Von der neuen Lust auf Sport

Prof. Detlef Kuhlmann plädiert für mehr Gelassenheit, auch im Sport. Der Autor ist Universitäts-Professor am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover.

Mehr Gelssenheit auch im Sport ist der neue Trend. Foto: picture-alliance
Mehr Gelssenheit auch im Sport ist der neue Trend. Foto: picture-alliance

„Leben statt planen“ titelte neulich ein bekanntes Wochenmagazin, das sich selbst mit jedem Heft einen Stern verleiht. Das dazugehörige Titelfoto zeigt ein paar ungleiche Herrenschuhe – rechts einen eleganten Halbschuh in Schwarz und links einen Allerweltsturnschuh in blauem Segeltuch. Beide liegen bereit zum Anziehen – zum Losgehen oder zum Losrennen. Ist da was mit Sport?

Die Titelgeschichte ist in Wirklichkeit ein Plädoyer für mehr Gelassenheit und mehr Lässigkeit in unserem Leben, wo fast alles immer berechenbarer und planbarer wird. Wir sollen uns (wieder) mehr auf die Kraft des Bauchgefühls besinnen, uns in der aufgedrehten Welt mehr treiben lassen, als immer nur getrieben werden. Kurz und bündig lautet die Mission: lieber das Leben leben, anstatt immer nur die Pläne planen …mach Dein Ding! Ist da was mit Sport?

Von einem Leben mit Sport ist in dem Artikel nicht wirklich die Rede. Das Plädoyer für mehr „Leben statt Planen“ lässt sich aber leicht auf das Leben mit Sport projizieren. Mehr noch und dies: Auch hier scheint gerade ein Umdenken zu beginnen – Belege gefällig? Zwei prominente Zeitzeugen ganz unterschiedlicher Couleur nehmen – welch seltsamer Zufall – in ihren jüngsten Publikationen Abschied von dem dort jeweils sog. „homo performator“ wie Du und ich, der ständig in Planung begriffen ist, um seine selbst auferlegten Trainingseinheiten im Soll zu erfüllen, seinem Körper noch mehr Gewichte und dem Organismus noch mehr Belastungen zumutet, immer auf der Suche nach der Grenze, die sich nie schließt. Der Fitnesswahn lässt grüßen! Jetzt also „Leben statt planen“ – auch als Plädoyer für den Sport:

Professor Ingo Froböse, der Leiter des Zentrums für Gesundheit am Institut für Bewegungstherapie an der Deutschen Sporthochschule in Köln jedenfalls setzt jetzt dagegen und empfiehlt uns, von dem Motto „möglichst viel und davon immer mehr“ Abschied zu nehmen. Die positiven Effekte eines regelmäßigen Sporttreibens lassen sich auch ganz locker erzielen und immer wieder neu genießen, wenn wir unseren „eigenen“ aktiven Sport tatsächlich (wieder) als eine der schönsten Nebensache der Welt betrachten.

Das zweite prominente Beispiel ist Hajo Schumacher, der Berliner Journalist, der in seinem neuen Buch „Bewegt Euch!“ auf seine Freizeitläuferkarriere unter dem Pseudonym Achim Achilles zurückblickt. Seine jüngste Erkenntnis lautet. Weg mit dem krankhaften Perfektionsproblem, mit Zwang und Verbissenheit: Bleib locker, aber bleib in Bewegung, damit Du in Form bleibst! Sport als Wohlfühlfaktor, jeder kann und soll seine Portion probieren. „Leben statt planen“ – macht so gesehen auch neue Lust auf Sport!


  • Mehr Gelssenheit auch im Sport ist der neue Trend. Foto: picture-alliance
    Mehr Gelssenheit auch im Sport ist der neue Trend. Foto: picture-alliance

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