Dr. Sport

15.03.2017

Warum Bewegung das mächtigste Medikament der Welt ist, in Deutschland trotzdem nicht ausreichend rezeptiert wird, und was wir dafür brauchen, erklärt Autorin Michaela Rose.

Bewegung ist ein mächtiges und dazu noch günstiges Medikament. Foto: LSB NRW

Wir befinden uns im Jahre 35 nach Aerobic-Queen Jane Fonda. Allabendlich bevölkern runden-drehende Jogger unsere Parks, regelmäßig locken Sport-Events ein Millionenpublikum vor die Bildschirme und in die Stadien, alle Jahresanfänge wieder titeln selbst große Nachrichtenmaga-zine mit auflagensteigernden Fitnessthemen. Ganz Deutschland ist scheinbar von Sportlern besetzt. Ganz Deutschland? Mitnichten!

Die Wahrheit ist: Ein (auch) von unbeugsamen Sportmuffeln bevölkertes Land fängt nicht an, der Trainings-Unlust Widerstand zu leisten. Und muss – ob dick oder dünn – über kurz oder lang mit gesundheitlichen Konsequenzen und gigantischen Kosten leben. Oder (im schlimmsten Fall) sogar sterben. Denn immer noch bewegen sich zu viele Menschen in unserem Land zu wenig und europaweit sterben pro Jahr 600.000 Menschen an den Folgen von Bewegungsmangel.

Studien zeigen: Wer seinem sprichwörtlichen inneren Köter regelmäßig das angenehme Kanapee gönnt (und auf Sport verzichtet), riskiert ganz real wirklich unangenehme Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Osteoporose, Gelenkverschleiß oder Krebs. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist Bewegungsmangel für jeden von uns einer der größten Risikofaktoren für unsere unbezahlbare Gesundheit. Und außerdem Zivilisationsphänomen einer Gesellschaft, die von morgens bis abends im Job, im Auto und vor dem Fernseher oder Computer vor allem eins tut: sitzen.

Um dieses Problem von staatlicher Seite nicht einfach auszusitzen, wurde das Präventionsgesetz geschaffen – seit 2015 gibt’s neue Regelungen in puncto Gesundheit der Bevölkerung. Diese gesetzlichen Regeln basieren auch auf den Gesundheitszielen, auf die sich zuvor mittlerweile 140 beteiligte Organisationen aus der Gesundheitsbranche einigen müssen. Was nicht immer leicht ist, wie die aktuelle Diskussion um das eigentlich auf der Hand liegende Ziel „Bewegungsmangel reduzieren“ zeigt. Zwar ist die Forderung nach einem Bewegungsplus in mehr als der Hälfte der Gesundheitsziele irgendwie enthalten, aber trotz der mehr als eindeutigen Studienlage hat die Gesundheitspolitik diesem Aspekt bislang nicht die nötige Priorität eingeräumt.

Fakt ist: Bewegung ist – auch in minimaler aber regelmäßiger und freizeitüblicher Dosis – ein mächtiges und dazu noch günstiges Medikament, das drohende Krankheiten nicht nur verhindern, sondern bestehende Erkrankungen lindern oder sogar heilen kann. Und das garantiert frei von unerwünschten, dafür inklusive erwünschter Nebenwirkungen. Schließlich macht Sport uns nicht nur strunzgesund, sondern nachweislich auch superfit, schlank, schön, schlau und sorgenfrei. Was den ein oder anderen ja auch durchaus zum Training treibt und ihn langfristig dabei bleiben lässt. Wovon wiederum auch seine Gesundheit profitiert.

Doch was nutzt das beste Medikament der Welt, wenn es nicht verordnet wird? Ein „Rezept für Bewegung“ gib es zwar schon seit Jahren – zumindest per Pro-forma-Formular – aber keine Ärztin, kein Arzt darf diese wichtige Überzeugungsarbeit irgendeiner Krankenkasse in Rechnung stellen. Dabei sind sie gerade diejenigen, die die kränkelnden und kranken Zu-wenig-Beweger (oder Nicht-Beweger) vor sich auf dem Stuhl sitzen haben und diese Patientinnen und Patienten dazu bewegen können, ihr Rezept im nächsten mit dem Qualitätssiegel SPORT PRO GESUND-HEIT zertifizierten Sportverein gegen ein Plus an Lebensqualität einzutauschen. Doch was den Medizinern nicht honoriert wird, bedeutet in Zeiten von Zeit- und Kostendruck wohl auch: wird nicht gemacht. Schade eigentlich, denn laut einer Studie sporteln sich nach einer solchen ärztlichen Empfehlung sage und schreibe 55 Prozent der Patientinnen und Patienten in einem Präventionskurs ein wenig gesünder.

Eine ungenutzte Stellschraube, die unsere Gesundheitskosten nachhaltig negativ – in unserem Sinne also positiv – beeinflussen könnte. Doch dafür bedarf es verbindlicher Gesetze, die das Rezept für Bewegung in den Leistungskatalog der Ärzteschaft aufnimmt. Und, keine Sorge: Die Infrastruktur für Gesundheits- und Präventionskurse ist dank DOSB, seinen Verbänden und den 90.000 Vereinen längst etabliert und zertifiziert, bundesweit und bezahlbar auch für spezielle Zielgruppen vorhanden und kann somit einen wesentlichen Beitrag zur Mehr-Bewegung der Bevölkerung leisten.

Als Anwalt für Bewegung fordert der DOSB daher politischen Widerstand gegen Bewegungs-Unlust – dafür brauchen wir das Gesundheitsziel „Bewegungsmangel reduzieren“!

(Autorin: Michaela Rose)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

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