Zweiter Sportentwicklungsbericht

Zweiter Sportentwicklungsbericht der Sportvereine in Deutschland vorgestellt

Wirtschaftsfaktor, Integrationsmotor, Gesundheitsversorger und Leistungssportförderer: Deutschlands Sportvereine geben wichtige wirtschaftliche Impulse, sind einer der wichtigsten Träger bürgerschaftlichen Engagements, sie leisten einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung und sind zudem immer häufiger Arbeitgeber. Der zweite Sportentwicklungsbericht belegt auf über 700 Seiten mit diesen und vielen anderen Informatio¬nen die Bedeutung der Sportvereine für die Entwicklung der Gesellschaft.

 

 

Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Breuer (Deutsche Sporthochschule Köln) hat am 22. Juni 2009 in Berlin die Ergebnisse der Studie vorgestellt. Sie analysiert die Situation der Sportvereine in Deutschland und bietet Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Sport. Auftraggeber des Berichts sind das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp), der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Landessportbünde. Mit Hilfe der vorhandenen Längsschnittdaten – der erste Sportentwicklungsbericht wurde 2007 veröffentlicht – können nun zum ersten Mal detaillierte Entwicklungen und Trends zur Zukunft der deutschen Sportvereine aufgezeigt werden.

 

 

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie zählt u.a. die Tatsache, dass die Sportvereine einen bedeutsamen Stellenwert als Arbeitgeber haben. Knapp eine Million bezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den Sportvereinen angestellt. Eine positive Tendenz zeichnet sich ab: Innerhalb der letzten beiden Jahre nahm die Zahl der Vereine mit Ausbildungsplätzen um 125 %, die mit Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr um knapp 50 % und mit Zusatzjobs für Hartz IV-Empfängerinnen und Empfänger um 118 % zu. Addiert man dazu die jährliche Wertschöpfung der Ehrenamtlichen von rund 6,6 Mrd. Euro – welches einer monatlichen Arbeitsleistung von 17,6 Stunden eines jeden Ehrenamtlichen entspricht – stellt der Sportverein einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Der bedeutsame Gemeinwohlcharakter der Sportvereine spiegelt sich in den finanziell erschwinglichen Sportangeboten wider. DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch unterstrich, dass die rund 91.000 Sportvereine mit über 27 Millionen Mitgliedschaften für ein breites Angebots- und Leistungsspektrum stehen. Dabei seien die Vereine nicht nur für ihre Mitglieder da, denn „mehr als 70 Prozent der Vereine gehen Kooperationen mit Schulen ein. Gut 46 Prozent kooperieren mit Kindergärten und 8 Prozent erstellen Angebote mit Krankenkassen. Sportvereine leisten viel für die Gemeinschaft vor Ort“.

 

 

Ohne die Sportvereine ist auch der Leistungssport in Deutschland nicht denkbar. Das beste Beispiel für eine sportliche Karriere ist Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer. „Meine Vereine haben es mir erst ermöglicht, mich zu einer Leistungssportlerin zu entwickeln. Ich habe dort die Grundlagen gelernt und später die Möglichkeit bekommen auf höchstem Niveau zu trainieren.“

 

Als größter „Sportversorger“ in Deutschland leisten die Sportvereine einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheit der Bevölkerung. Inzwischen bieten rund 30 % der Sportvereine Programme zur Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation u.a. in Kooperation mit den Krankenkassen an. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Dr. Christoph Bergner, lobte diese Entwicklung: „Angesichts zur Zeit erheblicher Bewegungsarmut gerade bei Kindern und Jugendlichen und der sich insbesondere in Großstädten verringernden natürlichen Bewegungsräume ist dieses Angebot gar nicht hoch genug zu schätzen.“

 

Die Ergebnisse zeigen daneben neue Herausforderungen auf, vor denen die Sportvereine stehen: Eine nicht zu vernachlässigende Anzahl an Vereinen hat existenzielle Probleme. 13.800 von rund 91.000 Sportvereinen stehen beispielsweise vor Problemen mit der Gewinnung und Bindung von ehrenamtlichen Funktionsträgern sowie Mitgliedern. Ein weiteres Problem ist die finanzielle Situation. In diesem Zusammenhang empfiehlt Professor Breuer den Sportvereinen ihren Frauenanteil zu erhöhen: „Ein hoher Anteil weiblicher Vereins- und Vorstandsmitglieder sichert die positive Vereinsentwicklung. Auch finanzielle Problemlagen sind geringer ausgeprägt.“ Jürgen Fischer, Direktor des BISp, dankte dem Projektleiter Prof. Breuer und seinem Team für die Erstellung des Sportentwicklungsberichts als wichtiges Steuerungsinstrument für den organisierten Sport. Er betonte: „Die Ergebnisse des Sportentwicklungsberichts werden intensiv von der Sportpraxis und Sportpolitik herangezogen und stellen somit eine unverzichtbare Informationsbasis dar.“

 

Weitere Informationen erhalten Sie im

 

Bundesinstitut für Sportwissenschaft 

FG Öffentlichkeitsarbeit

Dorothea Kukowka 

Graurheindorfer Straße 198, 53117 Bonn

Telefon: 0228 – 99 640 9029

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und vom DOSB Ressort Medien/Öffentlichkeitsarbeit.