Zukunftspartner: Biologische Vielfalt, Sport und Gesundheit

Walter Schneeloch, Vizepräsident Breitensport und Sportentwicklung im DOSB, zeigt im folgenden Kommentar auf, dass die Verknüpfung von Sport, Gesundheit und biologischer Vielfalt eine gute Chance für neue Partnerschaften bietet.

Wälder und Parks sind Räume für Sport und Bewegung. Foto: picture-alliance
Wälder und Parks sind Räume für Sport und Bewegung. Foto: picture-alliance

Seit 2007 bildet die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt in Deutschland den Rahmen für Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen, um die Vielfalt der Ökosysteme, die Vielfalt der Arten sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, forderte die Politik alle gesellschaftlichen Kräfte auf, sich zu engagieren. Der Deutsche Olympische Sportbund ist seit langem ein wichtiger Partner, wenn es darum geht, sich für den Schutz der biologischen Vielfalt einzusetzen. Schließlich sind nur intakte Naturräume attraktiv für Sportlerinnen und Sportler und Erholungssuchende.

Im Jahr 2010 riefen die Vereinten Nationen die UN Dekade Biologische Vielfalt aus. Alle zwei Jahre nimmt die deutsche Geschäftsstelle der UN-Dekade ein anderes Themenfeld und dessen Zusammenhang zur biologischen Vielfalt in den Fokus. Von 2017 und noch bis Ende 2018 wird mit den vielfältigsten Aktionen und Maßnahmen auf die Bedeutung der biologischen Vielfalt für die Gesundheit des Menschen hingewiesen. Der DOSB hatte mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums, des Bundesamtes für Naturschutz und zahlreicher Sportverbände bereits ein weithin beachtetes Projekt „Sport bewegt – Biologische Vielfalt erleben“ durchgeführt, welches im und durch Sport für das Thema sensibilisierte. Wir freuen uns, dass das Handlungsfeld „Schutz der Biologischen Vielfalt“ im Sport angekommen und in vielen Sportorganisationen etabliert ist, denn biologische Vielfalt ist Voraussetzung für intakte Naturräume, die häufig auch Räume für Sport und Bewegung sind. Sportverbände übernehmen ganz konkret Verantwortung für mehr Biodiversität in ihrem Umfeld und ihre Projekte gehörten bereits mehrfach zu den Preis-trägern der UN-Dekade. Nun bietet auch das neue Schwerpunktthema der UN-Dekade - Gesundmit der Vielfalt der Natur - neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Sport und Gesundheit.

Dabei müssen wir den vorherrschenden „politischen Gesundheitsbegriff“ dringend erweitern. Es geht bei „Gesundheit“ eben nicht nur um Krankenhausfinanzierung, Krankenkassenbeiträge und Hausarztmangel. Gesundheit ist viel enger mit einer intakten, biodiversen Natur verbunden, als dies bisher vermutet wurde. Naturerfahrung und Bewegung in Natur, Wald und Landschaft wirken sich positiv auf die Gesundheit aus – und zwar sowohl in physischer, wie in psychischer als auch in sozialer Hinsicht. Dieser Gesundheitsnutzen von Biodiversität ist mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen.

In Deutschland treiben mehr als 15 Millionen Menschen regelmäßig Sport im Freien und nutzen die Natur als Sportraum. Abwechslungsreiche Naturerfahrungen verstärken die positiven Wirkun-gen von Sport und Bewegung. Der gesundheitspräventive Mehrwert von angemessener sportli-cher Aktivität ist unbestritten.

Die wichtige Funktion des Sports für die Gesundheit liegt auf der Hand und wird in den mehr als 90.000 Sportvereinen in Deutschland tagtäglich gelebt. Sport hält gesund. Sport in der Natur verstärkt die positive Präventionswirkung. Und für Sport in einer vielfältigen Natur gilt dies umso mehr. Sport, Gesundheit und vielfältige Natur gehören zusammen! Sport ermöglicht sehr sensible Naturerfahrungen und diese sind wiederum Voraussetzung dafür, dass sich Menschen für die biologische Vielfalt einsetzen. Sportwissenschaftler sind überzeugt: „Synapsen lieben Natursport“. Für Aktivitäten in der Natur, die gesundheitsförderlich sind, dürften unsere Natursportle-rinnen und -sportler Experten sein! Sport ist zudem eine Brücke für viele Menschen, sich mit Naturschutz auseinanderzusetzen auch wenn sie nicht Mitglied in einem Naturschutzverband sind. Naturschutz- sowie Gesundheitsbehörden und -organisationen sollten sich das Sportmotiv bei der Gestaltung ihrer jeweiligen Kernaufgaben „Naturschutz“ und „Gesundheit und Prävention“noch stärker zu Nutze machen! Sportaktive und -organisationen können hier als Multiplikatoren dienen.

Sport im städtischen Grün, in Naturparks, in Biosphärenreservaten, auf Flüssen und auf dem Meer, im Wald und in der Landschaft hält in besonderer Weise fit und gesund – und spricht alle Sinne an. Natürlich gilt hierbei das Leitbild des naturverträglichen Sports. Entsprechend kommt den Sportverbänden die Verantwortung zu, Natur nicht nur als „Kulisse“ zu sehen, sondern über Naturschutz zu informieren und am Erhalt der Biologischen Vielfalt aktiv mitzuwirken.

Wir stehen zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor vielfältigen gesundheitspolitischen Herausforde-rungen. Die Zunahme lebensstilbedingter Erkrankungen, die Alterungsprozesse der Gesellschaft und die Finanzierungsprobleme des Gesundheitssystems sind durch die herkömmlichen Steue-rungsinstrumente der Gesundheitspolitik alleine nicht zu lösen. Die Gesundheitspolitik benötigt neue Partner, ein modernes Kooperationsverständnis und muss dringend Sport und Bewegung sowie den Gesundheitsnutzen von Biodiversität in ihre Handlungsstrategien fest verankern.

Die Verknüpfung von Sport, Gesundheit und biologischer Vielfalt bietet eine gute Chance für neue Partnerschaften: Das deutschlandweite Sportvereinssystem unter dem Dach des DOSB, Gesundheitsakteure, Krankenkassen, kommunale Gesundheitsämter und der behördliche und verbandliche Naturschutz sollten sich einer gemeinsamen Strategie und einem Ausbau ihrer Kooperationen verschreiben – dies würde dem Erhalt der Biologischen Vielfalt, dem Ausbau der Präventionsangebote und der Weiterentwicklung von Sportorganisationen gleichermaßen die-nen.

Walter Schneeloch

(Der Autor ist Vizepräsident Breitensport, Sportentwicklung des DOSB; sein Kommentar stammt aus der aktuellen Ausgabe des DOSB-Informationsdienstes „Sport schützt Umwelt.)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


  • Wälder und Parks sind Räume für Sport und Bewegung. Foto: picture-alliance
    Wälder und Parks sind Räume für Sport und Bewegung. Foto: picture-alliance

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