Vorbild und Multiplikator

Der Sport bietet ein enormes Potenzial, um nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben, er muss nur systematischer eingebunden werden, sagt Autorin Karin Fehres.

Sportorganisationen bieten sich als verlässliche Partner an, wenn es darum geht, soziale, ökologische und nachhaltige Themen zu transportieren. Foto: LSB NRW
Sportorganisationen bieten sich als verlässliche Partner an, wenn es darum geht, soziale, ökologische und nachhaltige Themen zu transportieren. Foto: LSB NRW

Sportverbände und -vereine sind in ihrer demokratischen Verfasstheit immer auch ein Spiegel der Gesellschaft in unserem Land. Sie bieten zuallererst guten Sport an. Aber sie übernehmen darüber hinaus auch vielfältige gesellschaftliche Aufgaben, konkret vor Ort, selbstbestimmt und nicht in staatlicher, sondern in eigenständiger Regie. Keine andere Freiwilligenorganisation integriert so viele Kinder, Jugendliche, Senioren und Seniorinnen und Angehörige bildungsferner Schichten wie die Sportvereine.

Sportvereine gibt es seit mehr als 200 Jahren. Sie sind ehrenamtlich geführt, sie sind offen für alle und sie finanzieren sich im hohen Maße selbst. Dies ist selbstverständlich gelebte Nachhaltigkeit, die auch im internationalen Vergleich einzigartig ist. Nachhaltig Sport zu treiben und nachhaltige Vereinsarbeit sind im deutschen Sport vielerorts selbstverständlich. Er liefert zahlreiche Beiträge in wichtigen Handlungsfeldern wie nachhaltigem Konsum, Klimaschutz, zukunftsfähiger Stadtentwicklung oder Biodiversität. Um dieses Engagement zukünftig stärker zu unterstützen, arbeitet der DOSB derzeit an einer Nachhaltigkeitsstrategie. Deren Ziel ist es, weitere Impulse für mehr Nachhaltigkeit im Sport zu setzen und den Sport stärker als bisher als Partner für Nachhaltigkeitsthemen und -projekte ins Gespräch zu bringen. Denn nachhaltiger Sport bedeutet immer auch verantwortliches, strategisches Handeln, das in den eigenen Strukturen verankert und gelebt werden muss.

Sportorganisationen bieten sich als verlässliche Partner an, wenn es darum geht, soziale, ökologische und nachhaltige Themen zu transportieren und sie für die Menschen vor Ort direkt erlebbar zu machen. Auch vermeintlich schwierige und komplexe Sachverhalte, wie es das Thema Nachhaltigkeit nun einmal ist, können in einem neuen, in einem sportlichen und damit emotional positiven Kontext übersetzt und erfahrbar werden. Es gibt unzählige beeindruckende Beispiele hierfür, sei es in dem großen Engagement bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Sei es in der hohen Bereitschaft zum inklusiven Sport von Menschen mit und ohne Behinderung. Oder schlichtweg beim Anpacken, wenn das Vereinsheim mit Solarzellen auf dem Dach ausgestattet werden soll. Sportvereine sind Multiplikatoren, die in die Mitte der Gesellschaft hineinwirken und damit soziale, ökologische und nachhaltige Themen bewegen. Damit auch die nächsten Generationen Sportlerinnen und Sportler von einer intakten Umwelt profitieren, ist der Sport aber auch gefordert, seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren.

Anstoß für die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie war die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen Spiele 2024. Darin spielte die Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle, und dies führte dazu, dass der DOSB sich noch intensiver damit auseinander gesetzt hat. Denn es gilt mehr denn je, die mit nachhaltigem Handeln verbundenen Herausforderungen zukünftig noch stärker zusammen zu denken und mit dem Nachhaltigkeitsansatz den wichtigen roten Faden in den eigenen Entscheidungsprozessen zu weben. Das geht nur mit unseren „Helden und Heldinnen des Alltags“, mit denen also, die sich in den Sportvereinen tagtäglich für Andere engagieren. Von ihren Leistungen, ihrem Engagement, ihrem Ehrenamt lebt unser Land. Sie sind es, die jeden Tag sicherstellen, dass Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen Sport treiben können, die Gruppen betreuen, die dafür sorgen, dass sich die Kooperation mit den Ganztagsschulen weiterentwickelt, und die auch dafür sorgen, dass die Sporthalle umgebaut wird, damit die Tochter, die mit einer Behinderung auf die Welt gekommen ist, mit ihrer Freundin gemeinsam Sport machen kann. Diese Arbeit wird von vielen Millionen Menschen getragen. Und in dem Maße wie Umweltschutz, wie Naturschutz, wie Nachhaltigkeit in der Gesellschaft diskutiert wird, wird es natürlich auch in den Sportvereinen diskutiert und hoffentlich bald überall umgesetzt.

Der Sport bietet ein enormes Potenzial, um nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben – sei es bei der Nutzung von Natur und Landschaft, beim Klimaschutz, durch eine nachhaltige Mobilität, nachhaltig gestaltete Sportveranstaltungen oder auch durch nachhaltig produzierte Sportartikel. Der Sport kann hier Vorbild und Multiplikator sein. Mit einer nachhaltig ausgerichteten Sportentwicklung werden schließlich auch vielfältige Impulse für andere Gesellschaftsbereiche gesetzt. Wichtig ist dafür aber auch, dass Bund, Länder, Kommunen, Tourismusanbieter, Ausrüster sowie Sportartikelhersteller den organisierten Sport systematischer als bisher in ihre Handlungsstrategien integrieren und ihn bei Lenkungsmaßnahmen frühzeitig beteiligen. Wir stehen damit nicht mehr am Anfang, aber wir haben auch noch eine lange Strecke Weg vor uns.

(Autorin: Dr. Karin Fehres ist Vorstand Sportentwicklung des Deutschen Olympischen Sportbundes. Ihr Text erscheint als Leitartikel im neuesten Informationsdienst „Sport schützt Umwelt“. Ausgabe Nr. 127, Oktober/November 2018, hat das Schwerpunktthema „Nachhaltigkeit im Sport“.)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder. 


  • Sportorganisationen bieten sich als verlässliche Partner an, wenn es darum geht, soziale, ökologische und nachhaltige Themen zu transportieren. Foto: LSB NRW
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