1041 Schwimmbäder geschlossen oder von Schließung bedroht

21.10.2015

Mehr als 370 Bäder sind in Deutschland seit 2007 geschlossen worden, weitere 670 sind von der Schließung bedroht. Die Folge: Nur jeder zweite Jugendliche kann sicher schwimmen.

670 Schwimmbäder sind in Deutschland akut von der Schließung bedroht. Foto: picture-alliance

670 Schwimmbäder sind in Deutschland akut von der Schließung bedroht. Foto: picture-alliance

Seit dem 1. Juli 2007 sind bis 30. September 2015 in Deutschland 371 Bäder geschlossen worden. Weitere 670 Bäder sind akut von der Schließung bedroht. Im gleichen Zeitraum wurden nur 21 Bäder neu gebaut und 90 saniert. In den vergangenen acht Jahren wurden im Durchschnitt 46 Bäder pro Jahr geschlossen. Darauf hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DRLRG) am Montag (19. Oktober) hingewiesen. Diese ausschließlich vom Sparzwang geleitete Politik zeige mittlerweile verheerende Auswirkungen. Die Zahl der schwimmfähigen Grundschulabgänger geht stetig zurück, erklärte der Verband.

Besonders hart habe es die Hallenbäder getroffen, heißt es in der Mitteilung. Von den 371 Bäderschließungen seien 223 Hallenbäder gewesen, die die Träger der allgemeinen Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, des Schulschwimmens und des leistungsorientierten Schwimmens, des Sporttauchens und anderer Wassersportarten seien. Von den 7.784 Bädern, die die Sportstättenstatistik in Jahr 2002 ausgewiesen habe, seien aktuell 13 Prozent geschlossen worden oder von der Schließung akut bedroht.

„Die Ausdünnung der Bäderlandschaft muss endlich aufhören“, erklärte DLRG-Präsident Hans-Hubert Hatje und appellierte an Städte und Gemeinden, finanzpolitisch umzudenken und auch über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Besonders problematisch stelle sich die Situation in den ländlichen Regionen dar.

Von dem Abbau sind nach DLRG-Angaben neben den Hallenbädern auch 89 Freibäder, 23 Lehrschwimmbecken, vier Kombibäder, zehn Spaßbäder sowie je zwei Naturfreibäder und Thermen geschlossen worden. Akut von der Schließung bedroht sind zudem 291 Freibäder, 255 Hallenbäder, 51 Lehrschwimmbecken, 19 Spaß- und 20 Kombibäder.

Vor diesem Hintergrund begrüßte die DLRG das Sanierungsprogramm für kommunale Einrichtungen des Bundesbauministeriums, bis zum Jahr 2018 insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Hatje sagte: „Städte und Gemeinden müssen nun ihre Anträge auf Fördermittel stellen, denn auch Bäder gehören zu den kommunalen Einrichtungen.“ Bis zum 13. November haben sie Zeit. Auch wenn dies lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein sei.

Der DLRG-Präsident erläuterte auch die Folgen der Sparpolitik für Kinder und Jugendliche. „50 Prozent sind keine sicheren Schwimmer mehr, 25 Prozent der Grundschulen haben gar keinen Zugang mehr zu einer Schwimmhalle, und die Wartezeiten auf einen Platz im Schwimmkurs bei privaten Ausbildungsorganisationen wie der DLRG dauert zwischen ein und zwei Jahren“, sagte Hatje. In ländlichen Regionen ist die Lage besonders problematisch. Die Daseinsvorsorge sei neben der Sicherheit der Bürger eine originäre staatliche Aufgabe. „Diese müssen wir gemeinsam einfordern und Bund, Länder und Kommunen in die Pflicht nehmen“, sagte der Präsident.

Medienberichte machten deutlich, dass sich die Bürger zunehmend gegen Schließungsabsichten zur Wehr setzten. Eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag der DLRG zeige, dass 87 Prozent der Bundesbürger das Bad wichtig oder sehr wichtig sei.

Die meisten Bäderschließungen gab es im untersuchten Zeitraum mit 102 in Nordrhein-Westfalen. 48 Bäder wurden in Bayern dicht gemacht, 46 in Hessen, 45 in Baden-Württemberg, 40 in Niedersachsen und 31 in Rheinland-Pfalz. Von der Schließung bedroht sind weiter 164 Bäder in Nordrhein-Westfalen, 104 in Niedersachsen, 74 in Bayern, 70 in Baden-Württemberg, 62 in Hessen und 43 in Rheinland-Pfalz. In den neuen Bundesländern wurden 27 Badeanstalten seit 2007 dauerhaft geschlossen, weitere 81 Bäder sind bedroht.

Auch die das Schwimmen ausbildenden Vereine litten unter den Bäderschließungen, erklärte der Verband. Mehrere DLRG-Ortsgruppen hätten sich in den vergangenen Jahren bereits aufgelöst, und zahlreiche weitere litteen unter drastisch sinkenden Mitgliederzahlen, die ihre Existenz gefährdeten.

(Quelle: DOSB)


 
 

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