Vielfalt bereichert?! – Interkulturelle Kompetenzen in Sport und Alltag

Sie kommen nicht mehr wie noch vor 20 Jahren zu Hunderttausenden nach Deutschland. Dennoch: sie sind nicht zu übersehen: in Kindergarten und Schule, am Arbeitsplatz, im Alltag – und im Sport: Menschen mit Migrationshintergrund.

 

Sportvereine und ihre Trainer schildern zahlreiche Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, die zumeist harmonisch, manchmal aber auch spannungs- und konfliktbeladen verlaufen.

 

 

Bild1: Peter Schreiber (Sportjugend Hessen) mit angehenden Trainern-C im Gespräch über die wichtigsten interkulturellen Kompetenzen;
Bild1: Peter Schreiber (Sportjugend Hessen) mit angehenden Trainern-C im Gespräch über die wichtigsten interkulturellen Kompetenzen;

Die angehenden C-Trainerinnen und Trainer des Hessischen Ju-Jutsu-Verbandes (HJJV) bestätigten in kurzen einführenden Statements die Einschätzung des Referenten. Die Ju-Jutsukas trafen sich Ende Mai zu einem weiteren Ausbildungstermin im Hessischen Leistungszentrum in Wetzlar. Dr. Thorsten Strube, Vizepräsident Breitensport und Lehrwart, hatte Peter Schreiber, Regionalkoordinator Nord- und Osthessen des Programms „Integration durch Sport“ in der Sportjugend Hessen, erneut als Gastreferenten zum Thema interkulturelle Kompetenzen im Sport eingeladen.

Vielfalt als Chance wahrnehmen

Unterstützt durch die Redebeiträge von Migrantensportlern, die sich selbst als Deutsche mit im Ausland geborenen Elternteilen sehen, ergab sich ein interessanter interaktiver Austausch. Gemeinsam erarbeitet wurden Begriffsklärungen von Multikulti, Integration, Vielfalt und Kultur. Die Rolle des Trainers als Vorbild im Sport und Ansprechpartner für Alltägliches wurde genauso kontrovers diskutiert wie die Frage, ob der organisierte Sport die vielen von der Politik quasi übertragenen Aufgaben zu leisten vermag.

Auch wenn Nachwuchsgewinnung und –förderung im hessischen Ju-Jutsu-Verband derzeit zufrieden stellend läuft, bedachten die Kampfsportler schon den demografischen Wandel und die für viele Sportvereine problematische G8-Regelung in Hessen.

Auf diesen Baustellen kann es lohnenswert sein, sich zum Einen sportvereinsfernen Personengruppen wie Migranten zuzuwenden und zum Anderen Kooperationen mit  Partnern sozialer Arbeit (z.B. kommunale und kirchliche/überkonfessionelle Jugendhäuser, Schulen, KiTas,) einzugehen, um gerade für die Jugendlichen von 13 – 16 Jahren attraktive Angebote im freizeit- und breitensportlichen Bereich zu entwickeln. Dabei ungewohntes Terrain zu betreten und kulturelle Verschiedenheit für den Sport nutzbar zu machen ist die Herausforderung dieser Tage nicht nur für den HJJV.

„Wir müssen miteinander reden – nicht übereinander!“

Als Trainer eine Trainingsstunde zu leiten, hat notwendigerweise mit Kommunikation zu tun. Wie Kommunikation störungsfrei funktioniert,  erarbeiteten die Seminarteilnehmer anhand griffiger Beispiele aus Sport und Alltag. Viele Trainer verfügen, ohne dass es ihnen bewusst ist, über soziale Kompetenzen, sie sind positive Autoritäten, sie vermitteln partnerschaftliches Verhalten, sportliche Regeln und angemessenes Auftreten in der Öffentlichkeit. Dazu gehört wesentlich der Ehrenkodex der Kampsportler weltweit, der u.A. die Anwendung des Gelernten zum Schaden Anderer verbietet und zugleich verpflichtet, Schwächeren und Benachteiligten beizustehen. 

Längst gehört „Miteinander reden“ zum Rüstzeug in der Trainerausbildung. Wie Kommunikation gerade im interkulturellen Kontext gelingen, was alles schief gehen kann (verbal und non-verbal) und „normale“ Streitigkeiten nicht auf die kulturelle Schiene abgleiten, vermittelte der IdS-Regionalkoordinator mit multimedialer Unterstützung.

Fußbasketball – Saustall – Move & Box

Sport- und Bewegungsspiele im interkulturellen Kontext, die nicht auf Gewinner oder Verlierer abstellen, bereiteten als letzter Block sichtlich Spaß und Lust auf mehr, zumal die künftigen Trainerinnen und Trainer immer auf der Suche nach alternativen Bewegungseinheiten für ihre Übungsstunden sind. 

Neu und angesagt ist Move & Box eine Kombination aus Boxen ohne Körperkontakt mit Aerobic-Elementen, begleitet von ebenso trendiger Musik. Dieses Workout erweitert das Repertoire an Bewegungs- und Reaktionsmustern. Als Mittel zur Erlangung von Selbstdisziplin, in der Gruppe oder mit Partner, zum Erlernen von Respekt und Toleranz ist es eingebettet in die Thematik „Interkulturelles Lernen“.

Gegenseitige Akzeptanz als Basis – kein Schubladendenken

Schreiber plädierte am Ende des Impulsreferats dafür, im Austausch mit Menschen diverser Herkunft vor allem folgende Aspekte zu beachten: mutig und vorurteilsfrei aufeinander zugehen, bei Konflikten Neutralität bewahren, offen und ehrlich `rüber kommen und Empathie zu zeigen.

Eine abschließende Frage- und  Statement-Runde verdeutlichte allen Anwesenden abermals die gesellschaftliche Relevanz von Interkulturalität gerade im Sport. Mit den Inhalten der Fortbildung „Sport interkulturell“, die an diesem Tag auszugsweise präsentiert wurde, wird das Miteinander in Sport und Alltag besser gelingen.

Das zweistündige Kompendium wird in ähnlicher Form nach inhaltlicher Absprache mit den Lehrwarten  beispielsweise im September in der Trainerausbildung des Hessischen Kickboxverbands wieder zum Einsatz kommen.

Weitere Informationen zur Fortbildung:
Sportjugend Hessen, „IdS“-Regionalbüro Nord- und Osthessen;
T.: 05635 – 992615; Mail: PSchreiber@remove-this.sportjugend-hessen.de


  • Bild1: Peter Schreiber (Sportjugend Hessen) mit angehenden Trainern-C im Gespräch über die wichtigsten interkulturellen Kompetenzen;
    Bild1: Peter Schreiber (Sportjugend Hessen) mit angehenden Trainern-C im Gespräch über die wichtigsten interkulturellen Kompetenzen;
  • Bild 2: die Ju-Jutsukas beim Ausprobieren des Spiels „Saustall“ – bringt Energie und Action in die Gruppe! (Quelle: SJH-IdS)
    Bild 2: die Ju-Jutsukas beim Ausprobieren des Spiels „Saustall“ – bringt Energie und Action in die Gruppe! (Quelle: SJH-IdS)

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