Verena Bentele über "Jugend trainiert für Paralympics"

Auf das Winterfinale folgen Frühjahrs- und Herbstwettkämpfe

Verena Bentele will Kinder und Jugendliche mit Behinderung zum Sport motivieren. Quelle: privat.
Verena Bentele will Kinder und Jugendliche mit Behinderung zum Sport motivieren. Quelle: privat.

Sport soll dem Nachwuchs in erster Linie Spaß machen. Das gilt für nichtbehinderte Kinder und Jugendliche genauso wie für Kids mit Behinderungen. Dennoch ist es meist erst der Wettbewerb, der so richtig motiviert. Der aus der gelegentlichen Bewegung eine lebenslange Leidenschaft macht. Bestes Beispiel: der Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Paralympics (JtfP)“.

Hunderte Kilometer Zugfahrt mit schwerem Gepäck – nur, um an einem Schulwettbewerb teilzunehmen? Zwei sehbehinderte Teilnehmer am JtfP-Winterfinale 2013 Ende Februar in Schonach nahmen diesen Aufwand mit Freude auf sich. Für die ebenfalls sehbehinderte ehemalige Weltklasse-Biathletin Verena Bentele beweist die Reise der beiden Schleswig-Holsteiner in den Schwarzwald, dass der Wettbewerb bewegt: „Der eine Junge hatte den anderen überredet – so hatten sie sich gegenseitig motiviert. Die Geschichte beweist für mich, dass ‚Jugend trainiert für Parlaympics‘ wahrgenommen wird und bei den Kids Begeisterung auslöst.“

Bentele, die bereits im letzten Jahr, als das Winterfinale noch ein Demo-Wettbewerb war, als Organisatorin vor Ort war, sieht den Schulwettbewerb auch bei den Wintersportarten auf einem guten Weg: „Die Skilanglauf-Wettkämpfe für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler sowie für Kids mit geistiger Behinderung sind nun ein fester Bestandteil von ‚Jugend trainiert für Paralympics‘. Im Rahmen des Winterfinales von ‚Jugend trainiert für Olympia‘ fühlen wir uns zudem alle sehr wohl. Es ist toll, wenn Nichtbehinderte und Behinderte gemeinsam Sport treiben und sich gegenseitig bei ihren Wettkämpfen anfeuern.“

Erstmals wurde 2013 an mehrere Tagen vor Ort trainiert und um die Medaillen gekämpft. Besonders die Teamwettkämpfe sorgten dabei für Stimmung, auch wenn aufgrund der noch ausbaufähigen Teilnehmerzahl improvisiert werden musste: „Die beiden Jungs aus Schleswig-Holstein mussten sich einen Baden-Württemberger ‚ausleihen‘, um auf die nötigen drei Starter zu kommen. Es war beeindruckend, wie unkompliziert dieses Problem gelöst wurde. Dennoch wünschen wir uns schon für das nächste Jahr natürlich noch mehr Teilnehmer“. Den festen Platz im Jahreskalender hat das JtfP-Winterfinale jedoch sicher.

Auf das diesjährige Bundesfinale der jungen Skilanglauf-Asse folgt nun vom 23. bis 27. April 2013 das Frühjahrsfinale in Berlin. Hier treten Schülerinnen und Schüler mit körperlicher und motorischer Behinderung in den Sportarten Tischtennis und Rollstuhlbasketball sowie blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler in einem Goalball-Demonstrationswettbewerb an. Beim Herbstfinale vom 22. bis 26. September, wiederum in Berlin, tragen dann die jeweils landesbesten jungen Leichtathleten und Schwimmer mit körperlicher und motorischer Behinderung sowie Fußballer mit geistiger Behinderung den Bundeswettkampf aus. Schulen aus allen 16 Bundesländern werden Teams zu den Finalrunden entsenden. Damit wurde in den Sommersportarten bereits eines der Hauptentwicklungsziele erreicht.

Für Verena Bentele lautet das übergeordnete Ziel, immer mehr Kids mit Behinderungen für den Sport zu begeistern. Auch, indem an den Schulen die richtigen Strukturen geschaffen werden. Derzeit erarbeitet sie Materialien für baden-württembergische Lehrer zum Thema Inklusion im Schulsport. Auf Lehrerfortbildungen gibt sie dabei auch immer wieder ihre eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit weiter: „Für mich war es großes Glück, dass mein Vereinstrainer damals keine Scheu hatte, mich mit den nichtbehinderten Kindern trainieren zu lassen. Dadurch und durch die Spotverrücktheit meiner Familie habe ich früh gelernt, dass meine Sehbehinderung mich nicht vom Sport, ja nicht mal vom Leistungssport ausschließt.“

Den eigenen Weg – vom sportbegeisterten Teenager bis zur Weltklasse-Paralympionikin – will Bentele nun auch einer möglichst großen Zahl Schülerinnen und Schülern ermöglichen: „Wir wollen sogenannte ‚Best-Practice-Beispiele‘ schaffen. Also einzelne Lehrer, Schulen und Vereine so fördern, dass sich andere an Ihnen orientieren können.“ Auch wenn ihre zahlreichen internationalen Titel, darunter allein zwölf Goldmedaillen bei Paralympischen Spielen, dabei natürlich kein Maßstab sind, soll das Ziel durchaus Leistungs- oder sogar Spitzensport lauten. Dabei kann und soll auch „Jugend trainiert für Paralympics“ ein wichtiger Faktor sein: „Wenn wir, zum Beispiel, auch für das Winterfinale Qualifikationsrunden hätten, würden die Kids natürlich noch mehr trainieren und wären noch motivierter. Für die nächsten Jahre wollen wir also die Teilnehmerzahl für die Skilanglaufwettbewerbe deutlich erhöhen.“

Mehr Training, mehr Wettbewerbe und eine klare Orientierung an erfolgreichen Vorreiter-Schulen – Verena Bentele und ihre Mitstreiter verfolgen für die JtfP-Wettbewerbe eine klare Linie. Die weite Anreise werden in den nächsten Jahren also noch größere Gruppen von Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen auf sich nehmen, um in den Bergen oder in der Hauptstadt Berlin auf Medaillenjagd zu gehen.

Quelle: medienmannschaft.de


  • Verena Bentele will Kinder und Jugendliche mit Behinderung zum Sport motivieren. Quelle: privat.
    Verena Bentele will Kinder und Jugendliche mit Behinderung zum Sport motivieren. Quelle: privat.

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