Stichwort: TV-Sportkanal

 

Drei Fragen an Prof. Dr. Günther von Lojewski, Vorsitzender der Medienkommission des Deutschen Sportbundes

 

„Wir wollen vor allem die sozial- und

gesellschaftspolitischen Angebote auf den Bildschirm bringen“

DSB PRESSE: Das Projekt TV-Sportkanal scheint erneut in politische Turbulenzen zu geraten. Sehen Sie das ähnlich?

VON LOJEWSKI: Ja, scheint so. Aber die Windmacher kennen offensichtlich die Verhältnisse am Boden nicht. Zum Beispiel jene FDP-Politiker, die den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Beck als Initiator attackieren. Tatsächlich geht die Idee eines eigenen TV-Sportkanals auf eine Forderung des Deutschen Sportbundes zurück. Bereits vor einem Jahr hat der Bundestag des DSB eine solche Forderung erhoben, im Namen seiner 27 Millionen Mitglieder, und er hat sich dafür sogar zu einer Gebührenerhöhung bekannt.

Es ist also nur an der Zeit, dass mit Herrn Beck, der immerhin Vorsitzender der Rundfunkkommission der Bundesländer und zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrates des ZDF ist, ein verantwortlicher Politiker der SPD diese Anregung aufgreift. Im Übrigen, an die Adresse jener Politiker, die die Debatte über einen digitalen Sportkanal jetzt mit der anstehenden Gebührenerhöhung verquicken wollen: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, ARD und ZDF, hat für einen digitalen Sportkanal keinen Cent Gebührenerhöhung beantragt. Er nimmt offensichtlich seine soziale Verantwortung ernst. Will die Rechte, die er hat, weil die Piraten sie nicht wollten, endlich maximal nutzen. Und befördert zugleich die digitale Technik, die schon die Regierung Kohl, nicht zuletzt aus industrie-politischen Gründen, in diesem Jahrzehnt durchzusetzen beschlossen hat.

DSB PRESSE: Und wie begründet der DSB seine Forderung?

VON LOJEWSKI: Wir wollen vor allem die sozial- und gesellschaftspolitischen Angebote auf den Bildschirm bringen, die der DSB den Bürgern mit dem Breitensport macht. Dass Sport gesund ist; dass er immer mehr alten Menschen wieder einen Lebenssinn gibt; dass er Ausländer integriert und Behinderten wieder Freude vermittelt. „Sport tut Deutschland gut. Beweg Dich“ – so lautet ja unsere Kampagne. Da geht doch der Sport mit seinen rund 90.000 Vereinen, mit Keglern, Wanderern und Schwimmern, in eine Verantwortung, die die Politik gar nicht mehr leisten kann, weil sie finanziell am Ende ist.

DSB PRESSE: Und warum regen sich dann die privaten Programmanbieter so auf?

VON LOJEWSKI: Auch das ist Windmacherei. Die scheuen sich nicht, bei der EU-Kommission wegen der „Sportrechte“ zu intervenieren und meinen doch nur Fußball, Fußball, Fußball, den DFB-Pokal oder die Champions-League, die Olympischen Spiele und einige Wintersportarten. Die haben ja in der Medienkommission des DSB am Tisch gesessen, als dem Präsidium die Beschlüsse vorbereitet wurden. Aber da hat keiner den Finger gehoben. Die wollten die soziale Dimension des Sports erklärtermaßen nicht. Die wollen „Quote, Quote, Quote“ und das große Geschäft: Zwei Aktive in der Formel 1 und 15 Millionen Couch-Potatoes. Das ist aber Unterhaltungsindustrie und hat mit jenem Sport nichts zu tun, den 27 Millionen Bürger aktiv betreiben.

Ein Beispiel gefällig? Für den Frauenfußball haben sich die Privaten nie interessiert – den die Öffentlich-Rechtlichen Anbieter schon seit Jahren unterstützt haben, bis die deutschen Frauen jetzt Weltmeister geworden sind.