Zur Situation der Sportvereine in Deutschland (Teil 5)

Diese achtteilige Serie informiert über das Wichtigste aus dem Sportentwicklungsbericht "Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland".

 

Vor rund einen halbem Jahr ist der Sportentwicklungsbericht in Buchform erschienen. In den kommenden Wochen werden wichtige Inhalte des knapp 700 Seiten umfassenden Werkes aus der „roten“ Reihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft vorgestellt.  

Eine Strukturbesonderheit von Sportvereinen besteht darin, dass sie sich durch ehrenamtliches Engagement ihrer Mitglieder auszeichnen bzw. permanent darauf angewiesen sind. Ein Sportverein ist nur so „gut“ und nur so „aktiv“, wie die Mitglieder bereit sind, sich mit Zeit und nach Kräften für „ihren“ Verein freiwillig und unentgeltlich zu engagieren. 

Die große Bedeutung dieses ehrenamtlichen Engagements der Mitglieder für Mitglieder im Sportverein scheint nach den Befunden des von Prof. Dr. Christoph Breuer (Deutsche Sporthochschule Köln) herausgegebenen Sportentwicklungsberichtes ungebrochen: Ungefähr 2,1 Mio. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – davon fast eine Mio. Trainer und Übungsleiter – engagieren sich ehrenamtlich und leisten dabei ungefähr 557 Mio. Arbeitsstunden unentgeltlicher Arbeit im Jahr. Diese Zahlen entsprechen einer durchschnittlichen Arbeitsbelastung von 16,2 Stunden pro Mitglied. Dazu heißt es im Wortlaut der Studie weiter: „Sie leisten damit einen beachtlichen Beitrag zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung, der mit rd. 8,5 Milliarden Euro pro Jahr beziffert werden kann“. 

Grundsätzlich sind in Sportvereinen zwei Formen der Freiwilligenarbeit zu unterscheiden: Zum einen die sog. formale, d.h. die amts- bzw. positionsgegebundene Mitarbeit. Diese basiert in aller Regel auf einer kontinuierlichen Übernahme von bestimmten fachbezogenen Aufgaben über einen längeren Zeitraum. Zum anderen lebt ein Sportverein von der sog. informellen, d.h. nicht an ein offizielles Amt gebundenen Mitarbeit seiner Mitglieder. Diese basiert auf der regelmäßigen, gelegentlichen oder sogar nur einmaligen Mitwirkung an bestimmten Aufgaben (z.B. Vorbereitung und Durchführung eines Turniers, Gestaltung eines Jubiläums). In Bezug auf die Leistungen und die prinzipielle Bereitschaft zur Übernahme von Aufgaben besitzen die Vereine einen großen Handlungsspielraum, der zudem je nach Vereinstyp unterschiedlich genutzt wird. 

Auf der Basis einer Hochrechnung können folgende Ergebnisse zur Art und Zahl der besetzten Ämter und Positionen in deutschen Sportvereinen referiert werden: Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Mitglieder entfällt auf durchschnittlich zehn Vereinsangehörige ungefähr eine ehrenamtlich besetzte Position, und auf 13 „einfache“ Mitglieder ohne Amt kommt ein ehrenamtlich aktives Mitglied. In 99% aller Sportvereine ist das Amt des Vorsitzenden besetzt, mit einem Anteil von ebenfalls über 90% folgen der stellvertretende Vorsitzende und der Kassierer; weniger als 60% der Sportvereine verfügen jedoch (nur) über einen Sportwart (59%), einen Pressewart (53%) oder einen Geschäftsführer (29%). Dabei fällt noch auf, dass in der tabellarischen Auswertung unter den Ämterkategorien eine Frauenwartin oder eine begrifflich ähnlich ausgewiesene Funktion nicht enthalten ist. 

Christoph Breuer (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2005/2006. Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. (Köln: Sportverlag Strauß 2007. Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft 2007/02. 694 S.; 46 Euro)



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