Den Inhalt dieser Seite:

"Eliteschulen des Sports leisten wichtigen Beitrag"

22.01.2011

DOSB-Präsident Thomas Bach stellt bei der Roadshow 2011 in der "Eliteschule des Sports" in Erfurt vielfältige Kombinationsmöglichkeiten von Schule und Sport in den Vordergrund.

Trimmy zu Gast in der Eliteschule des Sports in Erfurt. Alle Bilder: Andreas Hultsch

Der Nachwuchs zeigt, was er kann.

Thomas Bach im Gespräch mit dem Golf-Nachwuchs.

Trimmy begeisterte die kleinen Gäste.

„Der Besuch einer Eliteschule des Sports bietet die einmalige Gelegenheit, Sport und Ausbildung in einer vernünftigen Art und Weise zu verbinden.“ Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, stellte bei der Roadshow 2011 in Erfurt vor allem die Möglichkeiten zur Kombination der beiden Bereiche heraus. „Die Eliteschulen des Sports leisten damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.“

In der Podiumsdiskussion zum Thema „Eliteschulen des Sports – Garanten für sportlichen Erfolg und qualifizierte Ausbildung oder teurer Prestige-Luxus“ betonte Bach den Wert des Prädikats: „Einrichtungen wie das Pierre-de-Coubertin-Gymnasium stärken nicht nur die Gesellschaft, sie bringen auch leistungsbereite junge Menschen hervor, die den Sport auch als Wirtschaftsfaktor bestätigen.“ Professor Norbert Kleinheyer von der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen betonte: „Die Förderung der Eliteschulen des Sports ist für uns ein wichtiger Baustein. Das Bild eines Olympiasiegers ist immer nur eine Momentaufnahme – dabei ist das, was vorher passiert, viel wichtiger.“

Einen Eindruck von dem, was am Pierre-de-Coubertin-Gymnasium passiert, gewannen die zahlreichen Besucher – darunter neben Bach und Kleinheyer auch der Thüringer Bildungsminister Christoph Matschie - an mehreren Stationen, die über alle Stockwerke verteilt waren. An der  Golfbahn schwärmte etwa Schüler Paul Obermann von seiner Sportart, die seit 2009 zum Förderprogramm der Eliteschule des Sports Erfurt gehört: „Mich begeistert die Komplexität. Beim Golfen muss man Taktik, Geschwindigkeit und Präzision miteinander verbinden.“ Die Eliteschule des Sports biete zudem ideale Trainingsbedingungen. „Außerdem ist man unter anderen Sportler. Man lernt und trainiert mit Freunden“, sagte der 17-Jährige. 

Professionellen Rat gab es auch an der Radsport-Station. René Enders, amtierender Deutscher Meister im Teamsprint, gab Tipps und erinnerte sich: „Mein früherer Trainer sagte zu mir: Junge, wenn du etwas werden willst, musst du nach Erfurt kommen.“ Jochen Wilhelm sollte Recht behalten. Enders fährt regelmäßig Siege ein, unter anderem holte er 2008 zusammen mit Maximilian Levy und Stefan Nimke bei den Olympischen Spielen in Peking die Bronzemedaille im Teamsprint.

Die Vorbildfunktion der Athleten unterstrich Bildungsminister Matschie: „Ihre Spitzenleistungen und die Konzentration auf Werte wie Fairness, Respekt und Teamgeist haben auch eine Ausstrahlung auf andere.“ Deshalb würden die Eliteschulen des Sports in Thüringen auch bewusst gefördert. Dass der Athlet über den Sport hinaus Persönlichkeit entwickeln soll, nannte auch Professor Kleinheyer als wichtiges Ziel des Engagements der Sparkassen-Finanzgruppe, die die Eliteschulen des Sports seit der Gründung des Systems im Jahr 1997 als Hauptförderer unterstützt. „Unsere Partnerschaft ist langfristig angelegt. Mit ihr begleiten wir junge Talente bis in die Olympiamannschaft.“

Auch die Eliteschule des Sports Erfurt hat während der Olympischen Spiele in Vancouver von sich reden gemacht, als die Eisschnellläuferinnen Daniela Anschütz-Thoms, Stephanie Beckert und Katrin Mattscherodt die Goldmedaille holten. Genau wie Gunda Niemann-Stirnemann, Roland Matthes oder Johanna Klier besuchten sie das Pierre-de-Coubertin-Gymnasium beziehungsweise dessen Vorgänger.

Zur Eliteschule des Sports Erfurt gehört ein Internat mit insgesamt 144 Zimmern, in denen derzeit rund 200 Schüler untergebracht sind. Beim Training konzentrieren sich die Thüringer Ausbilder auf die Schwerpunktsportarten Eisschnelllauf, Radrennsport und Leichtathletik. Tage der offenen Tür wie der in Erfurt sind Bestandteil einer Roadshow, die durch die Eliteschulen des Sports im gesamten Bundesgebiet zieht und interessierten Besuchern das Fördersystem näher bringen soll.

 

Dazu ein Kommentar von Jörg Stratmann:

Der bestmögliche Weg

Garant für Erfolg oder teurer Prestige-Luxus? Die Zahlen sprechen eigentlich für sich. Außerdem gibt es Beispiele genug. Aktuelle Schüler oder Ehemalige sind immer gerne bereit, eine Lanze für die Einrichtung zu brechen. Und doch begegnen die Eliteschulen des Sports immer noch der Kritik.

Unter dem Strich jedenfalls steht dieses längst bekannte Ergebnis: Mehr als die Hälfte der deutschen Olympiaathleten der Winterspiele 2010 in Vancouver war oder ist noch auf einer Eliteschule, 82 von 153. 32 von ihnen gewannen Medaillen. Vier Jahre zuvor bei den Spielen von Turin Eliteschüler des Sports drei Viertel der deutschen Medaillen gewonnen oder waren in den Mannschaftswettbewerben an ihnen beteiligt. Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 waren rund 40 Prozent der deutschen Medaillengewinner gegenwärtige oder ehemalige Eliteschüler. Sie stellten rund 30 Prozent der deutschen Mannschaft.

Aber sind Eliteschulen des Sports nun auch besonders funktionstüchtige Verbundsysteme von Sport und Schule?

Es tut ab und zu gut, sich an Ort und Stelle umzusehen. Und sich mit denjenigen zu unterhalten, die in einer solchen Schule versuchen, schulische Bildung und sportliche Ausbildung möglichst so vernünftig miteinander zu verbinden, dass keines von beiden vernachlässigt wird. Wie mit der Erfurter Schülerin Anja Pohl, die froh ist, das „problemlos“ verknüpfen zu können. Oder wie mit der ehemaligen Erfurter Schülerin Daniela Anschütz-Thoms, die gerne bestätigt, als erfolgreiche Athletin auch Persönlichkeit entwickelt zu haben. Beide schätzen die Möglichkeiten, die Schulzeit flexibel zu gestalten nach den Anforderungen von Training und Wettkampf.

Vielleicht stört in der Diskussion auch nur das Wörtchen „Garant“. Selbst die optimalen Bedingungen, die sportliche Talente in diesen Schulen vorfinden, bieten eben doch keine Gewähr, dass der so griffige Leitsatz tatsächlich immer trifft: „Weltmeister werden und den Schulabschluss schaffen.“

Automatisch gelingt das auch in Eliteschulen nicht. Niemand wird zum Gold oder zum guten Zeugnis getragen. Und doch werden jugendliche Sportler hier auf eine Art und Weise begleitet, die dem Optimum zumindest nahe kommt.

Es ist nicht der einzige Weg zum Erfolg, aber der bestmögliche. Insofern ist das auch dieses Wort nicht zu kühn, dass Eliteschule einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten.

 

Hier finden Sie Informationen zur Eliteschule des Sports Erfurt