Gelungener Dialog zwischen Sportwissenschaft und Sportorganisation

15.11.2017

Die Sportwissenschaft hätte sich von den Sportorganisationen zu weit entfernt, lautet der Vorwurf. Dass es auch anders geht, zeigt eine wissenschaftliche Analyse zur Trainerausbildung.

Sportwissenschaftler diskutieren mit Verantwortlichen für die Trainerausbildung die Ergebnisse der dreijährigen „QuaTro“-Studie. Foto: DOSB

Der schwierige Dialog zwischen der Sportwissenschaft und den Sportorganisationen wurde in den letzten Jahren immer wieder thematisiert. Die Akteure der Sportwissenschaft hätten sich von den Bedürfnissen der Sportorganisationen zu weit entfernt, so die Analyse der Sportverbände. In den Programmen der dvs-Hochschultage fänden Vertreter/innen der Sportorganisationen ihre Fragen und Probleme kaum beachtet. Die Herausforderungen der Sportorganisationen scheinen kein attraktives Forschungsfeld zu sein. Und folglich bleiben die meisten Verbandsvertreter/innen diesen sportwissenschaftlichen Veranstaltungen dann auch oft fern. Das ist schade.

Es geht aber auch anders. Wie eine fruchtbare Kommunikation zwischen Sportwissenschaft und der Sportverbandsrealität gelingen kann, zeigte sich am vorigen Freitag in der „Arena“ des DOSB. Hier diskutierten Sportwissenschaftler mit Verantwortlichen für die Trainerausbildung in den Sportorganisationen die Ergebnisse der dreijährigen „QuaTro“-Studie, die durch die Förderung des Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) möglich wurde. Das Forscherteam, Prof. Dr. Ralf Sygusch und Raphael Ptack von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg, zeigte auf, was aus wissenschaftlicher Sicht in der Trainerausbildung gut läuft, allerdings auch, wo noch Verbesserungsbedarf ist.

Grundlage für diese Einschätzungen sind Analysen von Ausbildungsdokumenten,  Interviews mit Dozenten und Lehrbeauftragten und intensive Video-Beobachtungen der Ausbildungsrealität. Diese wurden mit den Vorgaben durch die DOSB-Rahmenrichtlinien verglichen, die die „Benchmark“ für die Qualität der Trainerausbildung darstellen, auf die sich die Sportorganisationen geeinigt haben. Prof. Sygusch betonte bereits am Beginn der Studie, dass bei dem gewählten Forschungsdesign einer „Differenzstudie“ auch mit Differenzen zu rechnen sei. So kam es dann auch.

Nun könnte man annehmen, dass Ergebnisse einer solchen Studie – insbesondere wenn sie auch kritische Aspekte behandeln – Abwehrmechanismen provozieren könnten. Wer lässt sich schon gerne von „Externen“ sagen, wie man seinen Job besser machen soll? Aber von einer solchen Reaktion waren die Beteiligten weit entfernt.

Im Gegenteil: Im Kreis des Projektbeirats wurde die sensible und äußerst kooperative Arbeit von Raphael Ptack gewürdigt, der unter der Leitung von Ralf Sygusch die Untersuchungen durchführte und alle Absprachen mit den beteiligten Verbandsvertretern sicher führte. Die beteiligten Verbände (Deutscher Hockey-Bund, Deutscher Skiverband, Deutscher Judo-Bund, Deutscher Alpenverein und die Trainerakademie des DOSB) betonen, die Ergebnisse im Verband diskutieren und in die weitere Ausbildungsarbeit einfließen lassen zu wollen.

Drei Ausbildungsverantwortliche von beteiligten Verbänden, Ulrich Forstner (DHB), Jürgen Wolf (DSV) und Ralf Lippmann (DJB), standen dann auch am Freitag vor ihren Kolleg/innen Rede und Antwort und reflektierten das Verbesserungspotential in ihrer Ausbildung. Dazu gehört viel Mut und das Selbstvertrauen, die Anregungen aus der Wissenschaft auch positiv in der weiteren Arbeit umsetzen zu können. Dieses Selbstvertrauen demonstrierten die drei in beeindruckender Weise.

Und es gehört auch ein guter Rahmen dazu, der offene Diskussionen unterstützt. Diesen Rahmen setzte die Führungs-Akademie (FA) mit ihrem Veranstaltungsformat der „Themenkonferenz“. Verbunden mit der kritischen und immer wertschätzenden Moderation durch den zukünftigen Direktor der FA, Florian Scheibe, gelang eine Veranstaltung, die einen äußerst gewinnbringenden Austausch zwischen Sportwissenschaft und Sportorganisation ermöglichte.

Bleibt zu hoffen, dass es in Zukunft mehr solcher Studien und auch mehr solcher von Offenheit und Transparenz geprägter Austauschgelegenheiten geben wird. Und es bleibt zu hoffen, dass sich dadurch auch die bisher häufig gefühlte Sprachlosigkeit zwischen Sportwissenschaft und Sportorganisation auflöst.

(Autorin: Gudrun Schwind-Gick)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

 

 

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