Zum Kirchentag gehört auch Sport und Spiel

Beim 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München gehörten Sport und Spiel, Tanz und Bewegung genauso zum Programm wie die Einladung zu Gesprächen, Diskussionen und Interviews über den Sport.

Sport hat Tradition bei Kirchentagen. Coypright: picture-alliance
Sport hat Tradition bei Kirchentagen. Coypright: picture-alliance

Als zentrale Sportstätte hatten die Kirchentagsverantwortlichen den Olympiapark auserkoren. Beim ganztägigen „Forum Sport, Bewegung, Körperkultur“ im arg unterkühlten Olympia-Eisstadion warb Oberbürgermeister Christian Ude heiß für die Bewerbung Münchens für die Olympischen Winterspiele 2018 und brachte gemäß Kirchentagsmotto seine „Hoffnung auf heitere Spiele und ein Fest für Völkerfreundschaft“ zum Ausdruck.

Dabei erhielt er prominente Unterstützung von Hans-Jochen Vogel, dem Münchener Stadtoberhaupt vor und während der Sommerspiele 1972, der auch den terroristischen Anschlag am 5. September in Erinnerung rief: „Das war ein Schmerz, der aber zum Leben gehört“. Im anschließenden Gespräch berichteten die drei Olympiapfarrer Hans-Gerd Schütt auf katholischer sowie Claudia Rudolff (Paralympics) und Thomas Weber auf evangelischer Seite über ihre Arbeit mit den Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Spielen.

Unter dem Motto „Keine Bildung ohne Bewegung“ stellten der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prof. Wolfgang Huber, und der Bielefelder Sportwissenschaftler Prof. Dietrich Kurz einen Zusammenhang der allgemeinen „Bildungsgerechtigkeit, um die es derzeit schlecht bestellt ist“ (Huber) und den möglichen Bildungsbeiträgen des Sports her. Der Sport kann, so Kurz, gerade bei jungen Menschen „Karrieren der Bewegungsarmut verhindern helfen“, wenn er mehr Bildungsbeachtung findet, wie das negative Beispiel der zunehmend mangelhaft ausgeprägten Schwimmfähigkeit von Kindern am Ende des Grundschulalters zeigt. Beide Gesprächspartner unterstrichen abermals die hohe Bedeutung des Sports als Grundthema des sozialen Miteinanders in unserer Gesellschaft und bezeichneten den Sport als einen Sektor, wo junge Menschen zusammen mit anderen lernen können, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen und ein Verhältnis zu ihrem Körper zu entwickeln.

In einer Gesprächsrunde mit Repräsentanten aus Kirche, Politik und Sport erhielt der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, viel Beifall aus dem Publikum, als er erneut seinen Wunsch zur dringend notwendigen Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Sport in der Schule und in den Sportvereinen vortrug: „Es herrscht nach wie vor landesweit ein akuter Nachholbedarf an guten Sportstätten. Das ist schon eine Zumutung, was wir da teilweise erleben müssen“, sagte er. Vesper verwies auch auf die Chancen für die Sportvereine, die es im Zuge der vermehrten Einrichtung von Ganztagsschulen gibt: „Dann müssen die Sportvereine selbst zur Schule gehen, wenn die Kinder nicht mehr in den Verein kommen.“ Lobend erwähnt wurden schon greifende neue Förderideen und Finanzierungspro-gramme von Mitgliedsbeiträgen von Kindern aus einkommensschwachen Familien: „Jedes Kind muss die Möglichkeit haben, in einem Sportverein Mitglied zu sein“, bekräftigte Vesper.

Beiträge des Sports haben Tradition bei Kirchentagen. In München konnte diese gehaltvoll fortgesetzt und neu gelebt werden – nicht zuletzt weil Kirche und Sport als große gesellschaftliche Institutionen den Schulterschluss auf dem Spielfeld des Sports gewagt haben und weil auf der Arbeitsebene von Kirche und Sport diese an sich ungewöhnliche Partnerschaft mit viel Engagement gefüllt wird. Dieses Miteinander soll auch bei den beiden nächsten Kirchentagen praktiziert werden – sei es beim 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 1. bis 5. Juni 2011 in Dresden und beim 98. Deutschen Katholikentag vom 16. bis 20. Mai 2012 in Mannheim.

DJK-Sportverband bringt Kirchentag in Bewegung

Das Thema „Kirche und Sport“ hat nach Ansicht des DJK-Sportverbandes den 2. Ökumenischen Kirchentag belebt und auf sportliche Art und Weise in Bewegung gebracht. DJK-Präsident Volker Monnerjahn zeigte sich mit dem Auftritt in München zufrieden. Trotz des kalten und regnerischen Wetters zog es viele Besucher zu den Aktionen des katholischen Sportverbandes, der sich mit Trendsportarten und seiner Philosophie der gesamtmenschlichen Entfaltung im Sport präsentierte. Der ausrichtende DJK-Diözesanverband München und Freising und die DJK Sportjugend arbeiteten auch mit dem Landesarbeitskreis Kirche und Sport zusammen. Gemeinsam betreute man das Forum „Sport – Bewegung - Körperkultur“, einer Mischung aus Show und Diskussionsrunden mit Spitzensportlern, Politikern und Sportpfarrern.

Kirche und Sport – Hoffnungsträger im Dialog

Ein Kommentar zum ÖKT von Detlef Kuhlmann

„Damit ihr Hoffnung habt“ – das biblische Geleitwort des 2. Ökumenischen Kirchentages, der in München fünf Tage lang über 125.000 Menschen in rund 3.000 Veranstaltungen zusammen-führte, hätte aus der Sicht des Sports kaum besser gewählt werden können. Es lässt zumindest sportliche Auslegungen zu: Wer im Sport antritt, will zeigen, was er kann, will alles geben, damit die Hoffnung auf Erfolg steigt. Nur den Misserfolg zu vermeiden, reicht im Sport oft nicht aus. Im Sport werden - wie im richtigen Leben - jedoch nicht immer gleich alle Hoffnungen erfüllt. Es können eben nicht alle gewinnen. Im Sport hat man auch ein „guter Verlierer“ zu sein - es ist ja (Gott sei Dank!) nur Sport. Aber ist der Sport für die Menschen, die ihn betreiben (wollen), nicht mehr als nur Sieg und Niederlage? Inwiefern kann Sport auch Hoffnungsträger für die Menschen sein?

Um die Idee vom Sport als Hoffnungsträger kreiste beim Kirchentag eine mehrteilige Veranstal-tungsreihe im „Forum Sport, Bewegung, Körperkultur“, das dem Themenbereich „Suchen und finden – Christsein und die vielfältigen Orientierungen“ zugeordnet war. Menschen betreiben Sport, wenn und weil er ihnen Sinn macht. Sie können im Sport vielfältige Angebote für gelingendes Leben finden. Sie können sich selbst und ihr Leben mit Sport bereichern. Im Sport können wir unsere eigenen Fähigkeiten entdecken und verbessern, müssen aber auch lernen, deren Begrenztheit anzuerkennen. Der Sport als Kulturgut unserer Zeit hilft mit, die Gesellschaft aktiv(er) zu gestalten.

Der Sport muss allerdings so gestaltet sein, dass er den Menschen wirklich zugute kommt. Es bedarf ständig der Kultivierung der besonderen Werte, die wir im Sport erfahren können. Beide - Kirche und Sport - können durch die Vermittlung von Toleranz und Rücksichtnahme, von Solidarität und Fairness zur Gestaltung eines menschlichen Miteinanders beitragen.

Der Deutsche Olympische Sportbund und die beiden großen Kirchen in unserem Land haben daher im letzten Jahr ihre institutionelle Partnerschaft „Zum Wohl der Menschen und der Gesellschaft“ in einer gemeinsamen Entschließung manifestiert, in der die „Perspektiven der Zusammenarbeit von Kirche und Sport in Deutschland“ plakativ proklamiert werden. Der Dialog von Kirche und Sport als Partner ist umso wichtiger, je größer die Gefahr besteht, dass diese tragenden Werte auf dem Spiel stehen. Die Hoffnung auf einen „besseren“ Sport darf niemals aufgegeben werden: Der Kirchentag in München war so gesehen ein hoffnungsfroher Dialog zwischen den beiden Partnern.


  • Sport hat Tradition bei Kirchentagen. Coypright: picture-alliance
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