Was steht im Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht?

17.02.2016

Im Sommer des vergangenen Jahres wurde der dritte Kinder- und Jugendsportbericht vorgestellt. In einer siebenteiligen Serie werden nun ausgewählte Ergebnisse vorgestellt. (Teil 2)

Sport gehört zu den beliebtesten Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen; bei den Jungs ist Fußball die beliebteste Sportart. Foto: picture-alliance

Der Kinder- und Jugendsport ist mehr denn je im Wandel. Das ist das wesentlichste Fazit des Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts, der im Sommer letzten Jahres in Essen in Anwesenheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vorgestellt wurde. Das sechsköpfige Herausgeberteam mit dem Essener Sportpädagogen Prof. Werner Schmidt als Gesamtleiter hat dem aktuellen 640-seitigen Bericht demzufolge den treffenden Untertitel „Kinder- und Jugendsport im Wandel“ verliehen.

Damit wird auch das Anliegen verfolgt, das Alfons Hörmann in seiner Rede auf der 12. Mitgliederversammlung des DOSB am 5. Dezember 2015 in Hannover anmahnte, indem er dazu aufrief: „Lesen Sie und erarbeiten und analysieren Sie mit uns gemeinsam den aktuellen Kinder- und Jugendsportbericht.“ Unsere Serie soll die vollständige Lektüre des Berichtes zwar nicht vollends , sie kann aber gleichsam als Einladung dienen, dieses und jenes genauer nachzulesen, um den Wandel im Kinder- und Jugendsport noch besser zu verstehen und gegebenenfalls darauf – je nach Standpunkt und Möglichkeiten – sinnvoll und angemessen zu reagieren. Der zweite Teil der Serie beschäftigt sich mit den Gesellschaftlichen Veränderungen, die sich im gegenwärtigen Kinder- und Jugendsport widerspiegeln.

Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmen das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen heutzutage in Deutschland? Im ersten inhaltlichen Teil des Berichtes (Titel: „Gesellschaftliche Veränderungen“) wird in drei Beiträgen ein differenzierter Überblick über wichtige Entwicklungen gegeben: Insgesamt ist das Aufwachsen heutzutage ambivalenter und ungewisser als von vor 20 oder 30 Jahren, dafür bieten sich den Heranwachsenden aber immer mehr Handlungsmöglichkeiten als früher – auch im Sport. Andere Veränderungen betreffen beispielsweise die Digitalisierung und die Dynamisierung des Lebensalltags. Auch die Bildungspotenziale werden nicht mehr allein bzw. schwerpunktmäßig in der Schule gesehen, sondern zunehmend auch „informell“ in Kitas und Kultur- und Freizeiteinrichtungen etc., wo „Alltagsbildung“ stattfindet bzw. „Alltagskompetenzen“ vermittelt werden können.

Sportverein als zentrale Anlaufstelle für Sport

Empirische Befunde zum Aufwachsen in Deutschland werden im ersten Beitrag dieses Kapitels unterteilt in solche aus den Bereichen der Familie, der Gleichaltrigengruppe und der Schule. Gesondert werden danach die häufigsten Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen dargestellt und in mediale, künstlerisch-musikalische und sportliche Aktivitäten untergliedert. Dazu ein genereller Befund im Wortlaut: „Sportliche Aktivitäten gehören nach wie vor zu den beliebtesten und häufigsten Aktivitäten von Heranwachsenden; über 80 % aller Kinder und Jugendlichen treiben regelmäßig Sport, wobei der Sportverein die zentrale Anlaufstelle für sie ist“.

Im nachfolgenden Abschnitt 1.3.3 werden die Befunde zum Sport weiter ausgebreitet: Demnach sind die beliebtesten Sportarten Fußball, Laufen und Joggen, Schwimmen, Turnen, Reiten und Radfahren, wobei hier alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede zu beachten sind. Bei den Mädchen dominiert im Ranking zunächst das Reiten, das im höheren Alter (18 bis 24 Jahre) vom Laufen und Joggen abgelöst wird. Bei den Jungen liegt dagegen (erwartungsgemäß!) durchgängig Fußball an erster Stelle. Manche mag ein anderer Befund mit Sorge erfüllen, andere womöglich aber erfreuen: „Spielsportarten und klassische Individualsportarten verlieren mit steigendem Alter an Bedeutung, Fitnesssport gewinnt hingegen deutlich an Beliebtheit“ (Seite 45). Im Fazit des Beitrags wird aber noch einmal unmissverständlich festgehalten, dass der Sportverein immer noch der wichtigste Anbieter für Sportaktivitäten von Kindern und Jugendlichen ist.

Engagement am liebsten im Sportverein

Über „Umbrüche im Bildungswesen“ (Titel) geht es im zweiten Beitrag, wo neben der Bildungswelt Familie und dem Bildungsort Schule auch über „Bildung in außerschulischen Settings“ berichtet wird. Hier korrespondiert ein Befund mit dem Sport (vorzugsweise im Sportverein) als eine der wichtigsten Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen – denn durch die Übernahme von Ämtern und die damit verbundene Verantwortung für bestimmte Aufgaben wird ein besonderes Bildungspotenzial entfaltet, und zwar bei etwa einem Fünftel aller Jugendlichen, die sich im Sportverein freiwillig engagieren, Jungen sogar etwas mehr als Mädchen – mehr noch: Der Sportverein liegt auch hier an erster Stelle, deutlich dahinter landen z.B. kirchliche Gruppen, Fanclubs oder andere soziale Organisationen wie die Freiwillige Feuerwehr, Jugendorchester oder Heimatvereine.

Der letzte Beitrag dieses ersten Teils, den Gesamtleiter Prof. Werner Schmidt selbst verfasst hat, beschäftigt sich mit der „Verstetigung sozialer Ungleichheiten“ (Titel). Hier zeigt sich im Ergebnis einmal mehr, wie wichtig Entwicklungsimpulse von Eltern (auch im Sport!) sind. Der Sport kann das positive Selbstwertgefühl stärken und stabilisieren; er schafft ebenfalls Gefühle sozialer Anerkennung und Zugehörigkeit – allerdings unter der Voraussetzung, dass die strukturellen Voraussetzungen (z.B. Wohnortnähe der Sportangebote) gewährleistet sind.

Werner Schmidt, Nils Neuber, Thomas Rauschenbach, Hans Peter Brandl-Bredenbeck, Jessica Süßenbach & Christoph Breuer (Hrsg.): Dritter Deutscher Kinder- und Jugend-sportbericht. Kinder- und Jugendsport im Umbruch. Schorndorf 2015: Hofmann Verlag. 640 Seiten; 49,90 Euro.

(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

 
 

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