich die Verbandsärzte bei der 34. DOSB-Tagung „Sportmedizin im Spitzensport“ zum fachlichen Austausch in Frankfurt am Main getroffen.

Sportlerin beim Medizincheck. Foto: picture-alliance
Sportlerin beim Medizincheck. Foto: picture-alliance

Am Freitag (30. November) fand das Anti-Doping Seminar statt, das traditionell in enger Zusammenarbeit mit der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) gestaltet wird. Der Samstag (1. Dezember) bot den Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, Fallbeispiele aus der Betreuung von Spitzensportlern zu präsentieren, und rückte die praktischen Versorgungsaspekte unterschiedlicher Disziplinen im Sport in der Fokus der medizinischen Betreuung.

Anti-Doping

Mit dem Update der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) informierte Dr. Anja Scheiff von der NADA über die Veränderungen, die sich im kommenden Jahr 2019 ergeben. Sie gab weiterführende Informationen hinsichtlich der ISTUE, der Internationalen Standards für medizinische Ausnahmegenehmigungen (Therapeutic Use Exemption = TUE) und der deutschen Übersetzung, die 2021 in Kraft treten wird.

Schwerpunkt des Beitrags von Dr. Lars Mortsiefer, Vorstand der NADA, war der WADA Code (WADC) 2021. Er stellte den Prozess zu den eingebrachten Änderungsvorschlägen im Code vor und stellte anhand der Zeitschiene bis 2021 die nächsten Schritte dar. Eingeschlossen darin ist die Vorbereitung der Umsetzung des WADC 2021 in den nationalen Kodex NADC 2021.

Dr. Petra Dallmann (Heidelberg) stellte in ihrem Vortrag zum Thema „ADHS im Erwachsenenalter“ die Symptomatik, Diagnostik, Prävalenz und Behandlung bei Sportlern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung vor. Die Ursache für diese Krankheit hängt größtenteils von genetischen Faktoren ab. Darüber hinaus wurden der eventuell bestehende Zusammenhang und die Wechselwirkung mit Schädelhirn-Verletzungen diskutiert.

Der Vortrag von Prof. Birgit Friedmann-Bette (Heidelberg) und Prof. Stephan Sorichter (Freiburg) stellte zunächst den Unterschied zwischen belastungsinduzierter Bronchokonstriktion (Verengung der Luftwege innerhalb der Lungen) bei bekanntem und ohne bekanntes Asthma bronchiale heraus. In der Folge wurden anhand unterschiedlicher Beispiele die Diagnostik, Pathogenese und die Therapie herausgearbeitet.

Transsexualität im Sport

Ein Schwerpunktthema am Freitag und Samstag war die Transsexualität im Leistungssport. Die medizinischen Aspekte stellte die Kinderendokrinologin Prof. Annette Richter-Unruh (Bochum) dar. Sie zeigte eindrücklich, wie die Geschlechtsidentität ein entscheidender Teil der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen ist. Sollte in diesem Alter eine Transformation durchgeführt werden, ist eine individuelle Begleitung durch den Kinder- und/oder Jugendpsychiater unbedingt ratsam.

Petra Weitzel von der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) e.V. stellte die Aktivität der Gesellschaft in Deutschland dar. Sie erörterte, welche Herausforderungen diese mit sich bringt. Joanna Harper (Providence Portland Medical Center) berichtete über ihren eigenen Weg und darüber, wie zu diesem Thema beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine entsprechende Konsenserklärung (Consensus Statement Paper) mit entsprechenden Richtlinien erstellt wurde.

Der Samstag rückte die praktischen Versorgungsaspekte der medizinischen Betreuung in den Mittelpunkt.

Nachwuchsleistungssport

Im Block „Nachwuchsleistungssport“ nahmen Fachärzte aus der Inneren Medizin und Orthopädie dieses Thema gezielt in den Blick.

Dr. Michael Cassel (Potsdam) stellte das klare Ziel des IOC-Consensus-Statement vor. Es beschreibt die Entwicklung gesunder, fähiger und belastbarer junger Athleten. In seinem Vortrag arbeitete er anhand unterschiedlicher Fallbeispiele heraus, dass die Verletzungs-/Überlastungsraten abhängig sind von Sportart, Umfang, Spezialisierung, Alter und Geschlecht. Die Entwicklung altersgerechter Präventionsprogramme sei für die schrittweise Rückkehr in den Sport unabdingbar.

Die internistischen Aspekte des Nachwuchsleistungssports thematisierte Dr. Lawrenz (Essen). Neben den Effekten von Training auf das Herz-Kreislauf-System fokussierte er ebenfalls die Ernährung mit ihren Auswirkungen auf die Leistungsentwicklung jugendlicher Leistungssportler.

Der Sportwissenschaftler Prof. Urs Granacher (Potsdam) rundete diese Sitzung mit Hinweisen zum Krafttraining im Nachwuchsleistungssport ab. Ein systematisches Krafttraining im Nachwuchsbereich sei für die Entwicklung der Athleten zwingend notwendig. So könne Verletzungen vorgebeugt werden. Er stellte die Ergebnisse der vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) geförderten KINGS- (Krafttraining im Nachwuchsleistungssport) Studie vor.

Case Reports

In diesem Themenblock, berichten und diskutieren die Teilnehmern/innen der Veranstaltung über Fälle aus der eigenen Arbeit im Leistungssport.

Die Grenzen der Sporttauglichkeit im Rahmen der sportmedizinischen Grunduntersuchung stellten Prof. Christof Burgstahler und Dr. Christine Kopp am Beispiel einer Rhythmischen Sportgymnastin dargestellt. Dr. Jan Wüstenfeld (Leipzig) beschrieb die Herausforderungen bei der Entscheidungsfindung für die Sporttauglichkeit anhand von zwei Fällen mit einem kardialen Befund. In den drei dargestellten Fällen wurde deutlich, dass die Entscheidung über die „Sporttauglichkeit“ bei grenzwertigen Befunden immer eine schwierige Einzelfallentscheidung ist.

Die Behandlung des Leistenschmerzes beschrieb Ulrich Grünwald (Minden). Er zeigte unterschiedliche Herausforderungen auf, die in der Praxis bei der Betreuung von American-Football-Spielern in einem Turnier auftreten.

Einen weiteren orthopädischen Fall diskutierte Dr. Christian Schneider (München). Dabei zeigte er die Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen der Olympischen Winterspiele PyeongChang 2018 und stellte dar, welche Herausforderungen in der Akutphase unter diesen Bedingungen wenige Tage vor dem Start zu meistern und abzuwägen sind.

Praktische Versorgungsaspekte in der Sportmedizin

Schwerpunkt des abschließenden Blocks der Veranstaltung waren die praktischen Versorgungsaspekte in der sportmedizinischen Betreuung. Dabei wurden die Gynäkologie, die Ophthalmologie (Augenheilkunde) und die Endokrinologie (Lehre von den Hormonen) herausgegriffen.

Dr. Petra Frank-Herrmann (Heidelberg) stellt in ihrem Beitrag den Einfluss des Spitzensports auf die Veränderungen des weiblichen Zyklus dar. Sie veranschaulichte an Beispielen von der Diagnose über die Therapie, dass eine ganzheitliche Betrachtung dabei entscheidend sei.

In seinem Vortrag zum Thema „Auge und Sport“ beschrieb Dr. Thomas Katlun (Heidelberg) zunächst die Notfallversorgung von Verletzungen im Sportspiel und empfahl präventiv einen Schutz auch ohne Fehlsichtigkeit. Die Korrektur von Fehlsichtigkeiten sei für eine optimale Leistungsfähigkeit unabdingbar. Mit Blick auf das Training sei lediglich eine Verbesserung der Wahrnehmung, jedoch nicht der Sehstärke möglich.

Dr. Thomas Bobbert (Berlin) beschrieb die Versorgung der Athleten aus endokrinologischer Sicht. Dabei schaute er auf Erkrankungen der Schilddrüse und der Bauspeicheldrüse. Anhand von Fallbeispielen aus dem Sport verdeutlichte er, welche Herausforderungen bei der Behandlung von Diabetes oder einer Schilddrüsenfunktionsstörung gemeistert werden.

Prof. Bernd Wolfarth, Ärztlicher Leiter Sportmedizin der Charité in Berlin und Olympiaarzt des DOSB, schloss die Veranstaltung und bedankte sich bei den Referenten und Teilnehmern für die angeregten Diskussionen. Die Veranstaltung bot traditionell viel Gelegenheit zum Austausch unter Kollegen, so dass neben den Vorträgen mit regen inhaltlichen Diskussionen Raum für informelles Gespräch blieb. 

(Quelle: DOSB)


  • Sportlerin beim Medizincheck. Foto: picture-alliance
    Sportlerin beim Medizincheck. Foto: picture-alliance

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