Afghanistan startet WM-Kampagne

Neuaufbau der Fussball-Nationalmannschaft durch deutsche Experten - 60 Spieler im 1. Aufgebot

Neuaufbau der Fussball-Nationalmannschaft durch deutsche Experten - 60 Spieler im 1. Aufgebot

Nach 20 Jahren Krieg, Zerstörung und Unterdrückung blickt das afghanische Volk wieder nach vorn. Zu den wichtigsten Prestigeobjekten nach einer langen Zeit der Depression zählt der Sport und hier im besonderen der Fußball. Präsident Abdul Alim Kohestani, ein General der Nord Allianz im Kampf gegen das Taliban-Regime, drückt es so aus: "Fußball ist schon immer die populärste Sportart unseres Landes gewesen und schon deshalb bestens geeignet, verloren gegangenes Selbstwertgefühl auf fast allen Gebieten zurückzubringen!"

 

Und dann sagt Kohestani etwas Erstaunliches: "Ich habe gelesen, dass dieser Effekt der Wiedergewinnung von Lebensfreude auch in Deutschland nach dem Sieg der Nationalmannschaft bei der WM 1954 in der Schweiz der Fall war!"

 

Die Hochachtung vor allem, was in enger Beziehung mit Deutschland steht, ist allgegenwärtig. Devise: alles was deutsch ist, muss gut sein, nicht nur der Fussball, auch die Kultur, die Menschen, die Industrie, vor allem der Slogan "Made in Germany". Ist es da noch ein Wunder, dass die Fußballfans in Afghanistan genau Bescheid wissen, wann und wo die nächste Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet.

 

Die Verantwortlichen des Fußball-Verbandes sind in dieser Beziehung sogar schon voller Pläne. Denn erstmals nach einem Vierteljahrhundert wird die afghanische Nationalmannschaft wieder an Qualifikationsspielen für eine WM teilnehmen. Mit Hilfe der beiden aus Deutschland entsandten Fußball-Experten Holger Obermann und Ali Askar Lali, die im Auftrag des NOK für Deutschland, des DFB und des Auswärtigen Amtes tätig sind, wurde vor wenigen Tagen der Neuaufbau der Nationalmannschaft eingeleitet, die bisher lediglich als Kabul Auswahl existiert hatte. Die neue Mannschaft wird jetzt erstmals auch veranlagte Spieler aus den Provinzen wie Herat, Kandahar oder Mazar-e-Sharif berufen, mit denen man bei der WM-Qualifikation für die WM 2006 in eineinhalb Jahren in der Asien-Gruppe, die noch ausgelost wird, eine gute Rolle spielen möchte. Träume darf man schließlich haben und diese gehen dahin, die 2. Runde in der Qualifikation zu erreichen, was der asiatischen Endrunde gleichkäme. Um dem Kind einen Namen zu geben, wird das Vorhaben "Projekt WM 2006" genannt. Es machte bereits Schlagzeilen in den Medien.

 

Von großem Vorteil könnte sein, dass mit DaimlerChrysler, Adidas, Siemens, Transinvest und LTU Sponsoren gewonnen werden konnten. Vor allem die von DaimlerChrysler angebotenen Ausbildungsplätze in Kabul bieten dem Verband eine hervorragende Möglichkeit, die talentiertesten Spieler aus den Provinzen in die Hauptstadt zu holen. Obermann: "Ich bin sehr dankbar, dass deutsche Großfirmen unser Projekt in Afghanistan so toll unterstützen, oft reichte ein freundliches Schreiben, um eine Sportspende auf den Weg nach Kabul zu schicken." Auch deutsche Bundesligavereine unterstützen die deutsche Initiative. 60 Spieler stehen im vorläufigen Aufgebot des Pools, die deutschen Fußball-Experten haben vier hauptamtliche Trainer des Verbandes an der Seite, außerdem zwei Torhüter-Trainer. Was Sorgen bereitet, ist die Möglichkeit, internationale Erfahrung im Vorfeld der Qualifikation zu sammeln. "Da fehlt es uns noch an den notwendigen Finanzen, um mitzuhalten!"

 

Präsident Kohestani ist glücklich, dass das WM-Projekt die volle Unterstützung des deutschen Projektes und seiner Sponsoren hat. Er lässt vor allem Franz Beckenbauer grüßen, der bei seinem Besuch an der Seite des Bundeskanzlers Schroeder in Kabul kurz nach Ende des Taliban-Regimes eine deutsche Fußball-Maßnahme "angeschoben" hatte.