Der Tausendsassa, der Olympia im Herzen trägt
Wer sind die Persönlichen Mitglieder im DOSB? Im ersten Teil unserer monatlichen Serie stellen wir Moritz Fürste vor: Familienvater, Hockey-Olympiasieger, Erfinder des Fitnesswettkampfs Hyrox - und nun auch noch Präsident seines Heimatvereins.

05.01.2026

Wäre der schöne Begriff „Tausendsassa“ nicht schon im 18. Jahrhundert entstanden, dann müsste man ihn heute für Moritz Fürste erfinden. In der deutschen Sportfamilie kennt man den 41-Jährigen zwar noch immer in erster Linie als Hockey-Idol, doch die internationale Wahrnehmung hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Seit Fürste mit seinem Geschäftspartner Christian Toetzke im Jahr 2017 den Fitnesswettkampf Hyrox als neue Sportart aus der Taufe hob, lernen ihn die meisten Menschen als Unternehmer kennen. „Die sind dann oft überrascht, wenn sie mitbekommen, dass ich auch mal ganz erfolgreich Hockey gespielt habe“, sagt der Hamburger beim Gespräch in einem Café im Stadtteil Eppendorf, wo er einige Jahre gelebt hat.
Wer Moritz Fürste schon lange kennt und ihn längere Zeit nicht persönlich trifft, erlebt solche Gespräche wie im Zeitraffer. Im September begleitete er Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) auf eine Dienstreise nach Indien, wo er mehrere Spielzeiten in der Hockey-Profiliga gespielt hatte und 2013 mit den Ranchi Rhinos Meister geworden war. Im Advent war er für eine Woche in Melbourne, um dem Hyrox-Hype in Australien vor Ort den Puls zu fühlen. Vor dem Jahreswechsel ging es für vier Tage zum Dubai World Sport Summit. Zwischendurch Weihnachten und Silvester in der Heimat. Man fühlt sich mit ihm manchmal wie im Märchen von Hase und Igel: Egal, wo der Hase läuft, Mo ist immer schon dagewesen. Wobei es ihm nicht in den Sinn käme, sich einzuigeln; wenn es bunt und laut wird, ist es meist er, der den Ton angibt.
Seit gut einem Monat tut er dies auch in seinem Heimatverein Uhlenhorster HC. Zwar war er schon Gesicht und Stimme des Clubs, seit er dort als 19-Jähriger in der Bundesliga debütierte und die „Uhlen“ zwischen 2008 und 2012 zu drei Triumphen in der Euro Hockey League führte. Aber nachdem er im November den nach 23 Jahren Amtszeit abgetretenen Präsidenten Horst Müller-Wieland beerbte, ist er nun offiziell der „erste Mann“ im UHC. Geplant war das nicht. „Ich hatte ungefähr ein Jahr lang den Prozess der Nachfolgefindung mitgestaltet, ohne dass ich darüber nachgedacht habe, dass ich es selbst machen könnte“, sagt er.
Seit November ist er Präsident des Uhlenhorster HC
Dann jedoch beschloss man im 1901 gegründeten Traditionsverein aus dem Hamburger Nordosten, die Rolle des Ersten Vorsitzenden anders zu definieren und die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, „und auf einmal ergab es Sinn, dass ich übernehme. Ich hätte es mir prinzipiell eher in fünf Jahren vorstellen können, aber man kann nicht alles immer perfekt timen.“ Weil er sich in den vergangenen Jahren bereits in der Kaderplanung und im Sponsoring eingebracht hatte, rechnet er nicht damit, dass sich der ehrenamtliche Aufwand durch das neue Amt signifikant erhöht. Wäre angesichts der gut 60 Wochenstunden, die er für Hyrox aufbringt, auch schwierig. „Am Anfang wird es sicherlich manchmal etwas belastend, aber ich bin gut darin, Dinge zu priorisieren und zu strukturieren, und ich weiß, dass ich mich zu 100 Prozent auf mein Team verlassen kann“, sagt er.
Es ist Moritz Fürstes Glück - und zu einem guten Teil sicherlich auch sein Geschick -, in allen Lebenslagen stets die richtige Begleitung zu finden. Das ist im Privatleben so, in dem ihm seine Ehefrau Stephanie viel Verständnis für seine multiplen Verpflichtungen entgegenbringt. Das ist im Geschäftsleben so, wo er während seines dualen Studiums in der Werbebranche in Michael Trautmann einen wichtigen Mentor fand und heute im Hyrox-Kontext in Toetzke den perfekten Kompagnon hat. Das ist im Verein so, wo ihm ein aus acht weiteren Personen bestehender Vorstand den Rücken freihalten wird, wenn er wegen seiner beruflichen Verpflichtungen im Ehrenamt kürzer treten muss. Und das war auch im Leistungssport so, in dem Fürste als Mittelfeldregisseur zwar all seine Teams zu Titeln führte, darunter die beiden Olympiasiege 2008 und 2012. Aber in dem er lernte, dass Erfolg immer auf dem Zusammenwirken einer Gemeinschaft basiert. „Diese Werte, die ich im Sport mitbekommen habe, sind für mich auch im Berufsleben Leitmotive geblieben, die mir extrem wichtig sind“, sagt er.
Kein Wunder also, dass er sich dem Sport weiterhin auf vielen Ebenen verbunden fühlt. Auf Hyrox liegt dabei selbstverständlich der Fokus. Voraussichtlich im August dieses Jahres entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) über Neuaufnahmen ins Programm der Sommerspiele 2032 in Brisbane (Australien), und Hyrox - bestehend aus acht unterschiedlichen Fitness-Workouts, an die sich jeweils ein 1.000-Meter-Lauf anschließt - ist als Disziplin im Dunstkreis des Triathlons im Auswahlprozess vertreten. „Wir stellen gerade mit dem Triathlon-Weltverband die Kooperation fertig und hoffen dann auf die Zusage“, sagt Moritz Fürste.
Es wäre der letzte Schritt auf einem Weg, den Fürste und Toetzke sich vor gut acht Jahren zwar ausgemalt, aber nicht für so rasant gangbar gehalten hatten. 2022 übernahm der Sportrechtevermarkter Infront 60 Prozent am Unternehmen, was eine wirtschaftliche Neuausrichtung ermöglichte. Im Kalenderjahr 2025 gab es in 35 Ländern auf der ganzen Welt gut 100 Events mit rund 850.000 Teilnehmenden. Die Zahl der Mitarbeitenden verdoppelte sich auf 400, 80 davon sind in Deutschland ansässig. Weltweit sind rund 14.000 Studios lizenziert, um Hyrox-Kurse anzubieten oder aktiv dafür zu werben.
Am 24. Januar findet in Amsterdam erstmals ein Wettkampf für Kinder ab acht Jahren statt, mittelfristig möchte Fürste seine Erfindung auch als Schulkonzept etablieren. „Die Art und Weise, wie wir gewachsen sind, ist fast unvergleichbar, wir werden andauernd als schnell wachsendes Business ausgezeichnet“, sagt Fürste, dem es aber in erster Linie darum geht, das Wachstum mit Substanz zu unterfüttern. Dabei würde die Aufnahme ins Olympiaprogramm helfen. „Das ist ein strategischer Schritt, um in einer ganz anderen Breite in der Sportwelt anzukommen“, sagt er.
Dass man ihn in dieser Welt nicht mehr vorrangig mit Hockey verbindet, stört ihn kaum. Im Gegenteil, er hat sich nach dem Ende seiner Leistungssportkarriere 2018 viel breiter aufgestellt. Fünf bis sechs Hyrox-Wettkämpfe bestreitet er pro Jahr, dazu schlägt er für die Herren 40 des UHC in der höchsten nationalen Tennis-Liga auf. Hockey spielt er dagegen „nur“ noch zum Vergnügen für die Dritten Herren des UHC in der Oberliga. Viel lieber begleitet er seine Töchter Emma (10) und Lotta (8) zu deren Hockeyspielen oder zu Trainingslagern und Turnieren. „Es ist mir total wichtig, die beiden zu begleiten, ohne dass ich irgendwelchen Druck ausüben würde. Sie sollen machen, was sie lieben“, sagt der glückliche Papa, der seinen eigenen Vater kurz vor seinem zehnten Geburtstag beim Untergang der Fähre Estonia im September 1994 verlor.
Olympische Spiele in Deutschland sind für ihn eine Herzensangelegenheit
Die Leidenschaft für die olympische Idee brennt in Moritz Fürste auch zehn Jahre nach seinem bronzenen Abschied in Rio de Janeiro noch intensiv. Deshalb ist sein Engagement als persönliches Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eine Herzensangelegenheit - auch wenn ihm noch immer nicht alle Inhalte geläufig sind. „Ich kenne meine Rolle als persönliches Mitglied nicht genau und habe leider zu selten Zeit, zu den gemeinsamen Veranstaltungen zu kommen. Aber ich bin total interessiert an allen Themen und bringe mich in der Medienkommission ein“, sagt er.
Die Bemühungen des DOSB, eine Bewerbung um die Ausrichtung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 auf den Weg zu bringen, verfolgt Moritz Fürste selbstverständlich mit großem Interesse. Auch wenn ihm die Auswahl des Kandidaten für das internationale Rennen - auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wählt der DOSB am 26. September in Baden-Baden aus den Bewerbern Berlin, Hamburg, München und NRW mit Köln als „Leading City“ den nationalen Sieger aus - grundsätzlich zu lang dauert: „Ich finde es schade, dass der DOSB nicht einfach eine Entscheidung trifft, anstatt einen langwierigen, kostspieligen Wettbewerb zu veranstalten, und mir ist nicht klar, warum wir es uns in Deutschland bei Großprojekten wie diesem nicht trauen, mutiger zu sein.“
Am Ende jedoch, und dem stimmt auch Moritz Fürste zu, geht es in erster Linie darum, die Olympischen Spiele wieder nach Deutschland zu holen. „Natürlich bin ich Hamburg-gefärbt, aber am wichtigsten ist mir, dass wir dem Sport in Deutschland endlich den gesellschaftlichen Stellenwert geben, der ihm gebührt, und dafür wäre die Ausrichtung Olympischer Spiele in unserem Land ein enorm wichtiger Faktor.“ Dass Steffen Rülke als Kopf der Hamburger Bewerbung sich längst zum Gedankenaustausch mit einer der größten Sportpersönlichkeiten der Stadt getroffen hat, versteht sich von selbst. Aber Moritz Fürste würde sich auch engagieren, sollte der Sieger am 26. September nicht Hamburg sein. „Mir geht es um die Sache!“
Wo er die Zeit dafür hernehmen würde, stünde auf einem anderen Blatt. Aber ein Tausendsassa wie er wird das schon anständig hinbekommen.
Persönliche Mitglieder
Die Persönlichen Mitglieder im DOSB sind bis zu 15 engagierte Persönlichkeiten aus allen Gesellschaftsbereichen, die einen Sportbezug haben und vom Präsidium und der Athletenkommission vorgeschlagen und durch die Mitgliederversammlung gewählt werden. Dies passiert alle vier Jahre, das nächste Mal wieder im Dezember dieses Jahres. Weitere Informationen zu den aktuell zwölf Mitgliedern gibt es hier.


