DOSB-Programm "Integration durch Sport" und Katjes setzen Förderprojekt fort

Bild: Val Thoermer/Fotolia
Bild: Val Thoermer/Fotolia

Unter dem Motto "Katjes verbindet – Integration durch Sport" wollen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Katjes Fassin GmbH + Co. KG Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund für Sport und Bewegung im Sportverein begeistern. Hierzu starteten sie 2014 eine gemeinsame Initiative, an der sich alle Mitgliedsorganisationen des DOSB mit ihren Sportvereinen beteiligen können. Gefördert werden sportintegrative Projekte, die gemeinsam mit Mädchen und Frauen aus unterschiedlichen Kulturen entwickelt und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten werden. Mit dem Ansatz "Sport +X" können zudem sportliche Angebote mit begleitenden Maßnahmen kombiniert werden. Der Fokus liegt dabei besonders auf der Förderung von Teamfähigkeit. Nach dem erfolgreichen ersten Jahr wird das Projekt 2015 fortgesetzt.

Details zum Förderprojekt

Unter dem Motto „Katjes verbindet – Integration durch Sport“ werden der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Katjes Fassin GmbH + Co. KG ihre Kooperation zur Förderung von Migrantinnen im Sport auch 2015 fortführen.

„Sportprojekte, die eigens auf die Wünsche und Bedürfnisse von Migrantinnen ausgerichtet sind, bilden den Baustein, um die Integration von Mädchen und Frauen in Deutschland zu unterstützen“, sagt Walter Schneeloch, Vizepräsident Sportentwicklung im DOSB. „Eine Vielzahl der Projekte, die wir in diesem Jahr umsetzen, legen den Fokus auf die langfristige Bindung der Migrantinnen an den Sport.“

„Bei allen Projekten steht weniger die sportliche Leistung der Teilnehmerinnen im Mittelpunkt. Vielmehr sollen regelmäßige Angebote geschaffen werden, um Mädchen und Frauen mit Zuwanderungsgeschichte für den Sport zu begeistern und sie dabei mehr in die Gesellschaft zu integrieren“, sagt Tobias Bachmüller, geschäftsführender Gesellschafter der Katjes Fassin GmbH + Co. KG. „Gleichzeitig sind die Förderung des Selbstbewusstseins sowie der Teamfähigkeit und die Steigerung der Sprachkompetenz wesentliche Elemente unseres Integrationsprojektes.“

Der DOSB ist das Dach des deutschen Sports und vereint 98 Mitgliedsorganisationen mit mehr als 91.000 Vereinen und 27,8 Millionen Mitgliedschaften. Sein Programm "Integration durch Sport" setzt sich seit 1989 für die Integration von Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund in den organisierten Sport in Deutschland ein. Die Umsetzung des Bundesprogramms erfolgt gemeinsam mit Landes- und Regionalkoordinatoren. Sie unterstützen die Sportvereine, Netzwerkpartner und freiwillig Engagierten an der Basis in ihrer Integrationsarbeit konzeptionell, planerisch und organisatorisch. Das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stehen dem Programm als Zuwendungsgeber und Partner im fortlaufenden Prozess der Programmoptimierung begleitend zur Seite.

Eine wichtige Zielgruppe des Bundesprogramms sind Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund, da sie in den deutschen Sportvereinen unterrepräsentiert sind. So sind gerade mal 44 Prozent der Mädchen und 26 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund im Sportverein aktiv. Bei Mädchen ohne Migrationshintergrund sind es hingegen 63 Prozent und bei Frauen 31 Prozent (siehe Mutz, 2013). Dabei weist gerade der Sportverein ein hohes Integrationspotential auf. Beim gemeinsamen Sporttreiben wird spielerisch interkulturelles Wissen weitergegeben, neue Kontakte über alle Bevölkerungsgruppierungen hinweg geknüpft, Vorurteile abgebaut und Brücken zwischen verschiedenen Kulturen aufgebaut.

Weitere Informationen unter Opens internal link in current windowwww.integration-durch-sport.de

Die Katjes Fassin GmbH + Co. KG ist im deutschen Zuckerwarenmarkt tätig. Als Familienunternehmen hat Katjes die Marken Ahoj-Brause, SALLOS, Hustelinchen und Gletschereis erworben und komplett integriert.

Weitere Informationen unter Opens external link in new windowwww.katjes.de

zu den Bewerbungsunterlagen

zu den undefinedgeförderten Projekten

Kontakt:

Deutscher Olympischer Sportbund:
Programm „Integration durch Sport“
Heike Kübler
Tel.: 069 - 6700 361
E-Mail: Opens window for sending emailkuebler(at)dosb.de

Katjes:
Ansprechpartnerin: Gloria Thyssen
Tel.: 0211 - 15921035
E-Mail: Opens window for sending emailgloriathyssen(at)katjes.de

Nass bis über die Ohren

Fotografin: Sylvia Rizvi

Das Projekt „Nass bis über die Ohren“ zählt zu den 26 Förderprojekten aus der Initiative „Katjes verbindet – Integration durch Sport“. Es etablierte 2014 erstmals spezielle Schwimmzeiten für Migrantinnen in Nürtingen.

Es ist Samstag. Im Inselbad in Nürtingen toben Kinder ausgelassen im Wasser. Einige Frauen machen ihre ersten Schwimmversuche, andere schwimmen bereits eifrig Bahnen - Auf den ersten Blick ein ganz normaler Tag in einem öffentlichen Bad.

Doch heute sieht man hierzu keine Männer im Inselbad. Auch die Fensterfront ist blickdicht abgehängt. Dass diese Frauen mit ihren Kindern ein Schwimmbad besuchen ist nämlich keinesfalls selbstverständlich. Sie sind Migrantinnen aus der Türkei, Bosnien und den arabischen Ländern. Ihre Religion verbietet es ihnen, sich Männern in Badebekleidung zu zeigen. Daher sind „normale“ Dinge, wie ein Schwimmbadbesuch, für sie nicht selbstverständlich. Dass die Migrantinnen in Nürtingen dennoch die Chance dazu bekommen, verdanken sie dem Projekt „Nass bis über die Ohren“. Es bietet den Frauen jeden zweiten Samstag spezielle Schwimmzeiten im geschützten Raum an.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die Zusammenarbeit zwischen dem Fachdienst Jugend, Bildung, Migration Nürtingen der Bruderhaus Diakonie, dem Programm „Integration durch Sport“ beim Landessportverband Baden-Württemberg e. V. und sechs Multiplikatorinnen. Durch ihre eigene Migrationsbiographie und die ehrenamtliche Arbeit in verschiedenen Bereichen des interkulturellen Zusammenlebens sind die sechs wichtige „Brückenbauerinnen“ in der Region. Sie haben viele Kontakte zu Migrantinnen und kennen deren Bedürfnisse, Ängste und Wünsche daher genau. Auch die Idee für eigene Schwimmzeiten ist durch diese Verbindung entstanden.

Die Verknüpfung eines Sportangebots mit einer sportfremden sozialpädagogischen Betreuung, wie hier durch die Multiplikatorinnen, und die Kombination zwischen Diakonie und organisiertem Sport ist noch relativ neu. Das Angebot kommt aber schon jetzt gut an - Mittlerweile profitieren bis zu 100 Frauen und Kinder von dem Projekt, 60 davon kommen regelmäßig. Bis 8 Jahre dürfen sogar Jungs teilnehmen. Während der gemeinsamen Schwimmbadezeit werden das gemeinsame Erleben und darüber das Mutter-Kind-Verhältnis gestärkt.

Anfangs wurde das Projekt alle vier Wochen angeboten. Durch die Förderung im Rahmen der Initiative „Katjes verbindet – Integration durch Sport“  kann das Angebot nun sogar im Zwei-Wochen-Rhythmus stattfinden. Zudem dient das Geld als Anschubfinanzierung für Aquagymnastik- und Schwimmkurse.

Ziel des Projekts ist das erste Interesse der Migrantinnen am Schwimmen und der Bewegung im Wasser zu wecken. Die Frauen können so nicht nur etwas für ihre Gesundheit tun. Sie haben auch die Möglichkeit, sich im geschützten Raum zu treffen, und können gleichzeitig soziale Kontakte mit anderen Frauen pflegen. Momentan steht für viele der Teilnehmerinnen die reine Bewegung im Wasser im Vordergrund. Einige haben sich aber bereits höhere Ziele gesetzt und möchten das Schwimmen erlernen. Für eine Gruppe in dieser Größe regelmäßig und dauerhaft Schwimmkurse anzubieten, übersteigt aber die derzeitigen Möglichkeiten des Projekts. Daher ist langfristig eine Angliederung des Angebots an einen Verein geplant. Für die Migrantinnen ist das Projekt aber schon jetzt ein Erfolg.

Autorin Beatrice Macek, DSM

 

 

Interview „Körbe für Köln“

Das Projekt "Körbe für Köln" hat ein spezielles Sportangebot für Mädchen entwickelt (Quelle: DOSB)

„Für die sozial benachteiligten jungen Menschen ist dieses Angebot mehr als nur die sportliche Betätigung“

Das Basketballprojekt „Körbe für Köln“ wurde 2002 ins Leben gerufen. Projektleiterin und Mitbegründerin Frau Dr. Sascha A. Luetkens berichtet im folgenden Interview über das Projekt und das spezielle Angebot für Mädchen. Das Projekt zählt zu den 26 Förderprojekten aus der Initiative „Katjes verbindet – Integration durch Sport“. Unter diesem Motto wollen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Katjes Fassin GmbH + Co. KG Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund für Sport und Bewegung im Sportverein begeistern.

Was ist der Inhalt des Laureus Sport for Good Projekts „Körbe für Köln“?

 „Körbe für Köln“ richtet sich an sozial benachteiligte Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Über den Basketball wird so ein niederschwelliger Zugang zu jungen Menschen in Wohngebieten mit erhöhtem Jugendhilfebedarf geschaffen. Mit dem Projekt wollen wir in erster Linie die Persönlichkeit und Entwicklung der jungen Menschen stärken, gesunde Lebensstile aufbauen und die Jugendlichen bei Bedarf in Angebote zur beruflichen Orientierung vermitteln. Außerdem ist das Ziel die 12 bis 19-Jährigen dauerhaft in Freizeit- und Vereinsangebote vor Ort zu vermitteln.

Wie ist das spezielle Angebot für Mädchen, das im Rahmen des Projekts „Katjes verbindet“ gefördert wird, entstanden?

Das Laureus Sport for Good Projekt „Körbe für Köln“ ist im engen Partnerverbund in Köln Anfang 2000 entstanden. Die Partner aus den Bereichen Jugendarbeit, Sport, Wissenschaft und Verwaltung wollten sich in der sportbezogenen Jugendsozialarbeit engagieren und Angebote für Kinder und Jugendliche schaffen, die bisher nicht im Sportverein aktiv sind. So entstand 2002 der Sozial- und Sportverein  „Körbe für Köln“ mit Streetball-Angeboten für Mädchen und Jungen. Im Verlauf der Arbeit haben wir immer wieder festgestellt, dass heranwachsende Mädchen mit Migrationshintergrund für das geschlechtergemischte Angebot nur schwer zu begeistern sind. Daher haben wir für diese Gruppe ein spezielles Angebot geschaffen. Neben einer weiblichen Betreuung ist hier das Erst-Training in einem geschützten Raum wichtig. In Köln-Nippes und an anderen Standorten konnten wir hierzu bereits gute Erfahrung machen und implementieren das Angebot aktuell an weiteren Standorten.

Wie erreichen Sie die Mädchen?

Bei dem Angebot für sozial benachteiligte junge Frauen nutzen wir gezielt die Kontakte bestehender Eirichtungen. Beispielsweise an der Tages- und Abendschule in Köln-Mülheim. Dort haben junge Frauen die Möglichkeit ihren Abschluss nachzuholen. Da wir mit dem Projekt genau diese Zielgruppe erreichen möchten, wurde das Basketballangebot für Frauen fest in den Stundenplan integriert. So können sie, unabhängig von anderen privaten oder beruflichen Verpflichtungen, an dem Programm teilnehmen. Ist das Interesse der Frauen geweckt, versuchen wir, sie dauerhaft in Vereins- und Freizeitangebote  zu integrieren. Über den Sport vermitteln wir gesellschaftliche Werte wie Fairness, Toleranz und den Umgang mit Erfolg und Misserfolg, die für die berufliche Perspektive unerlässlich sind. Über die tas Mülheim werden die Frauen in Beratungen zur Berufsorientierung von BAQ MÜLHEIM 2020 vermittelt

Auch im Wohngebiet Köln-Meschenich mit erhöhtem Jugendhilfebedarf wird das Angebot an den bestehende  Mädchentag des Kinder- und Jugendzentrums Köln-Meschenich angeschlossen. Durch die fehlende Busanbindung haben die Jugendlichen dort häufig nicht die Möglichkeit Bildungs- oder Freizeitangebote aus den umliegenden Städten zu nutzen. Daraus resultiert eine hohe Perspektivlosigkeit und fehlende Möglichkeiten überschüssige Aggressionen und Energien in der Freizeit sinnvoll abzubauen. Über das Projekt und den Sport möchten wir den Jugendlichen eine Perspektive aufzeigen. Neben dem sportlichen Aspekt spielt daher die Kompetenzberatung an allen Projektstandorten eine wichtige Rolle. Über die Einbindung junger Menschen in Event- und Angebotsgestaltungen werden diese aktiv fit gemacht auch für ein Ehrenamt im Sport. Sie sind nicht nur Sportnutznießer, sondern Mitgestalter. In einem weiteren Ansatz werden die Mädchen und Frauen angehalten, nach dem Erst-Training in einen geschützten Raum, an öffentlichen Events wie beispielsweise Streetball-Turnieren teilzunehmen.

Warum setzen Sie sich für “ Körbe für Köln“ (persönlich) so stark ein?

Das Projekt ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich habe selbst eine Sportkarriere hinter mir und bin dankbar, dass ich damals durch Familie und Verein viel Unterstützung erfahren habe. Nicht nur sportlich hat mich diese Förderung weiter gebracht – auch für die soziale Entwicklung und mit Blick auf Organisation und Gruppenführung spielt der Sport eine bedeutende Rolle.
Jugendlichen aus benachteiligten Wohngebieten bleibt die Möglichkeit Sportangebote zu nutzen häufig verwehrt. Am liebsten würde ich allen Jugendlichen die Chance geben, die ich damals hatte. Mit dem Projekt „Körbe für Köln“ können wir bisher Jugendlichen an sechs Brennpunkten das Basketballangebot ermöglichen und ihnen durch Beratungsangebote zur beruflichen Orientierung eine Perspektive geben. Für die sozial benachteiligten jungen Menschen ist dieses Angebot daher mehr als nur die sportliche Betätigung. An der Resonanz sehen wir, dass der Bedarf an dem Angebot noch viel größer ist – langfristig möchten wir das Projekt natürlich gerne noch ausweiten.


(Quelle: DOSB)