DOSB geht mit Rückenwind in das Jahr 2007

09.12.2006

Sport und Staat wollen in Zukunft in einem engen Schulterschluss gegen die Seuche Doping kämpfen. Die Ergebnisse der DOSB-Mitgliederversammlung:

Thomas Bach (re.) und Michael Vesper hatten die volle Zustimmung der Delegierten (Foto: Christian Meyer)

Dies wurde bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Weimar auf eindrucksvolle Art und Weise bekräftigt.

Zum einen durch die Verabschiedung eines vom Präsidium vorgelegten Zehn-Punkte-Aktionsplans des DOSB, zum anderen durch den Appell des für den Sport zuständigen Bundesminister des Inneren, Dr. Wolfgang Schäuble, für eine intensive Zusammenarbeit von Sport und Staat beim Kampf gegen Doping. DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach würdigte die Darlegungen des Sportministers als eine „großartige Orientierung“ und konnte nach einer inhalts- und diskussionsreichen Delegiertentagung zufrieden vom „Ende eines großen Tages“ sprechen.

Gastredner Schäuble kündigte weitere gesetzliche Maßnahmen zum Kampf gegen Doping an, zum Beispiel durch eine Verschärfung des Arzneimittelgesetzes, eine Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel und die umfangreichere Einbeziehung des Bundeskriminalamtes im Kampf gegen Dopingvergehen. Zudem sollte künftig auch Blutdoping in die strafrechtliche Verfolgung miteinbezogen werden. Der Bundesinnenminister dankte im Rahmen der Delegiertenversammlung im Namen der Bundesregierung dem organisierten Sport „für großartige Leistungen“ und sagte: „Unser Land wäre ohne den Sport unendlich viel ärmer. Dass, was der Sport leistet, könnte eine staatliche Organisation auch nicht annähernd erledigen.“ Schäuble bekräftigte dabei die Freiheit, die Selbstverwaltung und die Eigenverantwortung des Sports.  

Schäuble kündigt gesetzliche Maßnahmen an

Unterstützung erfuhr der Deutsche Olympische Sportbund zuvor bereits durch einen anderen staatlichen Würdenträger. Dr. Richard von Weizsäcker, früherer Bundespräsident und persönliches Mitglied im DOSB, plädierte für die Aufnahme des Sports als Staatsziel ins Grundgesetz: „Wir tun nicht nur uns, sondern der Verfassung einen Gefallen, wenn der Sport ins Grundgesetz kommt.“ Die Mitgliederversammlung beschloss einstimmig einen Appell an Bundestag und Bundesrat, das Grundgesetz im Artikel 20a um einen neuen Absatz 2 mit der Formulierung „Der Staat schützt und fördert die Kultur und den Sport“ zu ergänzen. 

Das DOSB-Präsidium kann mit kräftigem Rückenwind in das Jahr 2007 gehen, denn auch die übrigen wichtigen Vorhaben wurden von der Versammlung einstimmig begrüßt: das Arbeitsprogramm des DOSB-Präsidiums, das von den „Ressort-Ministern“ jeweils erläutert wurde, ebenso wie das neue Steuerungsmodell Leistungssport. Als Inhalte dieses neuen Steuerungsmodells bilden die Traineroffensive, erfolgsabhängiger Einsatz der Fördergelder, Zielvereinbarungen sowie die Schärfung des Profils und der Qualität der Eliteschulen die Stützpfeiler.

Anti-Doping-Programm verabschiedet 

Großen Raum nahm erwartungsgemäß die kontrovers geführte Diskussion zum Zehn-Punkte-Aktionsplan des DOSB zum Anti-Dopingkampf ein, wobei allerdings nur der Punkt umstritten war, der sich mit der vom Präsidium abgelehnten Besitzstrafbarkeit befasst. Dafür plädierte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Dr. Clemens Prokop, dem sich der Bund Deutscher Radfahrer und der Deutsche Triathlon-Verband anschlossen. Der Änderungsantrag zu diesem Punkt wurde mit 418:25 Stimmen abgelehnt. Die Befürworter einer Besitzstrafbarkeit, die den Aktionsplan bis auf diesen Punkt generell begrüßten, zeigten sich dann solidarisch, sodass der Maßnahmenkatalog gegen Doping mit lediglich einer Enthaltung eine deutliche Mehrheit fand.  

In seinem Jahresbericht, in dem die Auseinandersetzung mit der Doping-Problematik breiten Raum einnahm, nannte Thomas Bach auch die Integration als eines der beherrschenden gesellschaftspolischen Themen der letzten Monate. Dabei habe der Sport eine herausragende Rolle gespielt. Die in Deutschland in diesem Jahr organisierten Weltmeisterschaften hätten gezeigt, welch große integrative Kraft im Sport steckt. „Durch das damit verbundene Medieninteresse ist in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt worden, was in vielen Tausenden unserer Vereine tagtäglich geschieht“, sagte Bach, der sicher ist, dass die Vereine diesen Schub der Großereignisse nutzen werden. Bach setzte sich auch mit der Situation auf dem Sportwetten- und Glücksspielmarkt auseinander und zeigte Wege auf, wie die Zuwendungen an den Sport und damit die Existenz gesichert werden können. 

Außerdem dankte der DOSB-Präsident Bundesfinanzminister Steinbrück für sein Programm zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements in Höhe von 400 Millionen Euro und sagte: „Angesichts der Vielfalt der sozialen Aufgaben, die unsere Übungsleiterinnen und Übungsleiter wahrnehmen, ist dies ein wichtiger Schritt zur Stärkung des Ehrenamtes. Auch dafür gilt: Zuwendungen an den gemeinnützigen Sport sind keine Subventionen - Zuwendungen für den gemeinnützigen Sport sind Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaft.“ 

Dr. Michael Vesper: Einsatz für Dopingopfer

Zum ersten Mal präsentierte sich bei dieser ersten Mitgliederversammlung nach der Gründung des DOSB unter dem Tagesordnungspunkt „Berichte“ der Leiter der Geschäftsstelle, Generaldirektor Dr. Michael Vesper. Damit - so Vesper - werde deutlich, dass sich auch in der Gesamtaufstellung des deutschen Sports etwas geändert hat: Mitgliederversammlung und Präsidium geben die Richtlinien der Politik des DOSB vor, die in der Geschäftsstelle mit dem Direktorium an der Spitze eigenverantwortlich umgesetzt wird. In seinem Bericht hob Vesper hervor, dass es in zähen Gesprächen mit Abgeordneten gelungen sei, sie zu überzeugen, auch bei der novellierten Verlängerung des Stasi-Unterlagengesetzes den Sport zu berücksichtigen. Zudem berichtete Vesper, dass in einem solidarischen Prozess eine Verständigung zur Unterstützung der DDR-Dopingopfer gefunden worden sei. Vesper: „Damit stellen wir uns der moralischen Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen, die im Kindesalter ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung mit gesundheitsschädlichen Mitteln von Staats wegen gedopt worden waren.“

Startet den Datei-DownloadDie Rede des DOSB-Präsidenten DR. THOMAS BACH vom 9. Dezember 2006 in Weimar

Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterRadio-O-Töne von der Mitgliederversammlung zum Download

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