Wechsel an der Spitze im LSB Thüringen

Der Landessportbund Thüringen geht mit großer Geschlossenheit, stabiler finanzieller Basis und einer neu strukturierten Führungsmannschaft in die nächsten drei Jahre.

Peter Gösel übergibt symbolisch den Staffelstab an Stefan Hügel (v.l.). Foto: LSB Thüringen/Karina Heßland
Peter Gösel übergibt symbolisch den Staffelstab an Stefan Hügel (v.l.). Foto: LSB Thüringen/Karina Heßland

Die 131 Delegierten des 10. Landessporttages, dem höchsten Gremium des LSB, blicken optimistisch in die Zukunft. Auch aufgrund des neuen Thüringer Sportfördergesetz, welches zur zeitgemäßen und weiterhin erfolgreichen Aufstellung des Thüringer Sports beiträgt. Die langfristige strategische Ausrichtung im Breiten- und Spitzensport stand neben den Wahlen des Präsidiums im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung 2018.

Mit dem 17. November endete eine Ära, sichtbar auch an den Standing Ovation der Thüringer Sportfamilie. Die Mitgliederversammlung in der Landessportschule Bad Blankenburg wählte am Samstag ein neues Präsidium. Nach acht Amtsperioden an der Spitze trat Peter Gösel nicht mehr als Kandidat an. Der 75-Jährige führte den LSB seit 1994 als Präsident mit enormem Einsatz, großer Kompetenz und nie endender Leidenschaft für den Sport, er baute in den Zeiten der politischen Wende die Strukturen des organisierten Sports neu auf, suchte die Kontakte mit der Landesregierung und handelte dabei stets im Interesse der rund 370.000 Mitglieder der Thüringer Vereine. Gösel hat tiefe Spuren im Landessportbund Thüringen hinterlassen, beste Basis für eine weitere positive Entwicklung des Breiten- und Leistungssports.

Sei es die Mitwirkung bei der Erarbeitung und Verabschiedung von zwei Thüringer Sportfördergesetzen (1994,2018), die gesetzliche Verankerung der stabilen Finanzierung des LSB über das Thüringer Glücksspielgesetz oder die Aushandlung mit dem Sportministerium zur Förderung des vereinseigenen Sportstättenbaus – Gösel war stets präsent und setzte sich für die Vereine und Verbände ein.

Guthsmuths-Plakette und  DOSB-Ehrennadel für Gösel

Bei der offiziellen Verabschiedung, der Verleihung der GutsMuths-Plakette in Platin und der Ernennung zum bisher einzigen LSB-Ehrenpräsidenten dankten ihm nicht nur die Delegierten „seiner“ Sportfamilie. Auch Ministerpräsident Bodo Ramelow sagte: „Kompliment und Anerkennung für mehr als zwei Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement. Peter Gösel hat stets für den Sport gekämpft – manchmal laut und manchmal zornig. Er steht für Stabilität im Landessportbund und das Ziel stets den Sport in seiner ganzen Breite weiterzuentwickeln und den LSB als starken Partner zu positionieren. Unter seiner Führung wurde die Förderung des Leistungssports professionalisiert, es wurden zukunftsfähige Strukturen für Nachwuchsbereich geschaffen.“Zudem verlieh Ramelow dem scheidenden LSB-Präsidenten den „Thüringer Löwe“, eine Ehrung die bisher nur Ministerpräsidenten erhielten.

„Dank seines Engagements erfreut sich Thüringen eines hervorragenden Rufes im Sport“, zollte auch Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes seinen Respekt an Gösel und verlieh ihm als Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste um den deutschen Sport die Ehrennadel des DOSB.

Neue Struktur mit neunköpfigem Präsidium

Zugleich blickte Gösel zuversichtlich nach vorn: „Mein Nachfolger sowie alle weiteren Präsidiumsmitglieder bringen wichtige Erfahrungen und die notwendigen Voraussetzungen mit, um das neue Team zukunftsorientiert zu ergänzen. Damit kann ich guten Gewissens den Staffelstab weitergeben.“

Die Delegierten wählten Prof. Dr. Stefan Hügel als neuen LSB-Präsidenten für die Legislaturperiode bis 2021.„Ich bin sehr glücklich über das Ergebnis, weil es das Vertrauen der Mitgliederversammlung ausdrückt und die Geschlossenheit des LSB zeigt“, sagte der 57-jährige Notar aus Weimar. Hügel stand bis 2016 als ehrenamtlicher Vorsitzender an der Spitze des Stadtsportbundes Weimar. Seit 2015 fungierte der leidenschaftliche Sportler bereits als LSB-Vizepräsident. Prof. Dr. Stefan Hügel ist selbst Mitglied in einem Sportverein (HSV Weimar) und kennt sich bestens aus in den Strukturen des organisierten Sports. „Ich war und bin mein ganzes Leben lang aktiver Sportler, nun möchte ich in meinen ehrenamtlichen Funktionen vieles für den Sport in Thüringen erreichen und etwas zurückgeben“, so Hügel, der zudem Ehrenpräsident der Notarkammer Thüringen ist. „Es stehen noch viele wichtige Projekte an, die Anerkennung der sozialen Werte des Sports für die Gesellschaft muss verbessert werden, die Situation der Sportstätten ist dringend zu diskutieren und auch die sportliche Ausbildung von Kindern und Jugendlichen liegt mir am Herzen“, blickt Hügel auf herausfordernde Aufgaben und zugleich Schwerpunkte seiner Amtszeit voraus.

Wiedergewählt wurden als Vizepräsidenten Lutz Rösner (SV GutsMuths Jena), Lutz Scherf (Handballverein 90 Jena) sowie Wolfhardt Tomaschewski (ZFC Meuselwitz). Neu dabei in der kommenden Amtszeit als Vizepräsidenten sind Silke Kraushaar-Pielach (Rodelverein Sonneberg/ Schalkau) sowie Kati Nimz von Leichtathletik Sonneberg. Kraushaar-Pielach ist als Laufbahnberaterin Oberhof/ Suhl im Olympiastützpunt Thüringen und aufgrund ihrer erfolgreichen Leistungssportkarriere im Rennrodeln (Olympiasiegerin und dreifache Weltmeisterin) bereits mit dem LSB vertraut sowie bei den aktiven Sportlern und Trainern als Ansprechpartnerin bekannt. Kati Nimz kennt ebenfalls die Basis, sie ist seit 2002 als Vereinsvorsitzende, Organisatorin von Wettkämpfen, Übungsleiterin und Trainerin überwiegend im Nachwuchsbereich in der Leichtathletik ehrenamtlich aktiv.

In ihren Funktionen bestätigt wurden Robert Fischer als Vorsitzender der Thüringer Sportjugend, Hans-Jürgen Günther als Vorsitzender der Konferenz der Sportfachverbände sowie Dr. Andreas Räuber, Vorsitzender der Konferenz der Kreis- und Stadtsportbünde.

Nicht mehr zur Wahl des Präsidiums angetreten waren drei langjährig tätige und verdienstvolle Mitglieder. Aus ihren ehrenamtlichen Funktionen schieden die bisherige Vizepräsidentin Bildung und Ehrenamt Marion Seeber,Klaus Eidam (Präsidiumsmitglied für Sportstätten, Sport und Umwelt) sowie Michaela Tielsch (Präsidiumsmitglied Frauen und Gleichstellung) aus.

Nach einer bereits zur Mitgliederversammlung 2017 beschlossenen neuen Führungsstruktur gibt es nun nebendem Präsidenten fünf Vizepräsidenten mit übergreifenden Aufgaben. Insgesamt umfasst das Präsidium damitneun ehrenamtliche Positionen, statt wie bisher zwölf. Ziel ist es entscheidungsfähiger zu sein. Die für drei Jahre gewählten Mitglieder übernehmen vor allem repräsentative Aufgaben als sportpolitische Vertretung des LSB und treffen Entscheidungen zur strategischen Ausrichtung. Neben dem Präsidium wird es einen hauptamtlichen Vorstand als gesetzlichen Vertreter des LSB, bestehend aus dem Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt und einem zum 1.Januar 2019 zu berufenden Geschäftsführer geben.

Neues Sportfördergesetz als Basis für Ziele

Selbst gesetzte Vorgaben des Landessportbundes Thüringen für die Jahre bis 2021 sind unter anderem derweitere kontinuierliche Anstieg der Mitgliederzahlen auf 400.000, der Ausbau der leistungssportlichen Rahmenbedingungen und als Ergebnis mehr Teilnehmer bei Olympischen Spielen im Sommer und eine konstante Anzahl im Winter. Dies soll u.a. erreicht werden durch die Sicherung einer bedarfsgerechten Förderung ausgebildeter Übungsleiter, Trainer und Vereinsmanager. Hier fordert der LSB nach wie vor eine „Vergütung, die den inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen eines Trainerberufs gerecht wird“. Das funktioniert nur über eine Erhöhung des Budgets, ansonsten drohen Kürzungen bei Trainern im Nachwuchsleistungssport.

„Dinge, wo der Sport neben seinen Eigenleistungen Unterstützung durch den Staat bedarf“, wandte sich Peter Gösel an den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow – verbunden mit dankenden Worten an die Politik. Denn das verabschiedete neue Sportfördergesetzes bietet den Vereinen und Verbänden eine gute Basis zur Entwicklungund Entlastung. Kernpunkt des neuen Sportfördergesetzes ist die generelle unentgeltliche Nutzung der Sportstätten öffentlicher Träger und zwar erweitert auf Wettkämpfe, gültig ab dem Jahr 2020. Für diese Forderung kämpfte der LSB drei Jahre.

Zugleich eröffnet sich mit der kostenlosen Nutzung von Sportplätzen und Sporthallen ein weiterer Eckpunkt für die Arbeit des LSB. „Für eine bessere Sportentwicklung brauchen wir Sportstätten. Der bundesweite Sanierungsstau wird auf 31 Milliarden Euro geschätzt.“, so Gösel. „Dabei dürfen diese Kosten nicht immer als Belastung bei den Kommunen gesehen werden, sondern im Verhältnis zu den erbrachten Leistungen des Sports.“ Zwar konnten seit 2014 durch das Projekt „Förderung des vereinseigenen Sportstättenbaus“, finanziert durch das Sportministerium, 140 Maßnahmen und 2,8 Millionen Euro unterstützt werden.

Mit 800.000 Euro konnte der LSB 29018 diese Vorhaben fördern, für 2019 hofft man auf eine Erhöhung durch das Ministerium auf 900.000 Euro. „Doch gleichzeitig bedarf es neuer Impulse für den Bau, die Sanierung oder Modernisierung von Sportstätten der Städte und Gemeinden.“

So war die Forderung von Gösel an die Landesregierung, auch angesichts der guten Haushaltslage, einen Masterplan „Sportstätten Thüringen“ auf den Weg zu bringen, um den mit einer Milliarde Euro geschätzten Sanierungsstau abzubauen.

Eine positive Zusage für die weitere Zusammenarbeit erfolgte prompt von Ramelow: „Die größte Thüringer Bürgerbewegung vermittelt Gemeinschaft, übernimmt Verantwortung, erbringt finanziellen Mehrwert im Ehrenamt und gibt durch internationale Wettkämpfe eine Visitenkarte in der ganzen Welt ab. Wir wollen weiterhin gemeinsam die richtigen Akzente setzen.“

Das sich der Vereins- und Verbandssport dabei auch sich an die Bevölkerungsentwicklung, ein verändertes Sportverhalten, neue Organisationsformen und die soziale Wandlung anpassen muss, ist dem LSB bewusst. Schließlich stellte Gösel in seinem letzten Bericht fest, dass „es nicht durchgängig gelungen ist, die gewünschte Entwicklung zu vollziehen“. 367.095 Thüringer waren 2018 in 3.484 Sportvereinen organisiert, nur knapp 1.800 mehr als vor drei Jahren. Ein wachsender Bereich ist das Programm „Integration durch Sport“ des DOSB. In über 300 Thüringer Vereinen sind inzwischen Menschen mit Migrationshintergrund fest als Mitglied verwurzelt. Die Anzahl der Stützpunktvereine ist von 33 im Jahr 2015 auf 66 Vereine in diesem Jahr gestiegen. Dazu kommen erstmals 14 zum Übungsleiter ausgebildete Geflüchtete.

Neuer Sportfachverband und Vereinbarung zum „Jahr des Schulsports“

Beschlossen wurde die Aufnahme des Thüringer Kickbox-Verbandes mit seinen 500 Mitgliedern in 23 Vereinen als neuer Sportfachverband. Noch enger zusammenarbeiten wollen das Thüringer Sportministerium und der LSB im Bereich „Sport und Gesundheit von Schülern“. Zum Landessporttag unterschrieben daher Peter Gösel und Minister Helmut Holter eine Vereinbarung zum „Jahr des Schulsports 2019“, um gemeinsam Kinder in Bewegung zu bringen. Laut dem Thüringer Landesamt für Statistik leiden 40 Prozent der Thüringer Schüler an Haltungsschwächen, zwölf Prozent der Schulanfänger, 18 Prozent der Viertklässler und sogar 21 Prozent der Achtklässler sind von Übergewicht betroffen. Eine positive Entwicklung nahm das Programm „bewegte Kinder =gesündere Kinder“ im Rahmen der Umsetzung des Präventionsgesetzes. Über 2.500 Drittklässler nahmen bereits an dem landesweiten Motorik-Test teil, im laufenden Schuljahr sind 13.000 Schüler angemeldet.Koordiniert wird das Programm durch die Landesgesundheitskonferenz, beteiligt sind Krankenkassen sowie die Universität Jena.

(Quelle: LSB Thüringen)


  • Peter Gösel übergibt symbolisch den Staffelstab an Stefan Hügel (v.l.). Foto: LSB Thüringen/Karina Heßland
    Peter Gösel übergibt symbolisch den Staffelstab an Stefan Hügel (v.l.). Foto: LSB Thüringen/Karina Heßland

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