Erstes Winter-Festival des Sports

"Was hier geboten wird, ist großartig", fand Wilhelm Kröll. Der Bürgermeister der hessischen Gemeinde Schwalmstadt war ganz offensichtlich begeistert, wie

der kleine Ort Bodenmais, die Vereine und die Sponsoren im Schneeloch des Bayrischen Waldes die Uraufführung einer neuen Festivalform gestaltet haben, nämlich das 1. Winter-Festival des Sports. Sein Kollege, der Bürgermeister aus Tuttlingen, war ebenfalls angetan von der fantasievollen und engagierten Präsentation des vielfältigen Angebots im Wintersport für jedermann. Die beiden Herren waren nicht die einzigen, die nach Bodenmais gekommen waren, um sich die Kür des Breitensports aus der Nähe anzuschauen, denn in den nächsten Monaten gehören sie zu den Repräsentanten von sieben deutschen Städten, die im Jahr 2002 die Festivals des Sports inszenieren. So erstaunt wie die Bürgermeister und Beobachter anderer Städte war auch der nicht zuletzt wegen seiner vier Medaillen von Salt Lake City gefeierte Cheftrainer Langlauf im Deutschen Skiverband (DSV), Jürgen Wolf, der mit einem großen Stab von Trainern und Skilehrern nicht zu den Zuschauern, sondern zu den Akteuren dieser Weltpremiere gehörte.

Der Deutsche Skiverband zählt seit vielen Jahren zu dem immer noch relativ kleinen Kreis von Spitzenfachverbänden, die neben ihrer sportlichen Elite auch mit großem Engagement den Breitensport forcieren. Das keineswegs in allen Fachverbänden so selbstverständliche Nebeneinander drückt sich beim DSV, wie Cheftrainer Jürgen Wolf erklärte, allein schon darin aus, dass die beiden Verantwortlichen Tür an Tür arbeiten. Natürlich war auch Norbert Schied, der Vizepräsident des DSV, dabei, der seit vielen Jahren mit seinem Sportdirektor Dr. Hubert Brühl einen guten Teil der Verbandskraft in den Breitensport lenkt, um den Skisport in den Schulen und den Vereinen zu fördern und die Kompetenz in Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltfragen zu erhalten.

Der Deutsche Sportbund (DSB) war gut beraten, die Premiere des Winter-Festivals in Bodenmais zu starten. Das Gebiet um den Arber (1.456 Meter) gilt als sicheres Schneeloch. Auch beim Winter-Festival gab es im Skistadion Bretterschachten (1.200 Meter) noch jede Menge Schnee. Die Gemeinde Bodenmais mit ihrem rührigen Bürgermeister Fritz Wühr, die Vereine - mit dem nordischen Skiclub "Skadi" an der Spitze - und ein großer, engagierter Helferkreis haben für hervorragende Voraussetzungen gesorgt. Dazu kam, dass der Deutsche Skiverband die Premiere für ein glänzendes Heimspiel in Sachen Breitensport genutzt und Spitzengruppen zu dem Ereignis mitgebracht hatte. Und an beiden Tagen wölbte sich über dem Skistadion und dem Marktplatz der kleinen Breitensport-Sensationen ein strahlend blauer Himmel.

Wer wollte, konnte sich am Testski-Zelt die neuesten Fischer Langlauf-Ski und Schuhe ausleihen und mit einem der Lehrkräfte im Wald verschwinden, oft nicht ahnend, dass der Herr Jedermann hinter dem Bundestrainer hinterher schnauft oder in die Skitechnik eingewiesen wird. Da versuchten einige sich auf Skibobs, andere auf Snowboards oder auf einer Rodelbahn. Die alpinen Freunde übten auf geliehenen Skiern das Wedeln auf einem schrägen Laufband, auf dem auch das Skitty Show-Team des DSV Wedel-Formationen präsentierte. Am Biathlon-Stand durfte sich jeder im Schießen versuchen. Alles kostenlos. Am Rand der bunten und bewegten Szene flogen die Trick-Ski-Jünglinge mit akrobatischen Sprüngen durch die Luft, während im Innenbereich des Skistadions gerade das Bundeslehrteam des DSV eine Nordic-Show zeigte. Am Sonntag war dann alles vom Skistadion in die Innenstadt von Bodenmais umgezogen, mit Laufbändern, Bungee-Trampolin, Magic Mountain, Kletterwand, mit Spiel, Spaß und Zirkuskünsten der Aktion "Kinder stark machen", die vom früheren Leichtathletik-Star Dr. Harald Schmid organisiert wird, und einer Bob-Anschiebe-Bahn, die gelegentlich vergessen ließ, dass der zweite Tag des Winter-Festivals in Bodenmais ohne Schnee auskommen musste. Auch die Kirchen haben sich mit ihrem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, die kaum alle Besucher fassen konnte, etwas einfallen lassen: mit der getanzten, vom Gospelchor der Bayrischen Turnerjugend gesungenen und zum aktuellen Thema gepredigten "Bewegenden Botschaft". An dem sonst eher besinnlichen Ort kam geradezu lautstarke Begeisterung auf.

Zum Erfolg der Veranstaltung haben auch die lokalen und überregionalen Sponsoren und Förderer beigetragen, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit der Aktion "Kinder stark machen", die Aktion "Saubere Landschaft", die Deutschen Gas- und Wasserwerke, die Kaufmännische Krankenkasse, die Gemünder Ersatzkasse und die vielen lokalen Unternehmen, allen voran das Joska Chrystal Werk. Die weltbekannte Glashütte hat ihre historische, aber immer noch funktionierende Werkhalle für einen Glashüttenabend zur Verfügung gestellt, mit einem Glashüttenbraten aus einem "Kühlofen" mit immerhin noch 500 Grad Celsius und bei dem die Schlange der Gäste nicht abriss, die mit eigener Lungenkraft eine Glaskugel zu blasen versuchten. Das Werk hat zum Sport einen ganz eigenen Bezug, da es seit Jahren die künstlerisch gestalteten Kristallkugeln der Siegestrophäen im Ski-Weltcup ebenso produziert wie die Siegerschale für das Formel 1-Rennen oder einen gewaltigen Kristallpokal, wie auf einem Foto im Werk zu sehen, den Arnold Schwarzenegger einem Weltmeister der Bodybuilder überreicht. Und Professor Dr. Peter Kapustin war froh, dass alles so gut gelungen war. Immerhin wusste sich der Vizepräsident des Deutschen Sportbundes und oberste Chef des Breitensports auch als Präsident des Bayerischen Landes-Sportverbandes gefordert. Sein Fazit: "Bodenmais war ein großartiger Gastgeber. Ich bin sicher, dass es künftig weitere Winter-Festivals geben wird."

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