Gegenseitiges Vertrauen ist wichtig für einen kulturellen Austausch

01.09.2017

Jan Holze, dsj-Vorstandsvorsitzender und dsj-Referentin Lisa te Boekhorst geben ein Interview zur Zusammenarbeit der dsj mit Engagement Global und dem Programm weltwärts-Begegnungen.

Weltwärts-Begegnungen fördert den Austausch von deutschen und afrikanischen Jugendgruppen im Sport. Foto: ASC Göttingen

Seit 2017 arbeiten die dsj und das von Engagement Global angebotene Programm weltwärts-Begegnungen zusammen, um den Austausch von deutschen und afrikanischen Jugendgruppen im Sport und die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ) zu fördern. Engagement Global hat dazu Jan Holze, Vorstandsvorsitzender der dsj, interviewt.

Die Deutsche Sportjugend hat bereits Erfahrungen in der internationalen Jugendarbeit. Was hat Sie überzeugt, eine Kooperation einzugehen mit einer Einrichtung der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit?

JAN HOLZE: Sport kann Menschen auf der ganzen Welt begeistern, ungeachtet ihres sozialen Hintergrunds oder ihrer Sprache. Sport schafft es interkulturelle Brücken zu bauen und eine gemeinsame Kommunikationsebene zu fördern. Diese Fähigkeit ist sowohl in der internationalen Jugendarbeit als auch in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit von großer Bedeutung. Die dsj hat einen großen Arbeitsschwerpunkt in der internationalen Jugendarbeit, zum Beispiel durch langjährige Kooperationen mit Frankreich und Japan, aber auch immer wieder wechselnden Ländern, zum Beispiel im Rahmen der Olympischen Spiele. Auch entwicklungspolitische Arbeit hat Tradition bei der dsj. Seit 1967 engagiert sich die dsj in der deutsch-afrikanischen Zusammenarbeit in unterschiedlichen Feldern, wie beispielsweise der Aus- und Fortbildung von Jugendleitern und Jugendleiterinnen im Sport oder der Organisation von Fachkräfteaustauschen. Durch die Kooperation haben wir die Möglichkeit, Sport, internationale Begegnungen und Entwicklungszusammenarbeit noch enger miteinander zu verknüpfen und die Expertise von Engagement Global und dsj zu bündeln.

Wo sehen Sie die besonderen Chancen und Herausforderungen, die Kooperation von der dsj und Engagement Global fruchtbar zu machen für die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative (DAJ) oder allgemeiner: für den deutsch-afrikanischen Jugendaustausch?

Der organisierte Sport in Deutschland und Sportbegegnungen im Speziellen entwickeln häufig ihre eigenen Dynamiken, Umgangsformen und Herangehensweisen. Die größten Herausforderungen werden sein, die gemeinsamen Ziele trotz unterschiedlicher Kulturen im Blick zu behalten und Perspektivwechsel zuzulassen. Wenn eine gute Zusammenarbeit gelingt, können beide Seiten ihren Horizont erweitern und neue Methoden kennen lernen. Dann wird es auch möglich sein, neue Zielgruppen zu erreichen und vielfältigen deutsch-afrikanischen Jugendaustausch zu gestalten.

Welche neuen Möglichkeiten sehen Sie – im Unterschied zu den bisherigen Förderangeboten (nicht nur von Engagement Global) – durch die neue Förderlinie weltwärts-Begegnungen?

Bislang waren Begegnungsreisen in afrikanische Länder besonders den Jugendlichen vorbehalten, die entsprechende finanzielle Unterstützung hatten. Auch waren die Reisen aus afrikanischen Ländern häufig nicht finanzierbar, sodass die Begegnungen eine starke Nord-Süd-Perspektive aufwiesen. Durch die neue Förderlinie ist es möglich neue Perspektiven in die Jugendarbeit zu integrieren und partnerschaftliche Projekte, ungeachtet der sozialen und kulturellen Herkunft der Jugendlichen, zu ermöglichen. Ein zweiter Vorteil von weltwärts-Begegnungen ist der inhaltliche Fokus auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (United Nations, UN). Durch die Förderlinie werden neue Verknüpfungen zwischen Sport und den UN-Zielen ermöglicht und ein globaler Austausch über diese Ziele gefördert. Neue Zielgruppen werden erreicht und vielfältige Projekte sowie neue Perspektiven ermöglicht.

Wo sehen Sie für den Verband Möglichkeiten, der afrikanischen Seite mehr Gewicht zu geben, in den Austauschen allgemein und in den Begegnungsprojekten im Speziellen?

Um einen Austausch auf Augenhöhe durchzuführen ist es vor allem entscheidend unvoreingenommen und offen auch neue Methoden und Herangehensweisen zuzulassen. Aus deutscher Sicht sollte vor allem die Frage im Fokus stehen „Was können wir alles von Afrika lernen?“ Für einen offenen Dialog braucht es genügend Sensibilität für kulturelle Unterschiede und gegenseitiges Vertrauen. Auch hier eignet sich der Sport als gemeinsame Grundlage auf hervorragende Art und Weise. Gemeinsames Sporttreiben schafft Begegnungen auf Augenhöhe. Dabei ist es egal ob die Sportler und Sportlerinnen aus Deutschland oder einem afrikanischen Land kommen oder welcher sozialer Herkunft sie sind. Der Deutscher Olympischer Sport Bund (DOSB) und die dsj haben langjährige Erfahrung in internationalen Sportprojekten verschiedens-ter Art und können auf bestehenden partnerschaftlichen Strukturen aufbauen. Diese Sportbegegnungen auf Augenhöhe schaffen die Möglichkeit, Begegnungen auf Augenhöhe auch in anderen Bereichen außerhalb des Sports zu fördern.

Wann ist diese Kooperation für Sie erfolgreich?

Wenn wir begeisterte Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland und afrikanischen Ländern haben, die die Welt aus neuen Perspektiven sehen wollen, und die sich für globale Herausforderungen interessieren. Wenn Freundschaften geschlossen werden und auch weiterhin gemeinsames Sporttreiben über soziale, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg für ein gegenseitiges Verständnis und eine Gemeinschaft sorgt.

Internationale Jugendarbeit: Fair Play, Respekt und viele Perspektiven

Interview mit der dsj-Referentin Lisa te Boekhorst für das Blog von Engagement Global

Wie kann Sport beitragen, die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bekannter zu machen und Menschen (in Deutschland und in afrikanischen Ländern) zu animieren, sich für die Erreichung der Ziele einzusetzen?

LISA TE BOEKHORST: Viele der 17 SDGs sind eng mit dem Thema Sport verknüpft. Um einen gesunden Lebensstil zu erhalten ist Bewegung und Sport unerlässlich, aber auch das Thema nachhaltige Städte und Kommunen kann nicht vollständig durchdacht werden ohne sich über Sport- und Freizeitmöglichkeiten in einer Stadt Gedanken zu machen. Hier kann Sport vor allem als inhaltlicher Fokus von Projekten genutzt werden und einen Bezug zum täglichen Leben der Jugendlichen herstellen. Es gibt aber auch weitere Themen, zu denen der Sport einen enormen Beitrag leisten kann. HIV-Aufklärung oder auch Klimaschutz werden inzwischen in einigen Pro-jekten mit Sport verknüpft, um diese Themen spielerisch zu vermitteln und eine gemeinsame vertrauensvolle Gesprächsbasis zu schaffen. Besonders im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung kann der Sport direkt wirken und durch gute Reflektion die Jugendlichen für vielfältige spätere Lebensaufgaben wappnen. Rollenbilder und Gleichberechtigung, aber auch der Umgang mit Konflikten kommen beim gemeinsamen Sporttreiben in geschütztem Rahmen vor und können daher gut aufgegriffen werden. Sport schafft es zu begeistern und regt durch Fair Play zum Perspektivwechseln an. Das sind genau die Eigenschaften, die es braucht, um sich mit den SDGs auseinander zu setzen.

Was ist aus Ihrer Sicht besonders zu beachten, wenn junge Menschen für ein entwicklungspolitisches Engagement im Sport gewonnen werden sollen?

Zunächst glaube ich, dass jeder für entwicklungspolitisches Engagement gewonnen werden kann. Je vielfältiger die Gruppe, desto mehr Perspektiven kommen zusammen und desto größer ist der Mehrwert für die Teilnehmenden. In den Begegnungen geht es nicht darum, bestimmtes Wissen zu erlangen, sondern eigene kulturelle Erfahrungen zu machen und Verständnis für andere Sichtweisen und neue Denkansätze zu bekommen. Um eine erfolgreiche Begegnung zu ermöglichen, ist es jedoch entscheidend, dass Trainerinnen und Trainer und Referentinnen und Referenten sensibilisiert und geschult sind für Gruppendynamiken, Fair Play und interkulturelle Aspekte. Andernfalls können sich Stereotype verfestigen und kulturelle Differenzen verstärken. Auch sind an die Gruppen angepasste Zielvorstellungen entscheidend für ein Gelingen der Projekte. Je heterogener die Gruppe ist, desto schwieriger wird es entstehende gruppendynamische Prozesse zu steuern und einen partnerschaftlichen Austausch zu gewährleisten, bei dem die vorgesehenen Ziele erreicht werden. Es ist daher entscheidend, dass sich Träger und Trägerinnen sowie Referenten und Referentinnen im Vorfeld über Ziele und Gruppen-zusammensetzung Gedanken machen und diese bewusst auswählen.

Welche Erfahrungen aus Ihrer bisherigen Arbeit, insbesondere der internationalen Jugendarbeit, helfen Ihnen bei der Gestaltung dieser Kooperation mit weltwärts-Begegnungen?

Ich habe selbst eine Zeit lang in Südafrika gelebt und dort im Sportentwicklungsbereich gearbeitet. So konnte ich meine eigenen kulturellen Erfahrungen sammeln und die Möglichkeiten aber auch Grenzen des Sports über Ländergrenzen und Kulturen hinweg kennen lernen. Diese Erfahrung hilft enorm dabei, sich in die Projektideen hineinzuversetzen und sensibel einzelne Situationen zu betrachten. Darüber hinaus kenne ich inzwischen aber auch die theoretischen Grundlagen in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit und in der Organisationsentwicklung, sodass ich die verschiedenen Interessensgruppen, die an den Projekten von weltwärts-Begegnungen beteiligt sind, einschätzen und unterstützen kann.

Wie sieht aus Ihrer Sicht eine ideale Sport-Jugendbegegnung im Rahmen von weltwärts Begegnungen aus?

Mit enorm viel Power und Begeisterung. Mit Fair Play und Selbstreflektion. Mit lauten Diskussionen und sportlichen Herausforderungen. Mit Solidarisierung unter jungen Menschen und gegenseitigem Respekt. Mit kreativen Ideen und vielen Perspektiven.

(Quelle: DOSB-Presse, Ausgabe 35/Engagement Global)

 
 

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