Festakt zu Willi Daumes 100. Geburtstag

24.05.2013

Gäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport haben Willi Daume mit einer Festveranstaltung zu dessen 100. Geburtstag in Köln als herausragende Führungspersönlichkeit des deutschen Sports gewürdigt.

Zweimal Willi Daume: Der Betrachter schaut auf die Büste und ein Foto des großen deutschen Sportführers. Foto: DOSB

Die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt (li.) und Thomas Bach stehen beim Festakt zum 100. Geburtstag Willi Daumes am 24.Mai 2013 in Köln an dessen Büste. Foto: picture-alliance

„Ich denke in großer Dankbarkeit an diesen Mann“, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach am Freitag zur Begrüßung der rund 150 Gäste, darunter auch Olympiasiegerinnen und Olympiasieger wie Hildegard Falck-Kimmich, Katarina Witt, Ulrike Nasse-Meyfarth, Prof. Karin Büttner-Janz und Michael Krause. Der Festakt im Deutschen Sport & Olympia Museum stand unter dem Motto „Begegnung in Bewegung: Sport trifft Kultur“ und wies damit auf ein Thema, das Willi Daume immer am Herzen lag, der als Visionär und Schöngeist, aber auch als überzeugender und durchsetzungsfähiger Sportpolitiker galt.

Der am 24. Mai 1913 in Hückeswagen geborene Daume wurde 1949 erster Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und 1950 auch zum ersten Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB) gewählt. Er blieb in diesem Amt bis 1970, führte von 1961 an über 31 Jahre das Nationale Olympische Komitee (NOK), von 1979 bis 1988 auch die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) und anschließend für drei Jahre auch die Stiftung Deutsche Sporthilfe. Daume starb am 20. Mai 1996 in München.

Die Deutsche Olympische Akademie, die Daumes Namen trägt, hat das Grab in Dortmund im Auftrag des DOSB pflegen lassen und zum Geburtstag einen Kranz niedergelegt. Auch die Stadt München ehrte Daume auf diese Weise.

Thomas Bach, Olympiasieger im Fechten von 1976, beschrieb in Köln sehr persönlich, wie er als junger Athlet und zugleich Athletensprecher dem Menschen Daume und dessen sportpolitischen Wertvorstellungen „richtig nahe – oder besser gesagt näher gekommen“ sei: „in den unseligen Diskussionen“ um den Boykott der Olympischen Spiele von Moskau, „also in einer Niederlage“. Es wären Bachs zweite Teilnahme an Spielen gewesen.

„Auch Willi Daume hat geschmerzt, dass wir Athleten damals einfach nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner akzeptiert wurden“, sagte Bach. „Und so war es eine entmutigende Niederlage, dass wir die Fehlentscheidung unseres NOKs nicht zu verhindern vermochten.“ Wie Willi Daume auch habe er zu spüren bekommen, wie es ist, „ohnmächtig fremden Interessen ausgeliefert zu sein“.

Willi Daume litt damals auch persönlich unter dem Boykott. Seine Kandidatur für das Amt des IOC-Präsidenten war danach chancenlos. „Und doch“, so Bach, „hat er mich damals gefördert und mich immer wieder ermutigt, nicht nachzulassen und die Enttäuschung zu überwinden.“

„Diese eklatante Ignoranz der sportlichen Interessen“ habe ihn aber auch erst zum sportpolitischen Engagement bewogen, ergänzte der DOSB-Präsident, „und motiviert mich bis heute“. Und besonders Daume habe ihn bestärkt, nicht aufzugeben.

Unmittelbar nach Moskau zog das NOK Konsequenzen und gewährte einem Athletenvertreter Sitz im Präsidium. Darüber hinaus trat Daume, der seit 1956 IOC-Mitglied war, bei der Session 1991 für Bach zurück mit der gleichzeitigen dringenden Empfehlung an die Session, Bach als IOC-Mitglied aufzunehmen.

Er denke, sagte Bach, in großer Dankbarkeit an diesen Mann, „den manche für ein bisschen entrückt hielten, der über den Tellerrand des Sports hinausblickte und gern mit Kultur und Philosophie vereinte, der aber den Athleten und der sportlichen Wirklichkeit zugleich immer nah war“. In den Spielen 1972 in München habe sich all dies gebündelt. „Hier wird Daumes Vision deutlich. Sein Faible für Sport und Kultur zugleich, für Literatur und Design, für Skulptur und Musik, für Farben und Formate.“

Bach begrüßte Kay Daume und las der Versammlung einen persönlichen Brief von Daumes Witwe Rose Daume vor, die nach dem Tode der Tochter Doreen vor wenigen Tagen nicht nach Köln gereist war.

Das Leben an Willi Daumes Seite sei sehr interessant und aufregend gewesen, schrieb sie. „Mein Mann war visionär, diplomatisch, Kunst- und Literaturverbunden und von hoher idealistischer Gesinnung. Dabei kamen das Familienleben und die Firma leider viel zu kurz. Sein Leben widmete er der olympischen Idee und dem olympischen Sport, und er sah in seiner Mission eine gesellschaftspolitische Aufgabe von hohem Rang.“

Seine schlimmsten Stunden habe ihr Mann „nach dem schrecklichen Attentat“ in München erlebt. „Seine Idee von den heiteren Spielen zerbrach. Die Idee, olympische Winterspiele 2022 in München und Bayern zu feiern, hätte mein Mann gewiss mit großer Begeisterung verfolgt“, schrieb Rose Daume und wünschte Thomas Bach alles Gute „bei Ihrer Suche nach neuen olympischen Ufern“.

Über Sport und Kultur sprachen in Köln auch der Architekt Stefan Behnisch, Sohn des Erbauers des berühmten Zeltdaches im Münchner Olympiaparks, Günter Behnisch, und weitere Weggefährten Daumes wie Prof. Manfred Lämmer, Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel, der sein Grußwort per Video sandte, und Prof. Walther Tröger, IOC-Ehrenmitglied und seinerzeit Nachfolger Daumes als NOK-Präsident, der vor allem den gemeinsamen Weg nachzeichnete.

Lämmer nannte Daume den „Choreografen des Gesamtkunstwerks München 1972“ und auch des Olympischen Kongresses 1981 in Baden-Baden, einem „Meilenstein und Wendepunkt der olympischen Bewegung“. Daume, „Visionär, aber kein Utopist, und ein feinfühliger Pragmatiker“, habe es nie genügt, den Sport nur für sich zu sehen. Sport habe nach seiner Ansicht auch Träger von Werten zu sein. Und mit den Spielen von München habe Daume, so sagte Lämmer, ein gültigeres Bild Deutschlands in der Welt gezeichnet als die Goethe-Institute.

Auch Vogel zeigte sich Daume „von Herzen in großer Dankbarkeit verbunden“, einer der „bedeutendsten Persönlichkeiten, denen ich in meinem Leben begegnet bin“.

In einer Diskussionsrunde zum Abschluss des Festaktes wies der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen auch auf Daumes Nazi-Vergangenheit hin. Doch habe Daume die Lehren aus dieser Zeit gezogen, die Erfahrungen einbezogen, um „einen Gegenentwurf" zu schaffen. „Daume sprach über Sport anders als andere“, sagte Pleitgen. „Duch ihn habe ich erkannt, welche Rolle der Sport in der Gesellschaft spielt.“

Auch Prof. Martin Roth, Direktor des Londoner Victoria and Albert Museums und Persönliches Mitglied des DOSB, verwies auf Daumes Leistung in München. „Das war Avantgarde, das war auch Risiko“, sagte Roth. „Das wäre in unserer Sicherheitsgesellschaft heute wohl nicht mehr möglich.“

(Quelle: DOSB)

 
 

Olympia Partner

Olympia Partner