Zum gesunden Leben gehören richtige Ernährung und viel Bewegung

„Die richtige Ernährung alleine macht Übergewichtige noch nicht schlank – erst im Zusammenspiel mit ausreichender Bewegung ist der Erfolg von Dauer“, sagt der DOSB-Vizepräsident für Breitensport/Sportentwicklung Walter Schneeloch.

Essen frisch zubereitet - das ist ein guter Weg zum richtigen Ernährungsverhalten. Übergewichtige Kinder können das in speziellen Kochkursen lernen. Copyright: picture-alliance/dpa
Essen frisch zubereitet - das ist ein guter Weg zum richtigen Ernährungsverhalten. Übergewichtige Kinder können das in speziellen Kochkursen lernen. Copyright: picture-alliance/dpa

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger gilt als übergewichtig, jeder Fünfte sogar als fettleibig. Dicker als der Durchschnitt sind Menschen mit geringerem Bildungsgrad. Das zeigte die erste bundesweite Verzehrstudie, die Bundesverbraucherminister Horst Seehofer am 30. Januar in Berlin vorgestellt hat.

Der Aufschrei, der jetzt durchs Land gehe, so Schneeloch, sei nur teilweise nachvollziehbar: Seit Jahren wiesen Sport, Politik oder Krankenkassen darauf hin, dass Deutschland zu fett sei, die Rezepte zum Abnehmen würden in der Regel gleich mitgeliefert.

„Es fehlt nicht am Problembewusstsein, es fehlt an der Umsetzung“, so Schneeloch. „Wenn wir diese dramatische Entwicklung stoppen wollen, müssen wir Nägel mit Köpfen machen und zum Beispiel auch die Sportvereine mit in das künftige Präventionsgesetz aufnehmen. Dort kann man gesundes Verhalten ganz einfach lernen. Ernährung und Bewegung sind die beiden entscheidenden Stellschrauben. Wenn Deutschland hier nur mit halber Kraft handelt, wird alles doppelt schwer.“

Eine weitere Hürde in der Umsetzung sieht die DOSB-Vizepräsidentin Bildung und Olympische Erziehung, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper in der Bildungspolitik: „Das wissen wir doch nun alles schon seit Jahren. Gesund Leben ist immer auch eine Bildungsfrage: wer’s weiß, verhält sich entsprechend. Anstatt über die Ergebnisse dieser x-ten und gewiss wichtigen Studie zu jammern, müssen sich alle bewegen. Zum Beispiel die Bildungspolitiker, die ja die Bewegungskompetenz gern ausblenden, wenn sie die Lerninhalte oder die Anzahl der Sportstunden festlegen. Dabei müssen wir doch vor allem die Kinder ansprechen. Der Sport erreicht zwar über die Vereine bereits knapp sechs Millionen Kinder im Alter bis 14 Jahre – aber ohne Verbesserungen an den Schulen stehen wir allein.“

Der DOSB setzt sich mit zahlreichen Projekten für eine gesunde Lebenweise ein: die Initiativen „Richtig Fit/Richtig Fit ab 50”, die Teilnahme an der bundesweiten „Plattform Ernährung und Bewegung“ oder das Qualitätssiegel „Sport Pro Gesundheit“, das für die 90.000 deutschen Sportvereine entwickelt wurde. Mittlerweile erfüllen rund 14.000 Angebote die harten Qualitätsstandards, so dass die Maßnahmen von den Krankenkassen bezuschusst werden können.

Dazu ein Kommentar von Bianka Schreiber-Rietig:

Bildung als Kalorienbremse ? 

Nun ist uns der Appetit gänzlich verdorben. Schlug uns schon die EU-Studie auf den Magen, die uns Deutsche als die dicksten Europäer auswies, so bestätigt die nationale Verzehrstudie die pfundigen Erkenntnisse. Und die neue Untersuchung setzt noch eins drauf: Viele, heißt es da, essen deshalb zu viel, zu fett und zu süß, weil sie dumm sind. Das sitzt! 

Bildung als Kalorienbremse und gesellschaftlicher Spaltpilz? Neu? Nein, eine andere Qualität. Denn: Was heißt das anderes, als dass Menschen, die dem sogenannten Prekariat angehören, auch auf der Ernährungsschiene die Verlierer sind? Vielleicht liegt das daran, dass ihre Lebensumstände es ihnen nicht erlauben, qualitativ hohe Lebensmittel einzukaufen. Dass sie andere Sorgen plagen, etwa wie sie ihre Familie überhaupt satt bekommen. 

Natürlich gibt es Frustfresser, Couchpotatos, die alles in sich hineinstopfen, deren Aktionskreis lediglich vom bequemen Sessel zum Kühlschrank reicht, für die nur der tägliche Kasten Bier auf dem Speiseplan steht. Trotz unzähliger Kochsendungen im Fernsehen, wo Esskultur manchmal bis zum Erbrechen zelebriert wird, bleibt es häufig in der deutschen Küche kalt: Viele Kinder leben von Dosengerichten oder Instantsuppe, Schokoriegeln oder Hamburgern, weil die Eltern berufstätig sind, nicht aufwendig kochen wollen oder es gar nicht können. Nicht jeder kann sich eine Küchenmamsell leisten, die ernährungsbewusste Speisen auf die gedeckte Tafel zaubert. Zieht man einen weiteren Schluss aus der Studie, dann dürfte es bald keine elitären Schlachten am kalten Büffet mehr geben: Denn welche wohlgenährte Society-Lady, welcher schwergewichtige Politiker oder Unternehmer will sich dem Verdacht aussetzen, dumm zu sein, weil der Body-Mass-Index zu hoch ist? 

Und hier kommt man an den Punkt, über methodische Schwächen von Ernährungsstudien zu sprechen. Ernährungswissenschaft ist in hohem Maß angreifbar. Es gibt kaum eine Fakultät, die mit Studien und Gegenstudien den Menschen so verunsichert, dass er zwangsläufig zu dem Schluss kommen muss: Das Leben ist ungesund. Da hören sich dann Regeln wie „Essen mit Maßen“, der Rat: „Iss morgens wie ein König, mittags wie ein Bauer, abends wie ein Bettler“, oder: „Wer schwer körperlich arbeitet, darf auch mehr essen“, aus Großmutters Zitatenschatz banal, aber vernünftig an. Weil kaum noch jemand schwer arbeitet, muss anders für Bewegung der Volksmassen gesorgt werden. 

Ein Gründungs-Auftrag des Deutschen Sportbundes war, sich um die Volksgesundheit zu kümmern: Mit beispiellos erfolgreichen Kampagnen wie der „Trimm-Aktion“ oder „Sport für alle“ brachte der DSB die Deutschen auf Trab, und lange schauten Nachbarländer neidisch auf die deutsche Volksbewegung. Doch der Mobilitätsdrang scheint gebremst: Die Zwei- oder schon Dreiklassengesellschaft ist auch im Sport angekommen. Gesunde Ernährung – und regelmäßiger Sport sind für viele in unserem Land Luxus. Aus dem „Wohlstandsbauch“ ist ein „Problembauch“ geworden. Die Sportorganisationen vermitteln seit Jahren vor allem Kindern und Jugendlichen in entsprechenden Projekten Gesundheits- und Körperbewusstsein mit dem Ziel: Lebenslanges, gesundes Bewegen. „Volksgesundheit“ wird von der Politik meist nur unter dem Kosten-Nutzenfaktor betrachtet. Prävention ist da nun eine immer beliebtere Sparmaßnahme. Aber es reicht nicht, sich auf bewährte Partner wie den Sport zu verlassen, denn ganz schnell können die „fetten Unterschiede“ zur dicken sozialen Problemsuppe werden.


  • Essen frisch zubereitet - das ist ein guter Weg zum richtigen Ernährungsverhalten. Übergewichtige Kinder können das in speziellen Kochkursen lernen. Copyright: picture-alliance/dpa
    Essen frisch zubereitet - das ist ein guter Weg zum richtigen Ernährungsverhalten. Übergewichtige Kinder können das in speziellen Kochkursen lernen. Copyright: picture-alliance/dpa

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