Die Quote als Pfeiler auf dem Weg zum Erfolg

Die Geschlechterquote ist wie eine Regel im Sport, die sicherstellt, dass jedes Teammitglied auf dem Spielfeld eine faire Chance erhält. Sie schafft Chancengerechtigkeit.

Der Frauenanteil in Führungspositionen im deutschen Sport beträgt nur 31 Prozent. Foto: DOSB/Frank May
Der Frauenanteil in Führungspositionen im deutschen Sport beträgt nur 31 Prozent. Foto: DOSB/Frank May

Betrachten wir die Verbandsentwicklung als sportlichen Wettbewerb, so wird deutlich, dass jedes Team, das langfristig erfolgreich sein will, die besten Spieler*innen identifizieren, entwickeln und ins Spiel bringen muss. Es ist unabdingbar, vielfältige Talente und Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Zahlreiche Studien belegen immer wieder aufs Neue, dass vielfältige Führungsteams bessere Entscheidungen treffen, innovativer und kreativer sind, eine stärkere Strahlkraft nach außen haben, und letztendlich entscheidend zum Unternehmenserfolg beitragen.1 Daher ist die Förderung von Frauen und unterrepräsentierten Gruppen in Führungspositionen nicht nur sportlich klug, sondern auch entscheidend für den langfristigen Verbandserfolg.  

Leider zeigt sich immer wieder, dass eine intrinsische Motivation nicht ausreicht, um Veränderungen in den Führungsebenen zu erzielen. Das verdeutlicht auch der DOSB-Gleichstellungsbericht. Der Frauenanteil in der deutschen Bevölkerung beträgt 51%. Der Anteil weiblicher Mitglieder im organisierten Sport in Deutschland beträgt nur 39%. Der Frauenanteil in Führungspositionen im deutschen Sport nur noch 31%. Das zeigt sich auch bei der DOSB-Mitgliederversammlung. In den letzten sieben Jahren schwankte der Anteil weiblicher Delegierter zwischen 19 und 26%. Aber es ist kein deutlicher Verbesserungstrend in Sicht. Forschung zeigt, dass es einer „kritischen Masse“ von mindestens 30% bedarf, damit sich Frauen in Organisationen entfalten und Einfluss nehmen können.2  

Hier kommt die Geschlechterquote für die MV ins Spiel. Sie ist wie eine Regel im Sport, die sicherstellt, dass jedes Teammitglied auf dem Spielfeld eine faire Chance erhält. Sie schafft Chancengerechtigkeit und fördert die Entwicklung von Spieler*innen, die bisher vielleicht auf der Ersatzbank saßen - die sich aber perspektivisch zum*zur Stammspieler*in entwickeln könnten. 

Die Einführung einer Geschlechterquote mag für einige wie eine taktische Herausforderung erscheinen, die Machtstrukturen verändert. Doch es ist wichtig zu reflektieren, dass dies keine Frage des Machtverlustes ist, sondern vielmehr ein Spielzug, der das gesamte Team stärkt. Frauen in Führungspositionen bringen eine Vielfalt an Perspektiven, Fähigkeiten und Erfahrungen mit, die die Bandbreite der Strategien und Lösungsansätze erweitern. Dabei wirkt sich die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen auch positiv auf die Berücksichtigung und Inklusion anderer Gruppen aus, die in Entscheidungsprozessen bisher nur rudimentär bis gar nicht bedacht worden sind.   

Wir stehen derzeit vor der Herausforderung, dass zunehmend rechtsextreme, anti-feministische und rassistische Äußerungen ihren Weg in den Bereich des Sagbaren finden. Die Werte des Sports werden immer mehr von antidemokratischen Parteien und Strömungen herausgefordert und unterwandert. Es ist an uns als Sport, eng zusammenzustehen und klar Position zu beziehen. Die Einführung einer Geschlechterquote zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an unserer DOSB-Mitgliederversammlung ist dabei ein wichtiger Schritt. Die Gleichberechtigung von Frauen ist nicht einfach nur „Goodwill“ und  „nice to have“, sie ist ein demokratischer Grundpfeiler und eine Voraussetzung für den langfristigen Erfolg des Sports in Deutschland.  

(Autor*innen: Verena Bentele und Thomas Weikert)

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1 U.a. How diversity, equity, and inclusion (DE&I) matter | McKinseyFrauen und Männer: Gemischte Teams fällen bessere Entscheidungen - DER SPIEGEL31_innovationdiversityandmarketgrowth_keyfindings-1.pdf (coqual.org) 

2 Frauen in Wirtschaft und Führungspositionen: Frauen in Führungspositionen haben einen positiven Effekt auf den Unternehmenserfolg (ilo.org) 

 


  • Der Frauenanteil in Führungspositionen im deutschen Sport beträgt nur 31 Prozent. Foto: DOSB/Frank May
    Abstimmung bei der DOSB-Mitgliederversammlung, Frau hält eine Stimmkarte nach oben Foto: DOSB/Frank May