Continuous Dialogue – was ist das eigentlich?
Katrin Grafarend, Leiterin des Ressorts Internationales im DOSB, erläutert, was hinter dem Besuch der deutschen Delegation im Olympic House in Lausanne steckte und wie es in der Kooperation mit dem IOC nun weitergeht.

29.11.2025

Mit der Statue Pierre de Coubertins im Rücken, im Jahr 1894 Gründer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wurde Otto Fricke am Freitagmittag im Olympic House in Lausanne staatstragend. „Das ist ein wichtiger Tag für den DOSB, denn wir sind heute in den Continuous Dialogue mit dem IOC eingetreten“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes. Gemeinsam mit DOSB-Präsident und Delegationsleiter Thomas Weikert, den beiden IOC-Mitgliedern in Deutschland, Kim Bui und Michael Mronz, Katrin Grafarend als Leiterin des Ressorts Internationales und Stephan Brause, Leiter des Ressorts Olympiabewerbung, war Fricke in die Schweiz gereist, um auf dem Weg zu einer deutschen Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele den nächsten Schritt zu gehen.
Welche Bedeutung dieser hat, das kann Katrin Grafarend, die für die Weiterführung des Dialogs mit dem IOC auf hauptamtlicher Ebene verantwortlich sein wird, am besten erläutern: „Wir hatten auch bisher schon ein sehr gutes Arbeitsverhältnis mit dem IOC, aber keinen konkreten Status. Der Continuous Dialogue ist der Beginn einer noch engeren Zusammenarbeit, er vertieft den Austausch mit dem IOC auf dem Weg zur Bewerbung.“ Der Sinn hinter diesem Austausch: Das IOC wartet nicht wie früher auf das, was ihm die Kandidatenstädte an Konzepten anbieten, sondern engagiert sich aktiv darin, die Bewerbungen zu optimieren, indem es den Bewerbern aktuelle Entwicklungen spiegelt und wertvolle Informationen zur Verfügung stellt. Diese Rolle ist ein wenig vergleichbar mit jener, die der DOSB aktuell im Dialog mit den vier Bewerberregionen Berlin, Hamburg, München und Rhein-Ruhr spielt; die Rolle eines neutralen Begleiters, dem viel daran gelegen ist, das bestmögliche Konzept im Rennen um die olympische Gastgeberrolle herauszufiltern.
Staatsministerin Christiane Schenderlein mit zwei Mitarbeitenden dabei
Zunächst gab es deshalb am Freitagvormittag ein Arbeitstreffen zwischen der DOSB-Delegation und vier Mitgliedern der IOC-Abteilung „Future Olympic Host“. Darin stellte der DOSB den aktuellen Stand der Bewerbung vor mit den vier Regionen, die die IOC-Mindeststandards alle erfüllen, erläuterte die Unterstützung der Politik, die sich am 19. November mit einem Kabinettsbeschluss hinter die Bewerbung gestellt hatte, und erklärte den weiteren Weg zur Kandidatenfindung, der am 26. September 2026 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden schließlich zu einem Ergebnis führen soll.
Anschließend stieß zum zentralen Tagesordnungspunkt die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Christiane Schenderlein (CDU), mit zwei Mitarbeitenden zur DOSB-Delegation hinzu, um IOC-Präsidentin Kirsty Coventry in Person von Thomas Weikert den offiziellen Brief zu übergeben, mit dem die Aufnahme des Continuous Dialogue beantragt wird. Eine mündliche Bestätigung gab es direkt, eine schriftliche wird folgen. Coventry nahm sich insgesamt zwei Stunden Zeit für den gemeinsamen Austausch. „Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen, ist unser wichtigstes sportpolitisches Ziel. Warum wir das wollen und dass wir an den Erfolg einer deutschen Bewerbung glauben, konnte ich der IOC-Präsidentin im persönlichen Austausch heute näher begründen“, sagte Schenderlein. Zum Abschluss des offiziellen Termins genoss die deutsche Gruppe noch eine Führung durch das Olympic House.
Im Rahmen des kontinuierlichen Dialogs finden in den kommenden Monaten regelmäßige Gespräche und Termine statt, die dem Austausch und der Optimierung der Konzepte dienen. Der nächste ist für die Zeit der Winterspiele in Norditalien (6. bis 22. Februar 2026) geplant, wo der DOSB am offiziellen „Observer Program“ teilnehmen darf. Konkrete Workshops, die das IOC Bewerberstädten anbietet, können von Oktober 2026 an besucht werden, wenn die Entscheidung über den nationalen Bewerber gefallen ist.
Der Continuous Dialogue ist noch nicht die letzte Gesprächsstufe. „Wenn das IOC mit einem Bewerber ein Konzept für ein konkretes Jahr entwickeln möchte, lädt es zum sogenannten Targeted Dialogue ein“, sagt Katrin Grafarend. So ist zumindest aktuell der Prozess. Ob dieser so bestehen bleibt, werden die kommenden Monate zeigen. Im Rahmen des nach Amtsantritt von Coventry begonnenen Konsultationsprozesses, bei dem unter dem Motto „Fit for the Future“ über zukünftige Weichenstellungen und Prioritäten des IOC diskutiert wird, kann es auch zu Anpassungen im Vergabeverfahren kommen. Die Beratungen im IOC sollen bis Sommer 2026 abgeschlossen sein. „Die Timeline unseres nationalen Verfahrens mit der Entscheidung über den Bewerber am 26. September in Baden-Baden passt damit sehr gut zur Zeitschiene dieses Prozesses im IOC“, sagt Katrin Grafarend.
Dass auf dem Weg zu olympischen Heimspielen noch viel Arbeit auf den DOSB und die Bewerber wartet, stellte Otto Fricke vor seiner Abreise noch einmal klar. „Wir haben erklärt, wie weit wir im Verfahren sind, wie gründlich wir es vorbereiten und dass wir das mit viel guter Laune tun. Nun müssen wir dafür sorgen, die beste Entscheidung für Deutschland und für die olympische Bewegung zu treffen. Das schaffen wir nur, wenn wir es gemeinsam machen“, sagte er. Pierre de Coubertin hätte, wäre er nicht nur als Statue dabei gewesen, diese Worte mit Wohlwollen vernommen.

